Bisher hat Europa tolle Universitäten und Talente, aber beim Wachstum hinken Startups den USA und China hinterher. Nun will die EU Bürokratie abbauen und so wettbewerbsfähiger werden. Mit einer einfachen EU-Rechtsform «EU Inc.». Das könnte auch für Schweizer Unternehmen eine Chance sein.
«Das Produkt kann man gleich verwenden wie Eiweiss oder Vollei, zum Beispiel für Backwaren oder Teigwaren», erklärt Silvan Leibacher, während die Maschine eine ockerfarbene Flüssigkeit zu einem weissen Schnee aufschlägt. «Es ist sehr kosteneffizient verarbeitbar und pflanzlich und damit auch nachhaltiger als Ei.»
Silvan Leibacher testet seinen Ei-Ersatz aus Hülsenfrüchten regelmässig in seiner Bäckerei in Illnau. Er möchte mit seinem Startup EggField über die Grenzen hinaus wachsen. Doch um sein Produkt in ganz Europa auf den Markt zu bringen, gibt es viele bürokratische Hürden. «Gerade als Hersteller von Zutaten ist ein grosser Markt wichtig. Es geht ja auch darum, eine Innovation skalieren zu können, also auch in grösseren Mengen und preiseffizient produzieren zu können. Da hilft natürlich ein grosser Markt sehr.»
Den EU-Markt für Startups einfacher zu erschliessen, das will die EU mit «EU Inc.» erreichen, einer neuen, EU-weiten Firmenregistrierung für alle 27 Mitgliedsländer. Bisher hatte Europa gegenüber den USA oder China oft das Nachsehen, weil Gründerinnen und Gründer dort leichter wachsen konnten und so auch entsprechend leichter zu Kapital kamen.
Das Ziel der EU-Kommission: Startups sollen mit einer einfacheren Registrierung zu profitablen Firmen wachsen können, es soll mehr in Europa investiert werden und die Wettbewerbsfähigkeit soll steigen. «Jeder Unternehmer kann dann innerhalb von 48 Stunden von jedem Ort in der Europäischen Union aus ein Unternehmen gründen – und zwar vollständig online», sagt Ursula von der Leyen, Präsidentin der EU-Kommission.
Simon May betreut Hunderte Schweizer Startups als Co-Geschäftsführer des IFJ Instituts für Jungunternehmen. «EU Inc.» sei eine grosse Chance für Startups, aber bringe auch Druck auf die Schweiz. «Für Schweizer Startups ist es eine sehr grosse Chance, in Europa zu wachsen. Wenn man nur noch eine Firma gründen muss und das für 27 Länder gültig ist, ist das eine enorm grosse Chance für die Gründerinnen und Gründer, aber natürlich auch für die Investoren. Der Zugang zu Kapital würde vereinfacht», erklärt er. «Auf der anderen Seite wird diese Vereinfachung in der EU Druck für die Schweiz bringen, damit unser Standort auch attraktiv bleibt. Vielleicht müsste das Gründen in der Schweiz auch vereinfacht werden.»
Rekordzahl an Firmengründungen in der Schweiz
Auch in der Schweiz mangelt es nicht an Ideen und Talenten: Bereits 2025 war ein Rekordjahr an Firmengründungen. Und dieses Jahr ist die Zahl der gegründeten Firmen im Vergleich zum selben Zeitraum im Vorjahr nochmals um 5.8 Prozent angestiegen, gemäss der Erhebung des IFJ.
Für den Jungunternehmer Leibacher ist die neue Rechtsform «EU Inc.» interessant. «Heute sind wir vor allem in Deutschland aktiv und haben dort auch die ersten Kunden. Wir sehen aber auch Interesse in Frankreich und Italien. Da würde uns natürlich eine einheitliche Rechtsform vieles erleichtern.» An Ideen und Innovation mangle es nicht in der Schweiz und Europa, sagt Leibacher. Das Problem sei, grosse Märkte und finanzkräftige Kapitalgeber zu finden. Da sei jede Vereinfachung willkommen.