Heizen mit Wärme aus dem Bodensee – das war die Idee für ein Fernwärmeprojekt in Romanshorn. Doch die Abklärungen ergaben, dass das Projekt nicht rentabel betrieben werden könnte, sodass es im Dezember eingestellt wurde. Auch anderswo werden Fernwärme-Projekte nicht umgesetzt: In Rapperswil-Jona zum Beispiel, wo man die Abwärme aus der Kehrichtverbrennung von Hinwil ZH nutzen wollte, um 20 Prozent des Wärmebedarfs von Rapperswil abzudecken.
«Wir haben das fundiert abgeklärt und sind zum Schluss gekommen, dass die Risiken und Unwägbarkeiten zu gross gewesen wären», sagt die Stadtpräsidentin von Rapperswil-Jona, Barbara Dillier, gegenüber SRF. 115 Millionen Franken hätte das Projekt gekostet, das der Versorger Energie Zürichsee Linth EZL umsetzen wollte. «Aber die Finanzierbarkeit war nicht gegeben», bedauert Dillier.
«Da geht die Post ab»
Finanzielle Risiken, die fehlende technische Machbarkeit oder auch Einsprachen wie etwa in Wil SG können Fernwärme-Projekte ausbremsen. Doch es gebe auch erfolgreiche Fernwärme-Ausbauten, wie kürzlich in Bern am Fernwärme-Forum des Verbands Thermische Netze Schweiz zu hören war.
Auch in vielen kleineren Städten und Dörfern wird zügig ausgebaut.
«Städte wie Zürich oder Basel gehen voran, und auch Genf, Bern oder Lausanne bauen aus. Diese Städte investieren bis 2050 gegen sieben Milliarden Franken in den Ausbau ihrer Fernwärmenetze», sagt Andreas Hurni, der Geschäftsführer des Verbands Thermische Netze Schweiz. «Da geht richtig die Post ab. Und auch in vielen kleineren Städten und Dörfern wird zügig ausgebaut.»
Rechenzentren als Wärmequelle
In der Schweiz gibt es laut Hurni rund 1600 Fernwärme-Netze, die 10 Prozent des Schweizer Wärmebedarfs decken. «Bis 2050 könnte die Fernwärme einen Viertel des Wärmebedarfs abdecken.» Neben der Abwärme aus Kehrichtverbrennungen und Industrie setzen die Fernwärme-Anbieter zunehmend auf erneuerbare Energiequellen: See- und Flusswasser oder Holzfeuerungen werden genutzt, und neuerdings gerät die Abwärme von Rechenzentren als Wärmequelle ins Blickfeld. Gas als Wärmequelle hingegen verliert an Bedeutung.
Die Dekarbonisierung der Wärme dient nicht nur den CO₂-Zielen, sondern ist auch eine Frage der Energie-Versorgungssicherheit.
In der EU decke Fernwärme 13 Prozent des Wärmebedarfs, und 44 Prozent der Netze würden mit erneuerbarer Energie betrieben, sagte Pauline Lucas vom Verband Euroheat & Power an der Tagung. Weg von Öl und Gas, laute die Devise: «Die Dekarbonisierung der Wärme dient nicht nur den CO₂-Zielen, sondern ist auch eine Frage der Energie-Versorgungssicherheit.»
Zwei Drittel des Gasverbrauchs in der EU dienten zur Herstellung von Wärme und Kälte in Haushalten und Industrie. Aus dieser Abhängigkeit müsse man sich befreien, so Lucas.
Wenn Sie im Winter durch Schweden fahren, sehen Sie kaum rauchende Schornsteine, da sehr viele Häuser an Fernwärmenetze angeschlossen sind.
Und der schwedische Energieexperte Mart Kivikas sagte im Gespräch mit SRF: «Wenn Sie im Winter durch Schweden fahren, sehen Sie kaum rauchende Schornsteine, da sehr viele Häuser an Fernwärmenetze angeschlossen sind.»
Das funktioniert in Schweden auch deshalb, weil die Städte die Investitionen in die Netze finanzieren.
Seit langer Zeit schon werde die Abwärme aus der Industrie und aus Kehrichtverbrennungen fürs Heizen genutzt. In Stockholm seien 90 Prozent der Mehrfamilienhäuser an die Fernwärme angeschlossen. «Das funktioniert auch deshalb, weil die Städte die Investitionen in die Netze finanzieren und die Tarife so gestalten, dass sie günstiger sind als das Heizen mit Öl Gas oder Kohle.»