Die Vereinigten Arabischen Emirate treten aus der Opec aus. Die Opec verliert damit nicht nur ein Gründungsmitglied, sondern auch einen der weltweit grössten Öl-Produzenten. Damit werde die Macht der Opec eingeschränkt, sagt Nahost-Experte Philipp Dienstbier. Er erklärt zudem, warum der Schritt auch geopolitische Folgen mit sich bringt.
SRF News: Was bedeutet der Austritt für die Opec?
Philipp Dienstbier: Die Opec verliert mit den Vereinigten Arabischen Emiraten einen wichtigen Ankerproduzenten. Die Emirate stellen rund zwölf Prozent der Förderung innerhalb des Kartells und sind damit das drittwichtigste Mitglied. Durch den Austritt wird die Macht der Opec eingeschränkt, die Ölpreise zu kontrollieren oder den Markt zu stabilisieren. Besonders Saudi-Arabien, das die Politik innerhalb der Opec stark bestimmt, verliert damit Handlungsspielraum und Marktmacht.
Ist der Austritt Ausdruck eines Konflikts innerhalb der Opec?
Absolut. Dieser Konflikt schwelt schon eine ganze Weile. Die VAE könnten eigentlich deutlich mehr Öl fördern und exportieren, als die Opec-Quote erlaubt. Die ist für die Emiratis aus ihrer Sicht zu niedrig. Die Emirate investieren sogar kräftig in neue Förderkapazitäten. Zwar hat die Opec die Fördermengen leicht angehoben, hat aber grundlegende Neuverhandlungen der Förderquoten verschoben. Damit sind die Emiratis unzufrieden.
Die VAE wollen künftig mehr Öl verkaufen und zusätzliche Einnahmen generieren.
Warum drängen die Emirate auf höhere Fördermengen?
Die Emirate produzieren vergleichsweise günstig und könnten einen niedrigeren Ölpreis tolerieren als andere Förderländer. Sie wollen künftig mehr Öl verkaufen und zusätzliche Einnahmen generieren – und gegebenenfalls auch niedrigere Preise dafür aushalten.
Momentan ist die Strasse von Hormus blockiert. Können die Emirate ihr zusätzliches Öl überhaupt liefern?
Momentan ist das nicht möglich. Laut den Emiraten ist die angespannte Lage rund um die Strasse von Hormus sogar ein Grund für den gewählten Zeitpunkt des Austritts. Aktuell können die Emirate über ihre Pipeline, die an die Küste am Indischen Ozean nach Fudschaira führt, nur etwa zwei Drittel ihrer Gesamtkapazität exportieren. Aber sobald sich das Energiemarkt-Umfeld stabilisiert und eine politische Lösung rund um die Strasse von Hormus gefunden wird, könnten künftig die zusätzlichen Mengen auch abgesetzt werden.
Was bedeutet der Opec-Austritt für das Verhältnis zu Saudi-Arabien?
Die Beziehungen zwischen Saudi-Arabien und den Emiraten haben sich in den vergangenen Jahren immer stärker abgekühlt. Zuletzt kam es im Zusammenhang mit dem Jemen-Konflikt sogar zu einem offenen Zerwürfnis. Beide Staaten verfolgen zunehmend unterschiedliche strategische Ziele – sowohl in der Nachbarschaft, wie im Jemen und in Ostafrika, als auch im Umgang mit dem Iran und Israel.
Die beiden Länder geraten zunehmend in Konkurrenz, ökonomisch, aber auch geopolitisch.
Zudem treten die beiden Länder auch zunehmend wirtschaftlich in Konkurrenz. Die Emirate haben ihre Wirtschaft früh diversifiziert und mit Dubai ein Modell aufgebaut, das weniger abhängig von Öl und Gas ist. Saudi-Arabien versucht mit der «Vision 2030» nun ebenfalls, dahinzukommen. Dadurch geraten beide Länder zunehmend in Konkurrenz, ökonomisch, aber auch geopolitisch.
Das Gespräch führte Matthias Kündig.