Rund 15'000 Liter Milch. Soviel verarbeitet die Schaukäserei auf der Schwägalp jeden Tag. Daraus entstehen rund 500 grosse und kleine Käse. Die Käserei liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zur Säntis Schwebebahn.
Sie profitiert von den vielen Gästen, die jährlich auf den Ostschweizer Hausberg fahren. In einer normalen Saison sind dies bis zu einer Viertelmillion Menschen. Diesen Sommer aber steht die Bahn still. Sie wird erneuert. Kabinen, Seile und Mittelmasten werden ersetzt.
Wer auf den Gipfel will, muss den Aufstieg zu Fuss meistern. Das tun deutlich weniger. Der Alpkäserei bleiben viele Kundinnen und Kunden weg. «Die Situation hat sich ab Tag eins der Bauarbeiten komplett geändert», erinnert sich Geschäftsleiter Werner Näf.
Wenig Touristen, wenig Käseverkauf
Was gleich geblieben ist, sind die Milchmengen, die täglich von den umliegenden Alpen verarbeitet werden müssen. Mit den Bauern gibt es entsprechende Abnahmeverträge. Die Milch wird gleichentags zu Käse verarbeitet, der sich nun in den Kellern stapelt.
Rund ein Drittel geht normalerweise via Direktverkauf über den Ladentisch. Hierbei kann die Käserei die höchste Marge abschöpfen. Nun sind die Verkäufe im Laden auf der Schwägalp um rund die Hälfte eingebrochen. Geschäftsführer Werner Näf sagt: «Einen solchen Rückgang haben wir nicht erwartet.»
Käsekeller platzt aus allen Nähten
Alternative Absatzkanäle sind gefragt. Für die Schaukäserei seien diese finanziell allesamt weniger attraktiv, so Werner Näf. Sowohl beim Geschäft mit Grossisten sowie anderen, kleineren Wiederverkäufern schaut am Ende des Tages weniger Profit heraus.
Auch das volle Käselager muss neu disponiert werden. Unterdessen wird täglich eine grössere Käsemenge zu einem Aussenkeller im Tal gebracht. Eine weitere Möglichkeit ist die Weitergabe von Milch. Aber: «Wir lösen deutlich mehr mit einem Laib Käse als mit einem Liter Milch», rechnet Näf vor. Wohin mit all dem Käse? Diese Frage beschäftigt den Geschäftsleiter beinahe rund um die Uhr.
Er habe viele schlaflose Nächte hinter sich. Werner Näf muss all den Käse irgendwie loswerden. Ohne die Ware deutlich unter Wert zu verkaufen. Seine langjährigen Kontakte in der Branche würden ihm dabei helfen. «Es ist eine Herausforderung. Ich muss schauen, dass ich die Produkte, die wir hier oben weniger verkaufen, woanders absetzen kann. Ich welcher Form auch immer.»
Die Bauarbeiten an der Säntisbahn dauern voraussichtlich bis Ende Jahr. Sie kosten rund 30 Millionen Franken. Kommende Saison sollen der Betrieb und damit auch das Geschäft für die Schwägalp Käserei wieder regulär laufen.