Im Basler Quartier Kleinhüningen berichten Anwohnerinnen und Anwohner seit Wochen von Lärm, Pöbeleien und von versuchten Einbrüchen rund um die unterirdische Asylunterkunft. In der Zivilschutzanlage sind ausschliesslich Männer untergebracht.
Die Verunsicherung nahm zu, nachdem Anfang Jahr ein Mann von drei Tätern mit einer Eisenstange angegriffen worden war. Obwohl die Angreifer nicht aus der Unterkunft stammten, wird der Vorfall im Quartier häufig damit in Verbindung gebracht. Der Angriff war der Auslöser einer Debatte über Sicherheit und Lebensqualität.
Am Mittwochabend kamen im Quartiertreffpunkt Klyck einige Dutzend Personen zum Austausch mit der Polizei und dem Staatssekretariat für Migration (SEM) zusammen. Die Teilnehmenden schilderten Vorfälle aus ihrem Alltag: Männer, die nachts nicht mehr in die Unterkunft eingelassen würden und draussen übernachten müssten, Lärm im Umfeld der Anlage oder Gegenstände wie Messer, die in Vorgärten gefunden worden seien.
Einzelne berichteten zudem, dass Hauseingänge oder Gärten als Schlafplätze genutzt worden seien. Eine jüngere Anwohnerin erzählte, dass sich besonders Frauen auf den umliegenden Strassen unsicher fühlten. Sie selbst gehe wenn möglich abends nicht mehr aus dem Haus. Dass die Situation auch für die Asylsuchenden schwierig sei, betonte eine Anwohnerin immer wieder.
Andere erinnerten daran, dass das Quartier auch mit einheimischer Kriminalität zu kämpfen hat. Viele wollten wissen, welche Massnahmen geplant sind. Die Polizei betonte, die Unsicherheit sei vor allem gefühlt – vermehrte Meldungen gebe es nicht.
Sicherheitspatrouillen und mehr Austausch sollen für Ruhe sorgen
Das SEM kündigte an diesem Abend zusätzliche Massnahmen an. «Wir haben Sicherheitspatrouillen eingeführt. Das hat sich auch an anderen Standorten bewährt», sagte SEM‑Mediensprecher Reto Korman. Die Patrouillen sollen jene der Polizei ergänzen.
Es ist enorm wichtig, dass es zu einem direkten Austausch gekommen ist und das SEM Massnahmen angekündigt hat.
Weiter sei eine Begleitgruppe geplant, in der sich Anwohnende regelmässig mit den Behörden austauschen können. «Die Sorgen, Ängste und Nöte der Bevölkerung haben wir vor dieser Veranstaltung nicht gekannt – und das ist ganz wichtig für uns», so Korman. Auch eine Hotline soll eingerichtet werden.
SP‑Kantonsparlamentarier Mahir Kabakci begrüsste den offenen Austausch: «Es ist enorm wichtig, dass es zu einem direkten Austausch gekommen ist und das SEM Massnahmen angekündigt hat.» Gleichzeitig betonte er, dass die Frage der Lastenverteilung zwischen den Quartieren auf kantonaler Ebene diskutiert werden müsse.
SEM: Die Unterkunft bleibt
Der Abend verlief emotional, aber respektvoll. Einige Anwohnende begrüssten die angekündigten Schritte, andere forderten weitergehende Lösungen. Ein Anwohner sagte: «Für mich ist klar: Das Zentrum muss zumachen, es ist am falschen Ort. Aber alles, was hilft, die Situation zu entspannen, ist gut.» Ein weiterer ergänzte: «Ich fühle mich sicher, aber mache mir Sorgen um die Kinder. Sie haben Angst.»
Für mich ist klar: Das Zentrum muss zumachen, es ist am falschen Ort. Aber alles, was hilft, die Situation zu entspannen, ist gut.
Das SEM machte deutlich, dass die Unterkunft am Schäferweg bestehen bleibt. Sie sei für alleinreisende Männer vorgesehen, die sich in der Regel nur 12 bis 14 Tage dort aufhalten. Familien und verletzliche Personen würden nicht in Zivilschutzanlagen untergebracht.
Mittelfristig könnte ein neues Bundesasylzentrum im Baselbiet für Entlastung sorgen; entsprechende Gespräche laufen.