Venezuela weist Schweizer Diplomaten aus

Venezuelas Präsident Maduro teilt die Welt gerne in Gut und Böse ein. Hier die guten Linken, zum Beispiel die Kubaner, dort die bösen Imperialisten, allen voran die USA. Die Schweiz kommt dabei eigentlich nie vor. Vor kurzem hat Maduro jetzt aber den Schweizer Geschäftsträger des Landes verwiesen.

Venezuela hat den Schweizer Geschäftsträger, Bénédict de Cerjat, des Landes verwiesen. Seit dem 4. Februar ist de Cerjat, wieder in der Schweiz. Das bestätigt das Schweizer Aussendepartement gegenüber Radio SRF. Ausgangspunkt für den diplomatischen Zwischenfall ist ein Besuch des venezolanischen Staatspräsidenten Nicolas Maduro in Genf.

Ausweisung wegen Protesten gegen Maduro in Genf

Der Nachfolger von Hugo Chavez behauptete vor der UNO-Menschenrechtskommission, trotz rund 70 politischen Gefangenen verletze sein Land keine Menschenrechte. Als Maduro am Genfer Sitz der Komission auftauchte, demonstrierten venezolanische Oppositionelle und beschimpften ihn als Dikator und Mörder. Dabei war auch eine Tante des zu knapp 14 Jahren Haft verurteilten Oppositionellen Leopoldo Lopez. Er ist der prominenteste politische Gefangene der bürgerlichen Opposition.

Tage nach dem Vorfall in Genf zitierte die Aussministerin Venezuelas den Schweizer Geschäftsträger zu sich. Venezuela halte die Demonstration für eine Respektlosigkeit gegenüber Nicolas Maduro, beschwerte sie sich bei Bénédict de Cerjat. Als dieser entgegnete, in der Schweiz gelte das Recht auf freie Meinungsäusserung, war die Unterredung abrupt zu Ende. Darüber berichtet heute ein brasilianischer Zeitungskorrespondent aus Caracas unter Berufung auf informierte Kreise.

Twitter-Aktivität als offizieller Grund für Ausweisung

Die Aussenministerin unterrichtete den Staatspräsidenten, worauf Nicolas Maduro beschloss, den Schweizer Geschäftsträger zur Persona non grata zu erklären und ihn auszuweisen.

de Cerjat Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Offiziell wurden de Cerjat Tweets zum Verhängnis, mit denen er sich in innere Angelegenheiten eingemischt haben soll. admin.ch

Als Grund wurde angegeben, der Geschäftsträger habe sich mit seinen vielen Wortmeldungen zu Venezuela auf dem Kurznachrichtendienst Twitter in innere Angelegenheiten eingemischt.

Heute ist in der Twitter-Timeline des Diplomaten nichts Anstössiges mehr zu finden. Hin und wieder verwies er auch auf kritische Artikel zu Venezuela aus der Schweizer Presse. Anfang Februar musste er nach nur fünf Monaten aus Caracas abreisen.

Botschafterin musste wegen Golfball-Streit nach Hause

Bénédict de Cerjat war als Ersatz für Botschafterin Sabine Ullmann bestimmt, die nach nur zwei Jahren vom Posten abgezogen und nach Bern zurückbeordert wurde.

Die Diplomatin hatte einen zumindest bizarren Streit mit dem Golfclub neben ihrer Residenz losgetreten. Ihren Zorn hatten verirrte Golfbälle entfacht, die immer wieder auf ihrem Rasen landeten. Am Zaun der Residenz hatte sie ein Plakat anbringen und die Golfer wissen lassen, falls in der Residenz jemand von einem Ball getroffen werde, sei die Wiener Konvention verletzt, die den Schutz der Diplomaten regelt.

Das war auch eine Steilvorlage für die Linksregierung, die schon mehrfach damit gedroht hatte, das ihr lästige Tummelfeld von Golfern aus der Oberschicht zu enteignen und auf dem Gelände Sozialwohnungen zu bauen.

Venezuela braucht die Schweiz mehr als umgekehrt

Konsequenzen wird die Ausweisung des Schweizer Geschäftsträgers kaum nach sich ziehen. Venezuela ist für die Schweiz ein unbedeutender Handelspartner, die Maduro-Regierung ist hingegen auf gute Beziehungen zur Eidgenossenschaft angewiesen. So erreichten laut der Zürcher «Handelszeitung» allein im Februar 35 Tonnen venezolanisches Zentralbankgold die Schweiz. Auf dem Goldhandelsplatz Schweiz wurde es verkauft und mit dem Erlös bezahlte Venezuela fällig gewordene Verbindlichkeiten auf seinen Staatsschulden.