Bauer Toni Pianta aus Sissach BL macht sich Sorgen. Ein Freund hat ihm berichtet, dass er beim Spazieren im Wald in der Nähe von Hölstein BL einen Wolf gesehen habe. Solche Sichtungen hätten in den letzten Monaten zugenommen, berichtet Pianta und verweist auf mehrere weitere Meldungen.
Auch einzelne Risse habe es gegeben, es seien Schafe und im grenznahen Ausland sogar Lamas von einem Wolf gerissen worden. Er schlafe nicht mehr so gut, sagt Pianta, die Meldungen weckten Bilder von früheren Erlebnissen. Vor einigen Jahren hat ein Wolf auf einer Weide von Bauer Toni Pianta in der Innerschweiz 30 Schafe gerissen.
Toni Pianta hält seine knapp 100 Schafe aktuell auf drei verschiedenen Weiden im Baselbiet. «Ich schlafe nicht mehr so gut. Es ist kein schöner Anblick, Schafe tot auf der Weide zu sehen.» Er rechne jede Nacht mit einem Anruf wegen des Wolfes. Das sei neu für ihn. Der Wolf galt bis 2021 im Baselbiet als ausgestorben.
Ich schlafe nicht mehr so gut. Es ist kein schöner Anblick, Schafe tot auf der Weide zu sehen.
Pianta hat deshalb Massnahmen ergriffen, um seine Tiere zu schützen. Er hat etwa höhere und auch elektrifizierte Zäune montiert rund um seine Weiden.
Pianta wünscht sich mehr Unterstützung von den Behörden und auch von der Politik. Er fordert zum Beispiel, dass seine zusätzlichen Herdenschutzmassnahmen mitfinanziert werden. Er habe sich auch schon überlegt, wie lange er seinen Beruf noch machen wolle, sagt Pianta.
Der Wolf bedeutet Mehrarbeit für viele Betriebe
Auch andere Landwirtschaftsbetriebe im Baselbiet melden, dass sie einen Wolf gesehen hätten. Einzelne Risse von Nutztieren soll es auch gegeben haben, berichtet die «Basellandschaftliche Zeitung» («bz»).
Einige Schafhalter werden wohl Konsequenzen ziehen und mit der Tierhaltung aufhören.
Marc Brodbeck ist Präsident des Bauernverbandes beider Basel und teilt die Sorgen von Landwirt Pianta aus Sissach BL. Die Bauern hätten zwar keine Angst, sagt Brodbeck, aber sie hätten grossen Respekt. Der Wolf bedeute für viele Betriebe Mehrarbeit, sie müssten Herdenschutzmassnahmen umsetzen; die Tiere in den Stall zurückbringen etwa, oder mit Zäunen und Hunden Herden schützen. Er sorge sich deshalb um die Betriebe, die Kleintiere halten.
Brodbeck fürchtet, dass einige Betriebe in der Konsequenz die Nutztierhaltung aufgeben werden. Die Tiere seien das Kapital der Bäuerinnen und Bauern, sagt er. Auch Brodbeck und der Verband der Bäuerinnen und Bauern beider Basel fordert deshalb Unterstützung und er sagt, der Wolf müsse reguliert werden.
Noch kein Rudel
Das Amt für Wald und Wild beider Basel bestätigt, dass in den letzten Monaten in der Region Basel mehrere Sichtungen von Wölfen gemeldet worden seien. Es gebe bisher aber kein festes Wolfsrudel im Baselbiet, es seien lediglich einzelne Tiere unterwegs, die sich bisher unauffällig verhalten hätten. Er habe aber Verständnis für die Sorgen der Bäuerinnen und Bauern, sagt Holger Stockhaus, der Leiter des Amts, auf Anfrage. Er empfehle ihnen, ihre Herden zu schützen.
Im Baselbiet gibt es aktuell keine Problemwölfe.
Im Baselbiet seien bisher keine Problemwölfe unterwegs. Ein Tier zu schiessen, sei deshalb aktuell kein Thema. Die ganze Schweiz gelte als Wolfgebiet, sagt Stockhaus, es sei also normal, dass die Raubtiere nun auch im Baselbiet unterwegs seien.
Im Jahr 2025 lebten insgesamt 40 bestätigte Wolfsrudel ganz oder teilweise in der Schweiz – rund 350 Tiere. Das ist eine Zunahme im Vergleich zum Vorjahr.