Bcomp – ein Jungunternehmen innoviert mit Altbekanntem

Einst schneiderte man aus Flachs Kleider – bis Baumwolle die traditionelle Faser verdrängte. Bcomp, ein Start-up aus Freiburg, setzt Flachsgewebe jetzt in der Industrie ein. Das stabile und leichte Gewebe ist bereits auf Skipisten im Einsatz. Folgt nun die Autoindustrie?

Für die Autoindustrie: Verkleidung aus Flachs Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Leichte Verkleidung im Fahrzeug-Innern: Christian Fischer (r.) und Cyrille Boinay haben die Autoindustrie im Visier. SRF

Unsere Ansprüche an Produkte sind hoch. Unsere Ski müssen leicht, unsere Autos schnell sein. Beide unbedingt stabil und trotzdem flexibel, und aus nachhaltiger Herstellung am liebsten auch noch. Wie kann man all diesen Ansprüchen gerecht werden?

Bcomp, ein Jungunternehmen aus Freiburg, glaubt, eine simple Lösung gefunden zu haben: Flachs. Die Flachsfaser ist natürlich, leicht und stabil. Sie kann als Verstärkungstextil in Bauteile eingesetzt werden. Leichter als Glasfaser und flexibler als Karbon, bietet sie eine nachhaltige Alternative zu den etablierten Materialien.

Geld, Wissen und eine Bühne

Vor über vier Jahren stellten zwei Wissenschaftler und zwei Ökonomen ihre Idee auf diversen Start-up-Plattformen vor. Cyrille Boinay, Mitgründer von Bcomp, erklärt «ECO», warum solche Plattformen essenziell für Jungunternehmen sind: «Erstens kriegt man etwas für die Kasse, wenn man gewinnt. Andererseits ist es meistens mit einem Coaching verbunden, das heisst, man muss oder darf seine Kenntnisse vertiefen. Der dritte Punkt ist, dass man einen gewissen Zugang zur Öffentlichkeit bekommt.»

Mithilfe von 1,5 Millionen Franken Startkapital bringt Bcomp das erste Produkt an den Kunden. Ein ultra-leichter Ski-Kern aus Balsa-Holz und Flachsfaser überzeugt das Schweizer Traditionsunternehmen Stöckli. «Ich habe die Zusammenarbeit mit Bcomp gesucht, mit der Idee leichtere Ski zu bauen», erzählt Mathieu Fauve, Leiter Forschung und Entwicklung bei Stöckli.

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Unterschätzte Faser

Hände rollen Flachsgewebe

SRF

Wolle und Flachs – das waren Jahrhundertelang die natürlichen Fasern der Wahl. Ende des 19. Jahrhunderts verdrängte Baumwolle zunehmend Flachs. Dabei hat die Faser, die aus den Stängeln der Flachspflanze gewonnen wird, eine Reihe positiver Eigenschaften: Sie ist von Natur aus schmutzabweisend, bakteriozid, strapazierfähig und atmungsaktiv.

Mittlerweile sind fünf Stöckli-Modelle mit Bcomp-Ski-Kern auf dem Markt. In der Sportindustrie etabliert, steht die Automobilindustrie als nächstes auf der Liste. Leichtigkeit ist dort ein brennendes Thema, denn der Ausstoss von CO2 muss zwingend reduziert werden, und dafür müssen Fahrzeuge an Gewicht verlieren.

Christian Fischer, Co-CEO von Bcomp, führt die neuste Technologie vor: «Durch die Verarbeitung von Flachsfaser in die Auto-Innenausstattung können unsere Automobilkunden bis zu 50 Prozent Gewicht herausnehmen.» Ein grosser deutscher Automobilhersteller, dessen Namen die Jungunternehmer noch nicht nennen wollen, hat Bcomp zu Verhandlungen eingeladen.

Kleine Schritte

Bcomp beliefert Kunden weltweit, vom grossen Erfolg könne man aber noch nicht sprechen. Im Business-Plan sind noch die Flugzeug- und Bahnindustrie aufgelistet. Mobilität würde grundsätzlich ein grosses Thema bleiben. Trotzdem: «Die Ideologie, die wir haben, das Ziel, etwas Besseres zu erschaffen, dürfen wir nicht verlieren, indem wir einem Wirtschaftsmodell nachrennen», beteuert Cyrille Boinay.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Bcomp: Ein Start-up setzt auf die Wiedergeburt von Flachs

    Aus ECO vom 15.2.2016

    Einst schneiderte man aus Flachs Kleider, bis Baumwolle die traditionelle Faser verdrängte. Das Freiburger Start-up Bcomp setzt Flachs jetzt in der Industrie ein. Das Gewebe ist stabil und leicht, der Skihersteller Stöckli setzt es bereits bei verschiedenen Skimodellen ein. Nun laufen Verhandlungen mit der Autoindustrie: Für Bcomp wäre das ein Meilenstein.