«Bald werden ein Drittel der Verwaltungsräte Frauen sein»

In den Geschäftsleitungen von Schweizer Unternehmen macht der Anteil Frauen lediglich 6 Prozent aus. In den Verwaltungsräten sind es immerhin 16 Prozent. Guido Schilling hat diese Zahlen ermittelt. Er attestiert den Firmen teils grosse Bemühungen, macht aber auch Defizite aus.

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Wenige Frauen in Schweizer Chefetagen

2:42 min, aus Tagesschau vom 8.3.2016

Der Kadervermittler Guido Schilling erhebt jedes Jahr im «Schillingreport» die Fortschritte bei der Vertretung von Frauen in Kaderpositionen von Schweizer Unternehmen. Aus Anlass des Internationalen Frauentags hat SRF News mit Schilling gesprochen.

SRF News: Sie haben die Geschäftsleitungen und Verwaltungsräte in der Schweiz auf ihren Frauenanteil hin untersucht. Bei den Geschäftsleitungen stagniert der Frauenanteil bei 6 Prozent. Mal ehrlich: Überrascht Sie das noch?

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Internationaler Frauentag

Internationaler Frauentag

Der Frauentag wurde auf Anregung der deutschen Sozialdemokratin Clara Zetkin erstmals am 19. März 1911 in Deutschland und Nachbarländern organisiert. Seit 1921 wird er am 8. März gefeiert. 1977 erkannte die UNO den Tag als Internationalen Frauentag an. Der heutige Aktionstag steht unter dem Motto «Pledge For Parity» (Zusicherung von Gleichheit).

Guido Schilling: Ja. Denn die Firmen bemühen sich sehr aktiv, Frauen vermehrt in Führungspositionen zu bringen.

Wo harzt es denn eher: Gibt es zu wenig Frauen für die Chefposten oder ist es eher so, dass die Unternehmen letztlich doch eher Männer bevorzugen?

Wenn Firmen Leitungsposten extern besetzen müssen, versuchen sie, die bestmöglichen Kandidaten einzustellen. Sie suchen nach erfahrenen Führungspersönlichkeiten mit Leitungsausweisen in idealerweise vergleichbaren Umgebungen. In diesem Bereich finden die Firmen einfach viel zu wenige entsprechend qualifizierte Frauen.

Falls man dann einmal eine Frau in einer Geschäftsleitung antrifft: Sind das nicht vor allem «Quotenfrauen», die das Marketing oder die Personalabteilung betreuen?

Es gibt zum Glück ganz hervorragende «Leuchttürme», die andere anziehen und Vorbilder sind. Trotzdem findet man die Frauen tatsächlich vor allem in den Service-Funktionen. Meist sind sie schon nach dem Studium nicht in eine Business-orientierte Führungsaufgabe eingestiegen, sondern haben Verantwortung im Marketing, HR oder im juristischen Bereich übernommen und sich dann bis ganz nach oben entwickelt.

In den Verwaltungsräten ist der Frauenanteil immerhin bereits bei 16 Prozent – jeder vierte neue Verwaltungsrat ist eine Frau. Wieso ist es für Frauen hier offenbar viel einfacher?

Der Schweizerische Arbeitgeberverband hat im vergangenen Jahr eine Aktion gestartet, um Frauen sichtbar darzustellen, die sich für Verwaltungsräte eignen. Innert kürzester Zeit gelang es, 200 entsprechende Frauen zu porträtieren. Ausserhalb von Management-Funktionen gibt es sehr qualifizierte Frauen – etwa Expertinnen oder Beraterinnen – die sich als Verwaltungsrätinnen eignen. Für diese Funktion braucht es ja nicht nur aktive oder ehemalige Geschäftsleitungsmitglieder. Vielmehr ist in einem Verwaltungsrat das Zusammenspiel von hervorragend qualifizierten Persönlichkeiten essenziell. Hier finden wir genügend qualifizierte Frauen. Entsprechend verzeichnen wir in der Schweiz in diesem Bereich jedes Jahr substanzielle Fortschritte. Schon in ein paar Jahren werden die Frauen ein Drittel der Verwaltungsräte ausmachen.

In der Schweiz stagniert der Anteil Frauen in den Geschäftsleitungen. Wie steht die Schweiz im internationalen Vergleich da?

Wir stehen an einem Scheideweg. Es gibt Unternehmen, die im Integrieren von Frauen bereits hervorragende Arbeit geleistet haben, andere sind noch nirgends. Bei ersteren werden in Zukunft die jungen, engagierten, leistungsbereiten Frauen Schlange stehen. Die Spreu wird sich vom Weizen trennen. Schauen Sie die SBB an: Ab Sommer steht mit Monika Ribar als Verwaltungsratspräsidentin eine Frau an der Spitze des obersten Gremiums, im obersten Führungskader ist beinahe jede vierte Position weiblich besetzt. Das wird sicher Auswirkungen auf andere Unternehmen haben – aber es wird bei der SBB vor allem junge Frauen anziehen, die sich ein ideales Umfeld für ihre berufliche Perspektive suchen.

Das Gespräch führte Eveline Kobler.