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Versteckte Gefahr Asbest: «Die Opfer haben keine Zeit für den langen Rechtsstreit»

Seit über 35 Jahren ist Asbest verboten, doch die Zahl der Todesfälle steigt weiter an. Im Jahr 2022 waren es 137 Todesfälle. Versicherungen prognostizieren, dass es bis zu 170 Fälle pro Jahr werden könnten. Urs Berger ist seit zehn Jahren Präsident der Stiftung Entschädigungsfonds für Asbestopfer. Nun gibt er sein Amt ab.

Urs Berger

Ehemaliger Präsident der Stiftung EFA

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Urs Berger gründete die Stiftung Entschädigungsfonds für Asbestopfer (EFA) und führte sie zehn Jahre lang als Präsident. Nun tritt er ab.

SRF News: Trotz Asbestverbots von 1990 steigen die Opferzahlen weiter. Warum?

Urs Berger: Die Krankheit hat eine Inkubationszeit von über 30 Jahren. Viele Menschen wurden noch in den 90er-Jahren unwissend exponiert, zum Beispiel als Heimwerker beim Renovieren zu Hause. Diese Krankheitsfälle treten erst jetzt auf. Der Höhepunkt wird erst in den nächsten Jahren erwartet.

Die Suva zahlt bei Berufskrankheiten. Wofür braucht es Ihre Stiftung?

Unsere Stiftung ist für all jene Opfer da, die keinen Versicherungsschutz über die Unfallversicherung haben. Das sind zum Beispiel die Ehefrauen, die die staubigen Kleider ihrer Männer wuschen, oder Heimwerker. Diese Gruppe macht schätzungsweise 15 Prozent aller Opfer aus. Ohne unsere Stiftung würden sie und ihre Angehörigen nur einen Bruchteil der Entschädigung erhalten.

Nach der Diagnose eines Mesothelioms beträgt die durchschnittliche Lebenserwartung nur noch anderthalb Jahre.

Die Stiftung geht auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte zurück. Warum hat man sich politisch auf einen Entschädigungsfonds geeinigt?

Bundesrat Alain Berset hat einen Runden Tisch mit Opfervereinigungen und Branchenverbänden einberufen. Das Ergebnis war diese Stiftung als schnelle, pragmatische Lösung. Denn nach der Diagnose eines Mesothelioms, des durch Asbest ausgelösten Lungentumors, beträgt die durchschnittliche Lebenserwartung nur noch anderthalb Jahre. Die Opfer haben keine Zeit für einen langwierigen Rechtsstreit, den sie zu Lebzeiten nie gewinnen würden. Unsere Stiftung hilft, sobald die medizinische Diagnose klar ist – ohne Gerichtsentscheid.

Person in Schutzanzug arbeitet hinter einer orange umrandeten Scheibe.
Legende: Arbeiten mit Asbest dürfen nur mit entsprechenden Schutzmassnahmen durchgeführt werden. Keystone / GAETAN BALLY

Vor einigen Jahren befürchteten Sie, dass der Fonds zu wenig Geld haben würde. Ist die Finanzierung nun gesichert?

Anfangs haben wir Gelder aus der Privatwirtschaft erhalten. Vor einem Jahr wurde eine nachhaltige Lösung gefunden: Die Finanzierungslücke wird künftig durch Überschussmittel der Suva gedeckt. Damit ist die Hilfe für die Opfer langfristig gesichert.

Welche Bilanz ziehen Sie nach zehn Jahren?

Wir haben rund 17 Millionen Franken an etwa 150 Opfer und deren Angehörige ausbezahlt und Hunderte Beratungen finanziert. Ich bin dankbar, dass diese unbürokratische Lösung gelungen ist und wir den Betroffenen zumindest finanziell helfen konnten.

Es gibt bis heute keine wirksame Heilungsmethode.

Wie hat Sie die Arbeit mit den Opfern persönlich geprägt?

Das Leid und die Aussichtslosigkeit der Betroffenen sind mir sehr nahegegangen. Es gibt bis heute keine wirksame Heilungsmethode. Das hat mich tief beschäftigt. Umso wichtiger ist es, dass wir als Gesellschaft eine Lösung gefunden haben, um das Leid nicht noch durch einen zermürbenden Rechtsstreit zu vergrössern.

Das Gespräch führte Karoline Arn.

Tagesgespräch, 27.5.2026, 13 Uhr ; 

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