Noch nie hatten Frauen in der Schweiz so wenig Kinder wie heute. 1.28 Kinder waren es 2025 noch. Noch vor fünf Jahren hatte die Geburtenrate bei 1.5 Kindern gelegen. Anders gesagt: In der Schweiz ist nur jede vierte Person zwischen 25 und 34 Jahren aktuell Mutter oder Vater.
Die Schweiz reiht sich in globalen Trend ein
Mit dem negativen Trend ist die Schweiz nicht allein: Die Geburtenraten sinken weltweit. In Europa erreicht kein einziges Land mehr eine Geburtenrate von 2.1 Kinder pro Frau. Diese wäre nötig, damit eine Bevölkerung stabil bleibt. Die historisch tiefe Geburtenrate führt dazu, dass die Schweiz bereits ab 2031 schrumpfen wird, hat der Lebensversicherer Swiss Life in einer neuen Studie berechnet.
Das habe Folgen für die Wirtschaft, sagt Studienautorin Nadia Myohl, Leiterin Research Vorsorge der Swiss Life. «Sinkende Geburtenraten in diesem Ausmass führen in absehbarer Zeit zu weniger Arbeitskräften, die in den Arbeitsmarkt eintreten. Das kann das Wirtschaftswachstum und die Innovation negativ beeinflussen. Die Altersvorsorge stellt es vor grosse Herausforderungen.»
Eltern versus kinderlose Paare
Die Analyse der Swiss Life zeigt unter anderem, dass Haushalte mit Kindern weniger zufrieden sind mit ihren Finanzen als kinderlose Paarhaushalte.
Vor allem das Sparen fürs Alter leidet: Rund die Hälfte der 18- bis 60-Jährigen gibt an, privat fürs Alter anzusparen sei mit Kindern schwierig. Das liegt auch daran, dass Haushalte mit Kindern im Durchschnitt ein tieferes Einkommen haben als solche ohne.
Denn insbesondere für Mütter hat eine Familie mit Kindern Folgen für das Erwerbsleben. In Familien mit Kindern gehen 25- bis 54-jährige Mütter rund 16 bis 22 Stunden einer bezahlten Arbeit nach – bei kinderlosen Müttern sind es mit 29 bis 32 Stunden deutlich mehr.
61 Prozent der Frauen geben in der Swiss-Life-Studie an, sich bewusst zu sein, dass Kinder zu schlechteren Berufsaussichten führen. Gleichzeitig glauben 35 Prozent der Befragten auch heute noch, dass es für Kleinkinder schlecht ist, wenn eine Mutter Vollzeit arbeitet – beim Vater sehen dies nur 16 Prozent so.
Eltern mit kleinen Kindern fühlen sich auch deutlich häufiger überbelastet (52 Prozent) als Kinderlose (36 Prozent). Das erstaunt wenig, leisten Haushalte mit Kindern doch deutlich mehr Arbeitsstunden pro Woche als kinderlose Haushalte, wenn man die unbezahlte Arbeit dazurechnet. Von dieser übernehmen Mütter den deutlich höheren Teil. Insgesamt allerdings verspüren Haushalte mit und ohne Kinder eine ähnliche Zufriedenheit mit ihrem Dasein, heisst es in der Swiss Life-Studie.
Kinderwunsch ist vorhanden
46 Prozent der befragten 18- bis 45-jährigen Kinderlosen wünschen sich Kinder. Nur 27 Prozent wollen keine. Für die Entscheidung für Kinder spielt die Qualität der Beziehung die wichtigste Rolle, gefolgt von der Betreuungssituation für die Kinder und der finanziellen Lage.
Als Gründe gegen Kinder werden als Hauptgründe genannt, dass man sich zu jung fühlt, noch keinen passenden Partner/keine passende Partnerin gefunden und zu wenig Geld angespart hat. Nicht selten wird im Alter aber bereut, dass keine Kinder da sind. «39 Prozent der Kinderlosen zwischen 46 und 60 Jahren sagen, dass sie gerne Kinder gehabt hätten», sagt Studienautorin Nadia Myohl von Swiss Life.