Am Mittwoch ging das Treffen der G7-Staaten im französischen Évian zu Ende. Dem Gremium, das seit 1974 existiert, gehören Deutschland, Frankreich, Italien, Japan, Grossbritannien, Kanada und die USA an. Nach aussen wurde Einigkeit demonstriert. Doch heikle Themen blieben unangetastet – beispielsweise die Staatsverschuldung, die in den letzten Jahren stetig gestiegen ist. Die wichtigsten Fragen und Antworten von Wirtschaftsredaktor Marcel Sigrist.
Wer hat die höchste Staatsverschuldung?
Unter den G7-Ländern hat Japan mit 265 Prozent aktuell die höchste Verschuldungsquote (absolute Staatsschulden im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung BIP). Für Italien sind es 145 Prozent, die USA kommen auf 115 Prozent, Frankreich auf etwa 111 Prozent. Kanada bringt es auf 100 Prozent, dahinter liegen Grossbritannien mit 95 Prozent und Deutschland mit 70 Prozent. Im Vergleich: Die Schweiz weist eine Quote von 39 Prozent aus.
Wie sind die Staatsschulden der G7-Volkswirtschaften angestiegen?
Lag die Verschuldungsquote der G7-Länder Anfang des Jahrtausends noch bei 72 Prozent, so stieg sie zwischen 2007 und 2009 im Zuge der Banken-, Finanz- und der nachfolgenden Schuldenkrise (Stichwort: Griechenland-Rettung) erstmals deutlich an und verharrte in den folgenden Jahren auch auf hohem Niveau. Aufgrund der Corona-Pandemie gab es dann 2020 einen zweiten Schub. Aufrüstungspläne, neue geopolitische Unsicherheiten und zwingende Investitionen in veraltete Infrastrukturen dürften die Staatsverschuldung der G7-Länder bis 2030 weiter ansteigen lassen, so die Schätzungen des Internationalen Währungsfonds.
Sind Staatsschulden «gut» oder «schlecht»?
Staatsschulden sind nicht per se «schlecht». Beobachtbar ist jedoch, dass viele Staaten ihre Verschuldung nutzen, um Dinge zu finanzieren, die sie eigentlich über ihre laufenden Steuereinnahmen sowie weitere Abgaben und Gebühren finanzieren müssten. Wenn ein Staat sich verschuldet, dann druckt er kein Geld, sondern er gibt in der Regel Wertpapiere, sogenannte Staatsanleihen, heraus, die dann von Banken, Versicherungen, privaten Anlegern, anderen Staaten und weiteren Investoren gekauft werden können. Diese erhalten für ihr Geld, das sie dem Staat leihen, einen Zins. Verschuldet sich ein Staat mittels Anleihen immer mehr, dann steigt seine Zinslast. Diese kann so hoch werden, dass schliesslich zu wenig Geld für andere, wichtige öffentliche Ausgaben wie Bildung oder Infrastruktur übrig bleibt.
Wie bedrohlich sind die steigenden Staatsschulden?
Ein Staat kann wegen seiner Schulden zwar nicht wie ein privates Unternehmen in Konkurs gehen, aber er kann zahlungsunfähig werden. Dies kann regelmässig in den USA beobachtet werden, bis sich die Politik zusammenrauft und die Schuldenobergrenze anhebt. Im Fall von Griechenland mussten die Käufer griechischer Staatsanleihen indessen einen riesigen Abschreiber, das heisst einen Verlust, hinnehmen. Steigende Staatsschulden engen den finanziellen Spielraum der öffentlichen Körperschaften zunehmend ein und wirken längerfristig destabilisierend. Wann der Kipppunkt einer Staatsverschuldung erreicht ist, lässt sich aber kaum präzise vorhersagen.