Wenn Jan Stiefel über seinen Freund Walter Arnold spricht, gerät seine Stimme zuweilen ins Stocken. Die Erinnerungen wühlen ihn auf. Dreissig Jahre haben den Schmerz kaum gemildert.
In den 1990er-Jahren arbeiteten beide für die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) in Madagaskar. Arnold im Strassenbau, Stiefel im Pflanzenschutz.
«Walter und ich haben uns auf Anhieb verstanden», erzählt Stiefel. Sie hätten sich jeweils im Kooperationsbüro in der Hauptstadt getroffen. «Wir sprachen über praktische Dinge und darüber, dass das Programm in Madagaskar nicht gerade toll organisiert war.»
Einem Skandal auf der Spur
Eines Tages erzählte ihm Walter Arnold, er sei da einer Sache auf der Spur. «Er sagte, wenn er die Informationen und Unterlagen zusammengetragen habe, gebe das in der Schweiz einen Riesen-Chlapf», so Stiefel. Er habe vorgehabt, andere Geber an einer Konferenz zu informieren.
Doch dazu kam es nicht mehr. In der Nacht vor besagtem Treffen starb Walter Arnold. Man fand ihn gefoltert und erdrosselt auf der Rückbank seines Autos.
Wer gab den Mord in Auftrag?
Im Laufe der Zeit kursierten zahlreiche Spekulationen darüber, warum Walter Arnold sterben musste. Einige vermuten einen Konflikt zwischen chinesischen und lokalen Holzfirmen über den Verlauf von Strassen, die mit Schweizer Geldern finanziert wurden und die sie als Transportwege nutzen wollten.
Andere gehen davon aus, jemand bei der Deza habe versucht, die angebliche Veruntreuung von Entwicklungshilfegeldern zu vertuschen. Wieder andere vermuten, ein ehemaliger Deza-Vizedirektor habe verbergen wollen, dass er angeblich mit seiner Freundin eine Art Bordell betrieb.
Was auch immer das Motiv war, wir werden es wohl nie erfahren. Der Mord an Walter Arnold verjährt bald – ungelöst.
Missstände bei der Deza?
Jan Stiefel bedauert, dass damit auch die mutmasslichen Missstände bei der Deza im Dunkeln bleiben. Vieles erscheint ihm verdächtig: «Walters Laptop ist verschwunden, seine Leiche wurde ohne Einwilligung der Witwe kremiert – es wirkte, als sollte hier etwas unter Verschluss bleiben.»
Vor allem das Desinteresse der Schweizer Behörden habe ihn schockiert. Die Witwe und die Schwester von Walter Arnold gingen sogar vor Gericht, um die Behörden zum Weiterermitteln zu zwingen. Vergeblich.
Die Zusammenarbeit mit den madagassischen Behörden sei schwierig gewesen, schreibt die Bundesanwaltschaft auf Anfrage. Trotz umfangreicher und langjähriger Ermittlungen habe der Täter nicht identifiziert werden können.
Und die Deza teilt mit, sie habe aufgrund der Vorwürfe zu Unregelmässigkeiten eine interne Untersuchung zum Projektmanagement eingeleitet. Diese habe keine Hinweise auf Unregelmässigkeiten oder Missstände bei den von der Deza finanzierten Strassenprojekten ergeben.
Das Parlament will, dass Mord nicht mehr verjährt. Für den Fall Walter Arnold kommt das allerdings zu spät. Tauchen bis am 17. Juli 2026 keine neuen Hinweise auf, tritt Verjährung ein.