Es ist ein Frühjahr voller Premieren: Noch nie hatte Zürich eine Stadtpräsidentin, noch nie bekleidete Corine Mauch von der SP ein Exekutivamt. Beides wird am 29. März 2009 Realität. Corine Mauch setzt sich im zweiten Wahlgang für das Zürcher Stadtpräsidium gegen Kathrin Martelli (FDP) durch.
Für die damals 48-jährige Mauch ist es ein Sprung ins kalte Wasser. «Ich wusste, dass es ein steiler Einstieg wird», sagt Mauch 2014 in der SRF-Sendung «Schawinski». «Ich konnte keine Lehre machen als Stadtpräsidentin. Man springt hinein und macht.»
Zu Beginn hat es Corine Mauch nicht einfach. Obwohl sie bereits zehn Jahre für die SP im Zürcher Stadtparlament politisiert und beim Parlamentsdienst in Bundesbern gearbeitet hat, kennt man Mauch vielerorts noch nicht. Ihr fehlt es an Exekutiverfahrung.
Zudem übernimmt sie das Amt der Stadtpräsidentin inmitten der Finanzkrise und muss die Geschicke der grössten Schweizer Stadt, einer der mächtigsten Bankenstädte, leiten.
Mit der Zeit wächst Mauch jedoch ins Amt hinein. Auch die anfängliche Skepsis der Medien, die sie als farblose Politikerin bezeichneten, legt sich. Aus der «grauen Mauch», wie Zeitungen sie damals nennen, wird die Stadtmutter, die Zürichs Entwicklung 17 Jahre lang politisch, städtebaulich und gesellschaftlich prägen sollte.
Grünes Zürich, Lebensqualität, soziale Gerechtigkeit
Unter Mauchs Führung wird Zürich grüner und klimafreundlicher. Zudem setzt sich die Stadtpräsidentin stets für Menschen ohne Schweizer Pass ein. Sie plädiert für ein ganzheitliches Zürich mit hoher Lebensqualität, attraktiv für Menschen und Unternehmen.
Dafür müsse investiert werden, sagt Mauch 2019, nach zehn Jahren im Amt, gegenüber dem SRF-Regionaljournal Zürich Schaffhausen – nicht nur in den öffentlichen Verkehr oder in mehr Grünraum, sondern auch ins Soziale.
«Wir müssen diejenigen Kinder, die nicht privilegiert sind und sprachlich Mühe haben, früh unterstützen, sodass sie die Chance erhalten, ihr Potenzial zu entfalten», so Mauch. «Das ist im Interesse der Gesamtgesellschaft.»
Ära Mauch: Diese Grossprojekte entstanden in Zürich
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Bild 1 von 6. Auf dem Weg zur Realisierung der Europaallee beim Hauptbahnhof legte Corine Mauch kurz nach ihrer Wahl zur Stadtpräsidentin Hand an beim Spatenstich der Pädagogischen Hochschule im Juni 2009. Bildquelle: Keystone/Patrick B. Kraemer.
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Bild 2 von 6. Auch dem Erweiterungsbau des Zürcher Kunsthauses wohnte sie bei. Im Zuge des Baus musste die Skulptur «Fanfare» von Robert Mueller im Mai 2010 weichen. Sie wurde nach Langenthal transportiert. Bildquelle: Keystone/Steffen Schmidt.
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Bild 3 von 6. Nach der Grundsteinlegung 2016 wurde der Erweiterungsbau des Zürcher Kunsthauses dann im Oktober 2021 feierlich eingeweiht. Bildquelle: Keystone/Ennio Leanza.
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Bild 4 von 6. In ihrer Zeit als Stadtpräsidentin erhielt das Landesmuseums zudem einen Erweiterungsbau. Bildquelle: Keystone/Alessandro Della Bella.
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Bild 5 von 6. Auf dem Duttweiler-Areal in Zürich wurde ein Bundesasylzentrum errichtet. Bildquelle: Keystone/Walter BIeri.
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Bild 6 von 6. Und im Zoo Zürich wurde der neue Elefantenpark eingeweiht. Bildquelle: Keystone/Steffen Schmidt.
Mauch entwickelt die Stadt weiter. Die Wirtschaft boomt, grosse Bauprojekte werden umgesetzt. Aber: Nicht alles ist von Erfolg gekrönt.
Kritik gibt es ausgerechnet in der Kultur, die Mauch sehr am Herzen liegt. Konkret geht es um die Bührle-Sammlung im Zürcher Kunsthaus und die Diskussion, ob es unter den Bildern Raub- und Fluchtkunst aus der Zeit des Nationalsozialismus gibt.
«Ich würde früher reagieren», sagt Mauch rückblickend. «Es ist richtig und wichtig, dass die Diskussion rund um die Bilder nun geführt wird.» Vor schweren Entscheidungen sei sie nie zurückgewichen.
Nahe bei den Menschen
Mauch zeigt Standhaftigkeit, aber auch ihren Draht zu den Menschen wissen ihre Stadtratskollegen zu schätzen. Hochbauvorsteher André Odermatt, auch privat mit Mauch befreundet, sagt: «Wenn man in den Quartieren unterwegs war, dann kamen die Leute auf sie zu und suchten das Gespräch. Sie hatte immer ein offenes Ohr.»
Ära Mauch: Zürichs Stadtpräsidentin zeigte sich auch an Anlässen
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Bild 1 von 5. Bei der Eröffnung des Züri-Fäschts 2016 griff Corine Mauch zur Luftgitarre. Der Anlass wurde 2023 zum letzten Mal durchgeführt. Bildquelle: Keystone/Ennio Leanza.
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Bild 2 von 5. 2023 führte Zürichs Stadtpräsidentin auch den damaligen Bundesrat Alain Berset (SP) an die Street Parade. Bildquelle: Keystone/Severin Bigler.
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Bild 3 von 5. Auch die Fussball-Europameisterschaft 2025 in Zürich liess sich Corine Mauch nicht entgehen. Bildquelle: Keystone/Michael Buholzer.
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Bild 4 von 5. Immer wieder war sie auch Ehrengast beim traditionellen Zürcher Sechseläuten. Bildquelle: Keystone/Walter Bieri.
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Bild 5 von 5. Sie besuchte die Pride, den grössten Anlass für queere Menschen in der Schweiz – hier im Juni 2014. Bildquelle: Keystone/Walter Bieri.
Und FDP-Stadtrat Filippo Leutenegger lobt Mauch dafür, dass sie auch nach unsicheren Zeiten Vertrauen schaffen konnte.
Jetzt ist Mauchs Zeit als Stadtpräsidentin, als Stadtmutter von Zürich, fast vorbei. 17 Jahre seien genug, sagt sie. Nun freue sie sich auf mehr Freizeit.
Ihr Nachfolger steht mit Raphael Golta (SP) so gut wie fest, trotzdem kommt es im Mai zu einem zweiten Wahlgang um das Stadtpräsidium.