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Bio-Suisse-Präsident Der Bio-Markt wächst, doch Bio Suisse hat höhere Ziele

Der Bio-Markt in der Schweiz hat im vergangenen Jahr insgesamt einen Umsatz von fast 4.3 Milliarden Franken erzielt, ein Plus von 2.8 Prozent. Das zeigen die heute publizierten Zahlen von Bio Suisse. Allerdings: Der Verband hat deutlich höhere Ziele. Doch es gibt Hürden: Zum einen ist der Gewinn zusätzlicher Marktanteile schwierig, zum anderen sind Bio-Import-Produkte deutlich günstiger als jene mit der Bio-Knospe.

Urs Brändli

Präsident Bio Suisse

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Urs Brändli ist seit 2011 Präsident von Bio Suisse. 30 Jahre lang war er selbst Biobauer im südlichsten Zipfel des Kantons St. Gallen. 2015 hat er seinen Betrieb der nächsten Generation übergeben, hilft aber immer noch aktiv zu Hause mit.

SRF News: Urs Brändli, Sie bezeichnen die Schweiz als Bio-Weltmeisterin. Wie kommt das?

Urs Brändli: Wir haben in der Schweiz mit 468 Franken die höchsten Ausgaben pro Kopf für Bioprodukte und mit 12.3 Prozent den höchsten Marktanteil. Da liefern wir uns ein Rennen mit Dänemark und Österreich. Aber das Potenzial nach oben ist, egal in welchem Land, immer noch sehr gross.

Der Anteil von 12.3 Prozent am gesamten Lebensmittelmarkt stagniert. Trotzdem peilen Sie bis 2030 einen Marktanteil von 15 Prozent an. Wie geht das?

Der Grund für den stagnierenden Anteil sind die Teuerung und das Bevölkerungswachstum. Genaue Zahlen gibt es aber nicht. Wir sehen aber das vorhandene Potenzial, zum Beispiel beim Absatz in Grossverteilern. Vor allem aber sehen wir das Potenzial bei der Verpflegung ausser Haus. Nach Corona sind die Menschen wieder viel unterwegs. Doch im Convenience-Bereich findet man keine oder nur sehr wenig Bioprodukte. Dort engagieren wir uns jetzt sehr stark.

Vor allem sehen wir das Potenzial bei der Verpflegung ausser Haus.

Aber Convenience steht auch ein wenig quer zur eigentlichen Idee von Bio Suisse?

Bio ist gewachsen im direkten Kontakt mit den Bäuerinnen und Bauern. Wir stellen aber fest: Die Menschen konsumieren immer mehr auch verarbeitete Produkte, sogenannte Convenience-Produkte. Und die gibt es nun auch mit der Knospe immer mehr. Obwohl: Es gibt sehr viele Convenience-Produkte, die unter der Knospe nicht hergestellt werden dürfen, weil Verarbeitungsschritte damit verbunden sind, die kaum mit der Knospe zu vereinbaren sind.  Trotzdem: Der Bereich wächst.

468 Franken gibt jeder Haushalt im Schnitt für Bioprodukte aus. Wie viel davon sind importiert?

Da gibt es keine genauen Daten. Der Zoll unterscheidet nicht, ob importierter Weizen aus Bio- oder konventionellem Anbau stammt. Beim Knospen-Label ist der Markt allerdings stark reglementiert. Wir lassen Importe nur dann zu, wenn der Schweizer Markt diese Produkte nicht oder in der nötigen Qualität nicht liefern kann. 

In den Verkaufsregalen stehen vermehrt günstige Bioprodukte, oft Importware. Das dürfte die Schweizer Bio-Landwirtschaft schmerzen.

Bei jedem Eintritt von günstigen Bio Anbietern werden viele Kolleginnen und Kollegen nervös. Trotzdem: Solche Billigprodukte sehe ich eher als Einsteigerprodukte in den Bio-Knospenmarkt, für jene, die bis jetzt das Gefühl hatten, Bio sei zu teuer. Man kauft ein Produkt von Alnatura Bio 365 und nach zwei, drei Jahren wagt man dann vielleicht den Schritt zu Schweizer Bioprodukten. Unter Schweizer Bedingungen können wir solche Produkte leider nicht herstellen. Aber da wir ja ohnehin auf gewisse Importe angewiesen sind, ist es auch vertretbar, dass auch Bioprodukte zu günstigen Bedingungen so angeboten werden.

Das heisst: Wir in der Schweiz haben in der Regel weiterhin genug Geld für Bioprodukte?

Ja. Wenn wir in der Schweiz sagen, wir haben zu wenig Geld und können uns die Vorkehrungen für die Zukunft nicht leisten, dann wird es schwierig. Wenn wir das nicht können, wer kann es dann?

Das Gespräch führte Dario Pelosi.

Echo der Zeit, 01.04.2026, 18 Uhr ; 

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