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Vermögensverteilung Wie ungleich sind Vermögen in der Schweiz verteilt?

Weltweit werden die Reichen immer reicher und die Vermögensverteilung immer ungleicher. Wie steht die Schweiz im internationalen Vergleich da?

Auch in der Schweiz ist die Ungleichheit bei den Vermögen laut einer aktuellen Studie hoch – und nimmt weiter zu.

Die Studie

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In der Studie «Vermögen und Erbschaften in der Schweiz des 21. Jahrhunderts» haben Marius Brülhart, Andreas Fuster, Isabel Z. Martínez und Falone Moseka gestützt auf landesweite Daten sowie auf 16.7 Millionen Steuer-Einzeldaten aus den Kantonen Bern und Luzern die Verteilung von Privatvermögen, Erbschaften und Schenkungen in der Schweiz über die letzten 25 Jahre analysiert. Wichtigste Ergebnisse: Privatvermögen in der Schweiz wachsen schneller als Einkommen, sie sind stark konzentriert bei hochvermögenden und älteren Menschen und werden zunehmend später im Leben vererbt – gleichzeitig gewinnen Erbschaften und Schenkungen für die wirtschaftlichen Chancen der Haushalte an Bedeutung.

Quelle: Enterprise for Society

«Unsere Studie bestätigt: Die Vermögensungleichheit ist in der Schweiz grösser als in anderen Ländern», sagt Isabel Z. Martínez, Leiterin der Forschungsabteilung Ungleichheit an der Konjunkturforschungsstelle KOF der ETH Zürich und Co-Autorin der Studie. «Die reichsten 1 Prozent der Schweizer Bevölkerung besitzen etwa 45 Prozent des steuerbaren Vermögens.»

Unterschiedliche Bewertung

Volkswirtschaftsprofessor Reto Föllmi von der Universität St. Gallen interpretiert die Daten weniger dramatisch: «Im internationalen Vergleich steht die Schweiz punkto Gleichheit weiterhin gut da.»

Zwar seien die Vermögen in der Schweiz in den vergangenen 25 Jahren stärker gestiegen als die Einkommen, jedoch nicht aufgrund höherer Erträge – Zinsen und Dividenden seien niedrig. «Vielmehr sind die Vermögen gestiegen, weil sie aufgrund der tiefen Zinsen höher bewertet werden – sie sind also aufgebläht.»

Demonstrierende mit Schild «Tax the rich!»
Legende: Demonstrierende auf Sylt in Deutschland fordern 2022 mehr Umverteilung von Reichtum. Daniel Bockwoldt / dpa

Von diesen hohen Bewertungen – etwa bei Immobilien und Aktien – profitierten alle Vermögen, kleine wie grosse. «Die Schere ist in der Schweiz nicht allgemein auseinandergegangen», schlussfolgert Föllmi.

Co-Autor der Studie, Marius Brülhart, sieht es nuanciert: «Renditen korrelieren in der Regel positiv mit der Grösse der Vermögen.» Wer über ein grösseres Vermögen verfüge, halte häufig einen Teil davon in Aktien; wer nur wenig angespart habe, lasse das Geld oft auf einem zinsarmen Bankkonto liegen.

Entsprechend profitieren laut Brülhart nicht alle gleich vom Marktboom. «Der Kuchen wächst zwar für alle, aber einzelne Gruppen bekommen ein immer grösseres Stück davon», so der Wirtschaftsprofessor der Uni Lausanne.

Pensionskassenvermögen wirkt ausgleichend

In einem Punkt stimmt Föllmi mit den Studienautorinnen und -autoren überein: «Die Ungleichheit bei den Spitzenvermögen hat zugenommen.» Dank den Pensionskassenvermögen habe der Mittelstand aber nicht an Vermögen verloren, wie in anderen Ländern.

Ein Grossteil der Erwerbstätigen hat in der Schweiz Pensionskassenguthaben angespart – Vermögen, das ebenfalls vom Marktboom profitiert hat. Die Kehrseite der Vermögensaufblähung ist laut Föllmi aber tatsächlich, dass die Schweizer Immobilienpreise den Zugang zu Wohneigentum für Familien ohne Aussicht auf Erbvorbezüge stetig schwerer machen.

«Reich»: Hoher Lohn oder grosses Vermögen?

Die internationale Wahrnehmung, die Schweiz sei ein Land mit geringer Ungleichheit, muss man differenzieren: «Für die Vermögen hat das nie gestimmt», so Martínez. Zwar liege die Schweiz bei der Einkommensverteilung im internationalen Mittelfeld, doch bei der Vermögensverteilung sehe es anders aus. «Die Leute vermischen ständig Einkommen und Vermögen», ärgert sie sich.

Gerade die Löhne sind laut Föllmi wichtig für das Gesamtbild. «Im Vergleich zu Frankreich sind in der Schweiz mehr Menschen in den Arbeitsmarkt integriert, wir kennen die Berufslehre, deren Absolventinnen und Absolventen anständig verdienen.» Die Schweiz habe schlicht weniger Tieflohnjobs als etwa die USA.

Ein Beispiel aus Föllmis Erfahrung: Expats schimpften häufig über die hohen Kosten einer Reinigungskraft – in ihrer Heimat sei das viel günstiger. «Aber genau das macht die Schweiz aus: Die Putzkraft bekommt einen soliden Lohn – das kostet dann halt auch.»

Erben macht uns gleicher – aber nur kurzfristig

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Die Studie legt zudem den Schluss nahe, dass in der Schweiz eine beispiellose Erbschaftswelle anrollt. Verstärkt das die Ungleichheit bei den Vermögen?

«Kurzfristig reduzieren Erbschaften die Ungleichheit, denn sie sind weniger ungleich verteilt als die Vermögen an sich», sagt Martínez. Langfristig könnten Erbschaften die Ungleichheit aber vergrössern. «Wer bereits reich ist, investiert eine Erbschaft häufig und vermehrt dadurch das Vermögen, während ärmere Haushalte eine Erbschaft meist verbrauchen – um ein Auto zu kaufen oder Schulden abzubezahlen.»

Föllmi überraschen die wachsenden Erbschaften nicht. «Wenn Immobilien oder Aktien hoch bewertet sind, nimmt der Wert der Vermögen und damit auch das Erbvolumen zu.» Die Zunahme des Erbvolumens sei somit einfach eine logische Konsequenz der hoch bewerteten Vermögen.

Rendezvous, 23.2.2026, 12:30 Uhr; wilh

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