Seit 266 Jahren ist die Familie Beyer im Uhrmachermetier tätig – entsprechend ihrem Firmenslogan «Solange es Zeit gibt». Doch nun ist die Zeit des Uhrengeschäfts Beyer abgelaufen. Ende Jahr verschwindet der Traditionsname von der Zürcher Bahnhofstrasse. Die Besitzerfamilie verkauft den Laden an die Genfer Uhrenherstellerin Patek Philippe, wie sie in einer Mitteilung schreibt.
Keine Nachfolgelösung
Der Geschäftsverkauf habe sich schon länger abgezeichnet, sagt die letzte Geschäftsführerin Muriel Zahn-Beyer gegenüber der «NZZ». Es fehle eine Nachfolgelösung, da weder sie noch ihr 2025 verstorbener Bruder René Beyer Kinder haben. Deshalb hätten sich die beiden schon seit 20 Jahren mit einem allfälligen Verkauf des Unternehmens beschäftigt.
Uhrengeschäft mit Tradition an der Zürcher Bahnhofstrasse
-
Bild 1 von 5. Beyer verkauft seit 1877 Uhren an der Bahnhofstrasse. Zuerst im Palais de Credit Suisse (Haus Nummer 25), seit 1927 im Orell Füssli-Hof an der Bahnhofstrasse 31. (Bild von 1985). Bildquelle: Keystone/Archiv.
-
Bild 2 von 5. Heute führt die Familie Beyer das Geschäft in achter Generation. Im April 2025 starb René Beyer überraschend, seither ist seine Schwester Muriel Zahn-Beyer Geschäftsführerin. Bildquelle: Keystone/Archiv.
-
Bild 3 von 5. Theodor Beyer, der Vater der heutigen Geschäftsführerin, eröffnete 1971 das Uhrenmuseum Beyer. Dort zu sehen sind auch gegen 100 Eisenbahnuhren, wie diese offizielle Uhr der SBB aus dem Jahr 1910. Bildquelle: Keystone/Peter Gerber.
-
Bild 4 von 5. 1985 schenkte Beyer der Stadt Zürich die Blumenuhr am Bürkliplatz. (Bild von 2000). Bildquelle: Keystone/Steffen Schmidt.
-
Bild 5 von 5. Immer wieder versuchten Diebe an die wertvollen Uhren und Schmuckstücke von Beyer zu kommen. Rammbockeinbrüche mit dem Auto passieren öfter an der Bahnhofstrasse 31 – zuletzt im Juni 2025, im Bild ein Vorfall von 2002. Bildquelle: Keystone/Gaëtan Bally.
Eine externe Übernahme sei immer öfter die Lösung für ein Familienunternehmen, sagt Hans-Jürg Domenig, Präsident des Schweizer Dachverbands für Unternehmensnachfolge: «Oftmals ist ein externer Nachfolger, der die Tradition weiterführt, die bessere Lösung für eine Firma als ein vorhandener Nachfolger, der die Firma nicht leiten kann oder will.»
Patek Philippe übernimmt einen Teil der Angestellten
Dass das Uhrengeschäft Beyer an Patek Philippe gehe, sei eine gute Lösung, sagt SRF-Wirtschaftsexpertin Charlotte Jacquemart: «Patek Philippe ist auch ein Schweizer Familienunternehmen und handelt ebenfalls mit Luxusuhren. Das ergibt Sinn.» Das Unternehmen vertreibt seine Luxusuhren über hunderte autorisierte Geschäfte, exklusive Eigenbetriebe gibt es aber lediglich drei: in Genf, Paris und London. Da passe der Beyer-Standort an der Bahnhofstrasse in Zürich sehr gut dazu.
Patek Philippe betreibt bereits heute eine eigene Boutique im Uhrengeschäft Beyer und übernimmt 25 Angestellte von Beyer. Die restlichen der rund 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern verlieren allerdings ihre Stelle.
Zudem verliert die Zürcher Bahnhofstrasse einen ihrer ältesten Namen. Seit 1877 verkauft Beyer hier Uhren. Das sei das Ende einer Ära, sagt die Geschäftsführerin der Vereinigung Zürcher Bahnhofstrasse, Fanny Eisl: «Es ist immer traurig, ein Traditionshaus zu verlieren. Beyer ist ein Gründungsmitglied der Vereinigung Zürcher Bahnhofstrasse und daher mit uns sehr verbunden und wichtig für die Strasse.»
Museum soll bleiben
Nicht Teil des Verkaufs ist das Uhrenmuseum im Untergeschoss der Beyer Chronometrie. Die von Muriel Zahn-Beyers Vater gegründete Sammlung soll bestehen bleiben. Sie sucht derzeit einen Standort, idealerweise an einem zentralen Ort in der Stadt Zürich.