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Chefökonom Gewerkschaftsbund Lampart: «Die Nationalbank hat die rasante Aufwertung zugelassen»

In der öffentlichen Diskussion ist es erstaunlich still geworden um die Frankenstärke. Dabei schlummert hier ein erhebliches Risiko für den Schweizer Arbeitsmarkt. Diese Einschätzung vertritt zumindest der Chefökonom des Gewerkschaftsbundes, der vor negativen Auswirkungen auf Stellen und Gehälter warnt.

Daniel Lampart

Ökonom

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Daniel Lampart ist Chefökonom und Leiter des Sekretariats des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes (SGB).

SRF: Herr Lampart, warum gilt Ihre grosse Sorge dem starken Franken?

Daniel Lampart: In den Medien ist es komischerweise kaum ein Thema, in den Unternehmen dagegen ist die Besorgnis gross. Es ist noch nicht so lange her, da bezahlten wir für einen Euro 1.50 oder 1.60. Jetzt sind wir praktisch bei 90 Rp. Das ist eine extreme Entwicklung, die unterschätzt wird.

Wir haben ein bisschen ein komisches Bild der Unabhängigkeit von der Geldpolitik.

Die Maschinenindustrie exportiert heute weniger als vor zwanzig Jahren, und das merkt man bei den Arbeitsplätzen. Ein Bäcker in der Schweiz verdient mit 4500 bis 5000 Franken deutlich mehr als ein Bäcker in Deutschland. Das liegt nicht nur daran, dass wir ausgezeichnete Bäcker haben, sondern auch an unserer hochproduktiven Exportwirtschaft. Deren Erfolg färbt auf alle Löhne ab. Wenn es der Exportwirtschaft schlecht geht, weil der Franken zu stark ist, gefährdet das am Ende alle Löhne. Man vergisst oft, woher das Geld kommt.

Für die Geldpolitik ist die Nationalbank zuständig, sie ist unabhängig von der Politik. Sie waren selbst zwölf Jahre im Bankenrat der SNB. Warum üben Sie nun trotzdem Kritik?

Unabhängig sein heisst, dass die SNB keine Weisungen entgegennimmt. Wir haben ein bisschen ein komisches Bild der Unabhängigkeit von der Geldpolitik. Es steht in der Verfassung, dass die SNB eine Geldpolitik im Gesamtinteresse des Landes machen muss. Selbstverständlich ist deshalb die Nationalbank darauf angewiesen, dass man mit ihr redet.

Sie werfen der SNB vor, die Aufwertung des Frankens mit einer ungünstigen Kommunikation zugelassen zu haben. Was meinen Sie damit?

Die Nationalbank hat lange signalisiert, sie wolle den Eurokurs bei 1.50 oder 1.45 Franken halten. Als sich der Franken dann stark aufwertete, hat sie nicht gesagt, dass er zu stark wird, sondern sprach von Marktkräften. Damit hat sie die rasante Aufwertung zugelassen. Ich erwarte, dass die Nationalbank öffentlich sagt, dass der Franken für die Wirtschaft zu stark ist.

Das wirkt ähnlich wie eine Radarkontrolle im Verkehr: Allein das Wissen, dass sie existiert, beeinflusst das Verhalten.

Warum sollte ein Appell der Nationalbank etwas nützen?

Wenn die Nationalbank den Anlegern weltweit, die im Moment in den Franken flüchten, signalisiert: «Passt auf. Vielleicht erlebt ihr eine Überraschung, vielleicht führen wir Negativzinsen ein, vielleicht führen wir etwas ein, was zu Verlusten führen kann.» Dann liessen sich Anleger vom Kauf von Franken abhalten. Das wirkt ähnlich wie eine Radarkontrolle im Verkehr: Allein das Wissen, dass sie existiert, beeinflusst das Verhalten. Ich erwarte, dass die SNB auch signalisiert, dass sie im Notfall alle Massnahmen ergreift. Das hat der ehemalige SNB-Präsident Thomas Jordan diesbezüglich gut gemacht. Die neue Crew macht das nicht mehr, und das, finde ich, ist doch besorgniserregend.

Das Gespräch führte Karoline Arn.

Tagesgespräch, 3.2.2026, 13 Uhr ; 

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