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Energieschock wegen Iran-Krieg Ölpreis über 100 Dollar – Mit Folgen für Schweizer Haushalte

Die ersten Länder stoppen die Ölproduktion. Der Anstieg von Ölpreis verteuert auch fossile Energien in der Schweiz. Die Börse reagiert nervös.

Öl- und Gastransporte bleiben blockiert: Die Ausgangslage ist klar: Letzte Woche drohte der Iran, Öltanker und Gas-Transportschiffe auf der Strasse von Hormus zu attackieren, seither ist die Meerenge faktisch geschlossen. Als Reaktion versprach US-Präsident Donald Trump, den Schiffstransport zu schützen. Kriegsschiffe würden die Öltanker begleiten und staatliche US-Versicherungen das Risiko abdecken. Dies hat den Ölpreisanstieg letzte Woche gedämpft. Nun zeigt sich: Der US-Präsident kann sein Versprechen nicht halten.

Kein Ende in Sicht: Mit jedem Tag, an dem die Strasse von Hormus gesperrt ist, steigen die Energiepreise. Der Iran hat die globalen Märkte im Würgegriff. Das Land hat inzwischen Modschtaba Chamenei, Sohn des getöteten Ajatollah Ali Chamenei, zum neuen Obersten Führer ernannt. Der neue Mann an der Spitze hat letzte Woche bei einem Angriff seine Eltern verloren, seine Ehefrau und einen Sohn. An den Rohstoffmärkten wird die Wahl als Signal interpretiert, dass sich das Land weiter gegen die Invasion aus den USA und Israel wehren wird.

Ölproduktion gestoppt: Der fehlende Transport stellt die Golfstaaten vor ein Problem. Sie haben zu wenige Kapazitäten, um das produzierte Öl zu speichern. Der Irak hat Speicherkapazitäten für nur sechs Tage, demzufolge hat das Land die Ölproduktion bereits gestoppt. Als nächstes könnte Kuwait folgen. Katar und Bahrain wiederum haben die Produktion von Gas gestoppt, weil die Anlagen angegriffen wurden.

Auswirkung auf den Ölpreis: Als Folge der weiteren Eskalation ist der Ölpreis am Montag im Handel von London auf bis zu 119 Dollar pro Fass gestiegen, der höchste Stand seit Sommer 2022. Erst nach Berichten, wonach die G7-Staaten ihre Ölreserven unter Leitung der Internationalen Energieagentur IEA in Wien anzapfen könnten, sank der Ölpreis im Verlauf des Tages wieder auf 100 Dollar. Das Öl ist aktuell 34 Prozent teuer als vor der dem Krieg.   

Folgen in der Schweiz: In der Schweiz wirkt sich das Geschehen im Mittleren Osten unmittelbar auf die Energiepreise aus. Das Heizöl ist je nach Anbieter in der Schweiz zwischen 30 und 40 Prozent teurer als noch vor dem Angriff der USA und Israel. Beim Anbieter Heizöl 24 ist der Referenzpreis auf über 130 Franken pro 100 Liter gestiegen. Auch das Gas wird teuer. Im europäischen Handel von Erdgas ist der Preis auf 62 Euro pro Megawattstunde geklettert, das ist eine Verdoppelung. Der Preisschub wird sich mittelfristig auf die Haushalte auswirken, in den Nebenkosten der Wohnung.

Wie stark steigt der Ölpreis noch? «Der Himmel ist das Limit», sagt Energieexperte Neil Atkinson gegenüber dem Nachrichtensender CNBC in Bezug auf die weitere Preisentwicklung. «Dass die Strasse von Hormus gesperrt ist, das haben wir in der Geschichte so noch nie gesehen.» Das sei beispiellos und unterscheide die aktuelle Situation von allen anderen bisherigen Energiekrisen, sagt Atkinson, der in früheren Jahren bei der IEA für den Bereich Öl zuständig gewesen ist.

Versorgung in der Schweiz

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Die Versorgung der Schweiz mit Mineralölprodukten ist nach Einschätzung des Bundes derzeit trotz der angespannten Lage im Nahen und Mittleren Osten gesichert. Der Markt verfüge international wie national über ausreichend Erdöl und Erdölprodukte, sagte ein Sprecher des Bundesamts für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL) der Nachrichtenagentur AWP.

Für den Fall von Versorgungsengpässen seien Massnahmen vorbereitet. So könnte der Bund Pflichtlager für Mineralölprodukte freigeben, erklärte der Sprecher weiter. Diese könnten den Bedarf der Schweiz für etwa drei bis viereinhalb Monate decken.

Zu den vorhandenen Vorräten zählen Autobenzin, Diesel- und Heizöl. Aber auch für Flugpetrol gibt es eine solche Reserve. Das BWL schloss dazu mit Firmen Pflichtlagerverträge ab.

 Solche Reserven wurden zuletzt im Oktober 2022 teilweise freigegeben, unter anderem wegen logistischer Probleme bei Rheintransporten. Damals war der Transport auf dem Rhein angesichts historisch tiefer Pegelstände schwierig geworden. Die entsprechende Verordnung lief im Oktober 2023 aus.

Turbulente Finanzmärkte: Der von den USA und Israel angezettelte Krieg schüttelt die Aktienmärkte durch. An der Schweizer Börse hat der Swiss Market Index heute zu Handelsbeginn vorübergehend bis zu drei Prozent verloren, im Verlauf des Tages hat sich das Geschehen mit einer Kurserholung allerdings etwas beruhigt. Innerhalb einer Woche hat der Index fast acht Prozent verloren.

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SRF 4 News, 9.3.2026, 16 Uhr; wilh

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