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Wahlen Kanton Zürich Diese Köpfe wollen Zürich regieren

Die Zürcher Regierung steht vor einer grundlegenden Neubesetzung. Mindestens vier Regierungssitze werden neu vergeben.

Die Ausgangslage: Die Bevölkerung im Kanton Zürich wählt im April 2027 eine neue Regierung. Die Ausgangslage ist so spannend wie seit Jahren nicht mehr. Denn: Gleich mehrere Regierungsräte haben ihren Rücktritt angekündigt: Ernst Stocker, Jacqueline Fehr, Carmen Walker Späh und Silvia Steiner. Noch ausstehend ist der Entscheid des parteilosen Mario Fehr. Natalie Rickli und Martin Neukom stellen sich wieder zur Wahl.

SVP und SP mit Zweierticket: Neben der bisherigen Natalie Rickli geht die SVP mit Martin Hübscher ins Rennen um die Zürcher Regierung. Der Landwirt politisierte acht Jahre im Kantonsrat, fünf Jahre davon als Fraktionschef. 2023 wurde er in den Nationalrat gewählt und soll nun den Sitz von Ernst Stocker sichern. Priska Seiler Graf von der SP verpasste bei den letzten Wahlen den Sprung in die Regierung knapp, nun tritt die Nationalrätin nochmals an und gilt als Favoritin für den Posten von Jacqueline Fehr. Neben ihr stellt sich auch der Winterthurer Stadtrat Nicolas Galladé zur Verfügung.

Der Angriff der FDP: Nur noch einen Sitz weist die FDP in der Regierung auf, dies nun schon seit 2019. Das soll sich jetzt ändern. Die Partei greift mit zwei Kandidierenden an. Kronfavorit auf die Nachfolge von Carmen Walker Späh ist Nationalrat Andri Silberschmidt. Gemeinsam mit ihm kandidiert Kantonsrat Martin Huber.

Die Verteidigung von Mitte und Grün: Den Mitte-Sitz von Silvia Steiner soll Nationalrat Philipp Kutter verteidigen, der ehemalige Stadtpräsident von Wädenswil. Die Grünen wollen einzig den Sitz von Martin Neukom verteidigen. Die Partei hat nur den aktuellen Baudirektor für die Wahlen 2027 aufgestellt.

Vier Fragen an Politologin Sarah Bütikofer

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Person in blauem Hemd und gelber Hose sitzt auf einem grünen Sofa.
Legende: ZVG Sarah Bütikofer

SRF News: Was bedeutet die grosse Anzahl an Rücktritten für den kommenden Wahlkampf?

Sarah Bütikofer: Dass der Wahlkampf sehr intensiv wird. Fast alle Parteien haben ihre Kandidierenden bereits nominiert und werden alles daransetzen, die frei werdenden Sitze entweder zu verteidigen oder neu zu gewinnen. Diese Dynamik wird zu einem sehr aktiven Wahlkampf führen, der auch die gleichzeitig stattfindenden Kantonsratswahlen beeinflussen wird, da die Parteien auch dort erfolgreich sein wollen.

Weshalb ist Mario Fehrs Entscheidung, ob er nochmals antritt oder nicht, so zentral?

Tritt er erneut an, werden vier Regierungssitze neu besetzt, die von den bisherigen Parteien mit guten Chancen verteidigt werden können. Tritt er jedoch zurück, werden fünf Sitze frei. Sein als Parteiloser gehaltener Sitz würde dann wieder an eine Partei gehen, was automatisch zu einer parteipolitischen Verschiebung in der Regierung führen würde. Die Parteien müssen ihren Wahlkampf so planen, als ob sein Sitz nicht verfügbar wäre, aber seine Entscheidung bleibt der wichtigste Unsicherheitsfaktor.

Die Regierung wird ihre Frauenmehrheit verlieren. Wie beeinflusst dies die Chancen der Kandidatinnen?

Es steht bereits fest, dass die aktuelle Frauenmehrheit in der Regierung nach den Wahlen nicht mehr weiterbestehen wird. Davon profitieren können vor allem Kandidatinnen aus dem linken und progressiven Lager, da dort die Bereitschaft, gezielt Frauen zu wählen, höher ist. Konkret wird erwartet, dass die GLP-Kandidatin Nora Ernst davon profitieren kann, da sie für das linke Lager eine wählbare Alternative darstellt. Die bisherige SVP-Regierungsrätin Natalie Rickli wird davon kaum profitieren, da sie aus dem linken Lager keine Stimmen zu erwarten hat. Die FDP, die mit zwei Männern antritt, sendet hingegen das Signal, dass sie nicht auf eine geschlechtergerechte Vertretung setzt.

Wird sich die parteipolitische Zusammensetzung der Regierung ändern und welcher Sitz ist am härtesten umkämpft?

Eine Veränderung ist nicht sehr wahrscheinlich, solange Mario Fehr erneut antritt. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Parteien ihre zu verteidigenden Sitze halten, ist sehr gross. Der am härtesten umkämpfte Sitz ist derjenige der Mitte, der von Philipp Kutter verteidigt wird. Die Mitte ist die kleinste der bürgerlichen Parteien und wird von mehreren Seiten bedrängt: von der GLP, die mit einer Frau im politischen Zentrum Stimmen holen will, von der SP, die ihren verlorenen, zweiten Sitz zurückerobern möchte, und von der FDP, die ebenfalls einen Sitz zurückgewinnen will.

So treten GLP und EVP an: Bei der GLP haben bekannte Namen wie etwa Ständerätin Tiana Moser abgesagt. So geht die Partei mit Nora Ernst ins Regierungsratsrennen. Sie ist seit 2024 Co-Präsidentin der GLP und sitzt im Winterthurer Stadtparlament. Die EVP hat Kantonsrat Donato Scognamiglio nominiert. Er gilt als wohl schillerndste Figur der EVP und hat sich einen Namen als Wirtschafts- und Immobilienexperte gemacht.

Die AL mit einem Ausrufezeichen: Mit einer Premiere wartet die Alternative Linke auf. Sie tritt mit zwei Kandidatinnen an, die sich das Amt der Regierungsrätin teilen wollen. Es sind das Kantonsrätin Nicole Wyss und Alt-Kantonsrätin Melanie Berner. Damit diese Doppelrolle funktioniert, würde die Gewählte die andere Person als persönliche Mitarbeiterin anstellen.

Die Sache mit den Namen: Mehrere Parteien scheinen vor allem bei einem Vornamen grosse Gewinnchancen bei den Regierungsratswahlen zu wittern. So heissen gleich drei Kandidaten Martin. Die SVP setzt auf Martin Hübscher, die FDP auf Martin Huber, die Grünen auf den Bisherigen Martin Neukom.

Regionaljournal Zürich Schaffhausen, 23.7.2026, 17:30 Uhr ; 

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