Wirtschaft übt heftige Kritik an Energiestrategie 2050

Economiesuisse befürchtet einen Wirtschaftseinbruch als Folge der Energiestrategie 2050. Das reale Bruttoinlandsprodukt könnte demnach um 25 Prozent sinken. Der Chef des Wirtschaftsdachverbandes sieht sogar Parallelen zur Planwirtschaft.

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Economiesuisse zerpflückt Energiestrategie des Bundes

2:50 min, aus 10vor10 vom 30.1.2013

Es gebe viele Gründe, warum Economiesuisse die Energiestrategie 2050 für unsolide halte, sagt Pascal Gentinetta im Gespräch mit SRF. Der Chef des Wirtschaftsdachverbands spricht von einem «planwirtschaftlichen Ansatz», der in eine wirtschaftliche Sackgasse führe. Economiesuisse wolle einen liberalen Ansatz, der sich am Wettbewerb orientiere.

Die Experten hätten zudem andere, realistischere Annahmen verwendet als der Bund, begründet Economiesuisse die dramatischen Einschätzungen.

Studie vs. Studie

Beispielsweise würde in den Grundlagenstudien des Bundes die Verfügbarkeit von heute noch völlig unbekannten Technologien vorausgesetzt.

Die Autoren der Economiesuisse-Studie hingegen berücksichtigen keine Technologieanpassungen. Die berechneten Effekte seien sehr gross, heisst es.

Gentinetta sagt dazu: «Der technologische Fortschritt müsste quasi zwei Wachstumsjahrzehnte überkompensieren, um den Status quo zu erhalten.» Das sei mit dem Verlust von vielen Arbeitsplätzen verbunden.

Die Kombination der geplanten Umweltabgabe und der wegfallenden Kernkraftkapazitäten führe laut der Studie zu einem Rückgang des realen Pro-Kopf-BIP um bis zu 25 Prozent.

Economiesuisse halte die Idee der massiven Subventionierung gewisser Energieträger für kein zielführendes Instrument, sagt Gentinetta. Auch die Hypothesen des Bundes bezüglich der Stromnachfrage seien unrealistisch.

Unzufriedene Wirtschaft

Die Ergebnisse sind Teil einer Studie, die Economiesuisse bei der Konjunkturforschungsstelle KOF der ETH Zürich in Auftrag gegeben hat.

Die Wirtschaft fordert nun eine gründliche Überarbeitung der Vorlage im Einklang mit einer liberalen Wirtschaftsordnung. Der Verband kündigt an, im Verlaufe des Jahres seine Vorstellungen zu präsentieren. «Wir werden mit einem Alternativkonzept kommen, das auf liberalen Grundsätzen fusst.» Economiesuisse klammere sich an keine Technologie, aber «es darf auch keine Technologieverbote geben», sagt er.  

Economiesuisse sei bereit, konstruktiv an der Energiewende mitzuarbeiten. Doch müsse der Dachverband auch angehört werden.

28 Kommentare

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    • , Chur

      Donnerstag, 31.01.2013, 15:13

      Da sich gemäss KOF/ETH die Technologie nicht weiterentwickeln wird, kann man ja das ETH-Budget grad streichen. Denn mit was der Steuerzahler für die ETH bezahlt, lassen sich pro Jahr rund 850 MW Dachstromanlagen installieren (in D werden komplette PV-Anlagen für unter 1.6 CHF/W verbaut). Bereits nach 30 Jahren werden diese Dachstromanlagen mehr Strom produzieren als die 5 CH-AKW. Man hat dann Unmengen an gratis Dachstrom ohne einen einzigen Rappen zusätzlich ausgegeben zu haben...

      • , Bözberg

        Freitag, 01.02.2013, 08:38

        Wenn der Solarstrom so günstig ist, wieso braucht es dann noch Subventionen? Sind Batterien zur Speicherung des Solarstromes, damit wir abends nicht im Dunkeln sitzen müssen, auch bald fast gratis zu haben?

      • , Chur

        Freitag, 01.02.2013, 09:10

        @Huber. Seit 1970 wurde Atomstrom in D mit über €200 Mrd Steuergelder gefördert, Strom aus Stein- und Braunkohle gar mit über €300 Mrd – die Erneuerbaren Energien dagegen nur mit €60 Mrd, aber nicht über Steuern, sondern über den allgemeinen Strompreis. Die maximale Speicherkapazität der CH-Speicherseen reicht für bis zu 3 Mt. (BFE). Es gibt weder Nächte noch Windflauten die so lange andauern. Das AKW Leibstadt hat dagegen im Jahr 2005 während knapp 6 Mt. keine einzige kWh produ...

      • , Bözberg

        Freitag, 01.02.2013, 16:07

        Die Strompreise für Haushalte und Industriekunden in der Schweiz liegen dank Wasserkraft und Kernenergie noch deutlich unter den Preisen vergleichbarer Länder Mittel- und Westeuropas. Die sehr teure Förderung der erneuerbaren Energien hat z.B. zur Folge, dass der Haushaltstrom in Deutschland 2013 bei etwa 34 Rp./KWh liegt und der Anteil der staatlichen Abgaben und Steuern am Strompreis gegen 50% tendiert (Quelle: FT, 12.10. 2012). Wollen wir das auch?

      • , Chur

        Samstag, 02.02.2013, 15:58

        @P. Huber. Die für die Industrie relevanten Grosshandelsstrompreisen sind in D tiefer als in der CH. Der Gewinnanteil der grossen Stromkonzerne an der Deutschen Haushaltsstromrechnung ist zudem höher als die Förderung der erneuerbaren Energien. Diese Förderung hat nicht nur hunderttausende Arbeitsplätze geschaffen, sondern auch die Energieträgerimporte um über €10 Mrd/Jahr reduziert: qr.net/j7zn Zudem sind langfristig betrachtet erneuerbare Energien ohnehin günstiger: qr.net/j7zo

    • , Würenlingen

      Donnerstag, 31.01.2013, 09:12

      Japan hat die AKWs mit fossielen Energieträger ersetzt. Sie haben recht, schlussendlich wird die Schweiz getrieben durch die AKW Gegner auch diesen Weg gehen und CO2 Schleudern bauen, da es kurzfristig keine andere realistische Lösung ohne AKWs gibt

      • , Zürich

        Donnerstag, 31.01.2013, 11:13

        Bei der Energiewende (Energieeffizinz+erneuerbare Energien) geht es nicht um eine kurzfristige Umstellung, sondern um eine mittelfristige. Wie die blockierten Projekte durch die Kostendeckelung der Einspeisevergütung zeigen, könnte eine starke Dynamik in zur nachhaltigen Energieversorgung ausgelöst werden. Auch in D wurde diese Dynamik gebremst. Die Blockade dient nur den Interessen Weniger, welche von der aktuellen Situation profitieren.

    • , Männedorf

      Donnerstag, 31.01.2013, 01:33

      Der Economiesuisse scheint für ihren Zweck jedes Mittel recht zu sein: Auch Panikmache... um 25% sinkendes Bruttoinlandprodukt. Mit solchen Aussagen disqualifiziert sie sich selbst -- macht sich schlicht lächerlich. Haben die Oekonomen dieses Verbandes nicht gemerkt, dass nach Fukushima praktisch alle AKWs in Japan temporär abgeschaltet wurden -- wohlgemerkt schlagartig. Ist deshalb die japanische Wirtschaft untergegangen ? Wir haben Zeit uns darauf einzustellen -- beginnen wir jetzt!