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Wechsel in Zürcher Stadtrat Balthasar Glättli: Ein Stratege verlässt die Bundespolitik

Der ehemalige Grünen-Präsident wechselt vom Nationalrat in die Zürcher Stadtregierung. Für seine Partei war er eine prägende Figur.

2011 wird Balthasar Glättli für die Grünen in den Nationalrat gewählt. Es folgt ein rascher Aufstieg: Bereits zwei Jahre später übernimmt er das Fraktionspräsidium und damit eine zentrale Schlüsselrolle innerhalb der Partei.

Personen in einem Versammlungsraum, eine Person mit verschränkten Armen.
Legende: Balthasar Glättli – hier bei seiner Verabschiedung am Freitag im Nationalrat – war von 2011 bis 2026 für die Grünen in der grossen Kammer. Keystone / Anthony Anex

In Bundesbern setzte er inhaltliche Schwerpunkte in der Umweltpolitik, bei der Digitalisierung sowie in der Asyl- und Sicherheitspolitik. So war er beispielsweise an vorderster Front mit dabei im Kampf für das Klimaschutzgesetz, das 2023 an der Urne deutlich angenommen wurde – etwas, das er selbst rückblickend als einer seiner wichtigsten Erfolge bezeichnet.

Dossierfester Analytiker

Der 54-Jährige gilt als Stratege und Analytiker. Glättli selbst sagt von sich, er sei ein zweifelnder Mensch, der vieles hinterfrage – und jemand, der sich gerne grundlegend mit politischen Fragen beschäftige.

Das wird ihm auch von seinen politischen Gegnern attestiert. So sagt Kommissionsgspänli und SVP-Nationalrat Mauro Tuena: «Balthasar Glättli ist ein Politiker mit ausgezeichneten Dossierkenntnissen, der sich stets an Abmachungen hält.»

Schwierige Zeit als Parteipräsident

2019 erleben die Grünen mit Balthasar Glättli als Co-Kampagnenleiter bei den nationalen Wahlen ein historisches Glanzresultat. Nach diesem politischen Höhenflug folgt jedoch die harte Landung als Parteipräsident: Unter seiner Führung fahren die Grünen bei den Wahlen 2023 eine Schlappe ein. Kurz darauf erklärt Glättli als «Gesicht der Niederlage» den Rücktritt.

In der Rolle als Parteipräsident musste ich mich immer etwas zurückbinden, um die ganze Breite der Partei abbilden zu können.
Autor: Balthasar Glättli Ex-Nationalrat und Zürcher Stadtrat

Die Zeit als Parteipräsident sei seine grösste Lehre in der Politik gewesen, sagt Balthasar Glättli rückblickend. Hinstehen zu müssen, Verantwortung zu übernehmen – auch wenn er selbst nicht alleine für die Wahlniederlage verantwortlich gewesen sei – habe ihn geprägt.

Gleichzeitig räumt er ein, dass sich seine pointierte und kämpferische Art zu politisieren nicht immer gut mit der Rolle des Parteipräsidenten vereinbaren liess. Er habe sich immer etwas zurücknehmen müssen, um die ganze Breite der Partei abbilden zu können.

Herausfordernder Rollenwechsel

Im Juli übernimmt Balthasar Glättli sein neues Amt in der Zürcher Stadtregierung. Der Schritt markiert einen klaren Wechsel – vom Denker im Bundeshaus zum politischen Gestalter auf Exekutivebene. Es sei «ein Sprung ins kalte Wasser», gibt Glättli zu.

Zugleich freue er sich darauf, dass seine politische Arbeit künftig etwas konkreter wird und sich politische Beschlüsse sichtbarer im Alltag auswirken. Anders als in der Bundespolitik, wo sich Entscheidungen oft über lange Prozesse hinziehen.

Auf dem Bild sieht man die neuen Zürcher Stadtratsmitglieder nach der Wahl.
Legende: Glättlis neue Arbeitskolleginnen und -kollegen – der am 8. März neu gewählte Zürcher Stadtrat (v.l.: Tobias Langenegger (SP), Céline Widmer (SP), Raphael Golta (SP), Michael Baumer (FDP), Simone Brander (SP), Karin Rykart (Grüne), Balthasar Glättli (Grüne), Andreas Hauri (GLP) und Daniel Leupi (Grüne)) Keystone / Gaetan Bally

Echo der Zeit, 19.03.2026, 18 Uhr;stal;noes

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