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Verkehrspolitik Graubünden prüft Durchfahrtskontrollen nach Baselbieter Vorbild

Graubünden liebäugelt mit Bewilligungen nach Birsfelder Vorbild, um den Ausweichverkehr von der A13 zu stoppen.

In Birsfelden im Baselbiet gilt seit 2025 auf mehreren Quartierstrassen Richtung Basel ein Durchfahrtsverbot, um den Ausweichverkehr zu stoppen. Wer länger als 15 Minuten im betroffenen Sektor bleibt, gilt nicht als Durchfahrer und ist vom Verbot ausgenommen. Die Gemeinde kontrolliert das mit einer automatischen Durchfahrtskontrolle.

Mit ähnlichen Problemen hat auch Graubünden zu kämpfen – allerdings in deutlich grösserem Massstab.

Ausweichverkehr blockiert ganze Dörfer

Auf der A13 zeigt sich an Wochenenden seit Jahren dasselbe Bild: Stau – und Ausweichverkehr durch die umliegenden Dörfer.

Es ist wirklich ein riesiges Problem für uns. Die betroffenen Dörfer und Städte haben die Nase voll.
Autor: Anita Mazzetta Grossrätin (Grüne/GR)

Für viele Bündner Gemeinden sei die Belastung nicht mehr tragbar, sagt Anita Mazzetta, Grossrätin der Grünen. «Es ist wirklich ein riesiges Problem für uns. Die betroffenen Dörfer und Städte haben die Nase voll.»

Die A13 führt von Sargans nach Chur und weiter Richtung Thusis. Weil der Ausweichverkehr regelmässig ganze Dörfer blockiert, fordert Mazzetta in einem Vorstoss, dass die Regierung prüft, ob das Birsfelder Modell – Durchfahrt durch die Quartierstrassen nur mit Bewilligung – auch in Graubünden angewendet werden kann.

Stau auf der A13 bei Felsberg: Blick Richtung Domat/Ems am Gründonnerstag 2026.
Legende: Stau auf der A13 bei Felsberg: Blick Richtung Domat/Ems am Gründonnerstag 2026. Keystone/Gian Ehrenzeller

Anders als in Birsfelden soll es jedoch nicht nur einzelne Quartiere betreffen, sondern ganze Dörfer und Kantonsstrassen. «Man müsste das Modell an unsere Situation anpassen. Mit den heutigen technischen Mitteln ist das möglich», sagt Mazzetta.

Auch die SVP verlangt strengere Massnahmen

Einen ähnlichen Vorstoss hat Thomas Gort von der SVP eingereicht. Heute werden einzelne Autobahnausfahrten zu Stosszeiten manuell gesperrt: mit Securitas-Personal. «Das ist kein Zustand, den man über längere Zeit aufrechterhalten kann», sagt er.

Wir mussten lachen. Wir hatten fast gleichzeitig denselben Auftrag eingereicht.
Autor: Thomas Gort Grossrat (SVP/GR)

Gorts Vorstoss wird von der gesamten SVP-Fraktion unterstützt. Auch Mazzettas Vorstoss erhielt breite Rückendeckung: von links bis rechts. «Wir mussten lachen. Wir hatten fast gleichzeitig denselben Auftrag eingereicht», sagt Gort.

Bund skeptisch: Graubünden erhöht den Druck

Durchfahrtskontrollen wie in Birsfelden sind schweizweit umstritten. Was Graubünden fordert, würde noch weiter gehen als in der Baselbieter Gemeinde. Mazzetta will vor allem politischen Druck erzeugen. «In Bern hat man Nein gesagt. Jetzt müssen sie sich bewegen. Je mehr Druck aus den Kantonen kommt, desto eher gibt es Lösungen.»

Rechteckiges Schild mit weissem Hintergrund und schwarzer Schrift: «Automatische Durchfahrtskontrolle».
Legende: Birsfelden als Vorbild: Politikerinnen und Politiker wünschen sich eine ähnliche Lösung für Graubünden. Keystone/Georgios Kefalas

Die Bündner Regierung muss nun prüfen, ob und wie ein solches System im Kanton umgesetzt werden könnte – und einen Vorschlag ausarbeiten.

Birsfelden sorgte international für Schlagzeilen

Box aufklappen Box zuklappen

Das Birsfelder Modell hatte bei seiner Einführung im vergangenen Herbst auch im Ausland Aufmerksamkeit erregt. Deutsche Medien berichteten ausführlich über die automatische Durchfahrtskontrolle, darunter der «Münchner Merkur». In einem Artikel bezeichnete die Zeitung Birsfelden fälschlicherweise als «Bergdorf», obwohl die Gemeinde weder in den Bergen liegt noch ein Dorf ist, sondern ein Vorort von Basel.

Nach Einschätzung von SRF-Regionalredaktorin Julia Capaul‑Viglino zeigt sich das Problem entlang der A13 seit Jahren: An Spitzentagen wie Ostern, Auffahrt oder Pfingsten staut sich der Verkehr über Dutzende Kilometer – von Mesocco bis über den Walensee hinaus. Viele Autofahrerinnen und Autofahrer versuchten dann, die Kolonnen zu umfahren, was zahlreiche Dörfer zusätzlich belaste, so Capaul‑Viglino.

Eine Sicherheitsmitarbeiterin scannt auf der Blue Line in Domat/Ems das Nummernschild eines Autos.
Legende: Eine Mitarbeiterin einer Sicherheitsfirma scannt auf der sogenannten «Blue Line» in Domat/Ems das Nummernschild eines Autos – Teil eines Pilotversuchs, der registrierten Bewohnerinnen und Bewohnern eine staufreie Umfahrung des A13‑Ausweichverkehrs ermöglicht. Keystone/Gian Ehrenzeller

Der Kanton reagiert bereits mit verschiedenen Massnahmen: Verkehrsdosierungen mittels Ampeln, temporäre Sperrungen von Abzweigungen oder der Einsatz von Securitas-Personal, das Fahrzeuge zurückhält.

Doch diese Eingriffe stossen laut Capaul‑Viglino zunehmend an Grenzen. Zuletzt testete Domat/Ems an Ostern eine Strasse, die nur Einheimischen offenstand. Das sei ein Hinweis darauf, wie gross der Handlungsdruck geworden ist.

Regionaljournal Basel, 8.5.2026, 12:03 Uhr ; 

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