Die Phänomena ist eine Art Spielplatz, um die Phänomene der Wissenschaft hautnah zu erleben. Am letzten Wochenende hat die Wissenschaftsausstellung in Dietikon ihre Tore geöffnet. Mitten im Geschehen steht Urs Müller, der Projektleiter der Phänomena.
Über 40 Jahre nach der ersten Ausgabe in Zürich, hat er eine Neuauflage der Wissenschaftsschau auf die Beine gestellt. «Ich glaube, man kann die Begeisterung auch heute wecken, aber man muss es etwas anders machen», sagt Urs Müller.
Urs Müller kennt die Phänomena aus den 1980er-Jahren bestens. Erfunden hat sie nämlich sein Vater, der Pädagoge Georg Müller. Damals strömten rund 1,2 Millionen Menschen nach Zürich, um die Pavillons mit den Experimenten zu besuchen. Ein Riesenerfolg. Danach ging die Ausstellung auf Welttournee: von Rotterdam bis Stuttgart und sogar bis nach Südafrika.
«Vor 40 Jahren dominierten die vier Elemente», erinnert sich Georg Müller. Rund 200 verschiedene Experimente und Phänomene waren damals zu sehen und zu erleben. Themen wie Aerodynamik zum Beispiel. «Heute sind die Elemente passé, aber ich lerne Welterneuerungen kennen.»
Grundidee ist dieselbe
Die Welt der Wissenschaft hat sich seit 1984, dem Jahr, in dem die Phänomena zum ersten Mal stattfand, enorm verändert. «Ein gewaltiger Unterschied ist das von damals zu heute», sagt Gründer Georg Müller.
Die Grundidee der Ausstellung sei aber dieselbe geblieben: «Lernen durch Erleben» und das Publikum zum Staunen bringen. Diesmal stehen Künstliche Intelligenz (KI) und Robotik im Zentrum, die interaktiv erlebt werden können.
Die neue Phänomena ist kleiner konzipiert als die erste Ausstellung. Sechs miteinander verbundene, aufblasbare Riesen-Iglus bieten rund 2000 Quadratmeter Ausstellungsfläche. Zum Beispiel kann man da mit einem digitalen Zwilling plaudern, einem Avatar. Ein junger Besucher sagt: «So erfährt man, wie es funktioniert, weil man es sieht und es erklärt wird.» Dass man ausprobieren kann, kommt beim jungen Publikum besonders gut an.
Künstliche Intelligenz zum Anfassen
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Bild 1 von 5. Die Idee der Wissenschaftsausstellung Phänomena ist auch im KI-Zeitalter: «Lernen durch Erleben». Bildquelle: KEYSTONE / Andreas Becker.
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Bild 2 von 5. Wie funktioniert ein Bienenschwarm? Mit Hilfe von KI ist das an der Phänomena erlebbar. Bildquelle: SRF.
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Bild 3 von 5. Ein Bild in die Luft malen, ohne Farbe, mit blossem Finger. Auch das lässt sich ausprobieren. Bildquelle: SRF.
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Bild 4 von 5. Wenn Roboter das Springseil schwingen – Robotik ist ein zentrales Thema. Bildquelle: KEYSTONE / Andreas Becker.
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Bild 5 von 5. 1984 war die Phänomena ein Publikumsmagnet. Bildquelle: SRF.
Gerade auch bei Künstlicher Intelligenz sei es wichtig, dass man sie erleben könne, sagt Urs Müller, der Projektleiter der Neuauflage. So animieren zum Beispiel zwei Roboter die Besucherinnen und Besucher zum Seilspringen, in dem sie unermüdlich ein Seil Schwingen. Oder man kann beobachten, wie zwei Roboter Nahkampf trainieren.
Einblick ins Herz des Bienenstocks
Zu den rund zwanzig Exponaten gehört auch eine Installation namens «Meet the Bees». Dort können die Besucherinnen und Besucher erfahren, wie Bienen funktionieren und wie ein Schwarm reagiert, welche Signale eine Reaktion auslösen und welche nicht. Hier nutzt die Forschung KI und Robotik, um neue Einblicke in die Biologie zu gewinnen. Die Besucherinnen und Besucher erhalten einen direkten Einblick ins Herz des Bienenstocks.
Die moderne Phänomena ist als Wanderausstellung konzipiert. In Dietikon gastiert sie bis am 19. April. Danach zieht sie weiter nach Basel, Yverdon, Luzern, Altstätten SG, Ende August nochmals nach Zürich und dann nach Biel.
Ob sie wieder so viele Leute anzieht, wie in den achtziger Jahren, ist noch offen. Der Phänomena-Erfinder Georg Müller ist jedenfalls zufrieden: «Mein Sohn hat es zwar völlig anders gemacht, aber ich freue mich, dass es ihm gelungen ist, und ich staune.»