- Der Lebensmittelkonzern Nestlé hat eine grosse Rückrufaktion für Säuglingsnahrung gestartet.
- Betroffen sind Produkte der Marken Beba und Alfamino, die in mehreren Ländern, darunter in der Schweiz, Deutschland und Österreich, verkauft werden.
- Der Konzern ruft Eltern auf, die betroffenen Chargen nicht mehr zu verwenden und im Handel zurückzugeben.
Der Lebensmittelkonzern Nestlé hat in einer der grössten Rückrufaktionen seiner Firmengeschichte in mehreren Ländern Chargen von Säuglingsnahrung vorsorglich zurückgerufen. Sie könnten mit Gift belastet sein. Analysten sehen für den Konzern ein geringes Risiko.
Bislang sind keine Krankheitsfälle bekannt
Betroffen ist die bekannte Marke Beba, aber auch Spezialprodukte wie Alfamino. Eltern wurden aufgefordert, die Produkte aus bestimmten Chargen nicht mehr zu verwenden und zurückzugeben.
Der Rückruf zielt nach Unternehmensangaben auf Produkte, die unter anderem in der Schweiz, in Deutschland und Österreich verkauft wurden. Nestlé publizierte in den entsprechenden Ländern öffentliche Hinweise mit Listen der betroffenen Chargen. Krankheitsfälle in Zusammenhang mit dem Verzehr sind bislang nicht bekannt.
Der Rückruf der betroffenen Produkte erfolge nach umfassenden Testreihen in mehreren Nestlé-Märkten, teilte eine Firmensprecherin gegenüber der Nachrichtenagentur AWP auf Anfrage mit. Welche genau, dazu machte das Unternehmen keine Angaben.
Zwei Proben in Österreich verunreinigt
Laut österreichischen Behörden betrifft der Rückruf mehr als 800 Produkte aus über zehn Werken weltweit. Ursache sei ein technischer Reinigungsdefekt in einem Zulieferbetrieb. Dadurch sei es zu einer Verunreinigung eines Öls gekommen, das als Inhaltsstoff verwendet wird. Der hitzebeständige Giftstoff könne Übelkeit und Erbrechen auslösen, vermehre sich im Produkt jedoch nicht weiter.
In Österreich wurden den Angaben zufolge bei behördlichen Kontrollen in zwei Chargen geringe Mengen von Cereulid festgestellt. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums besteht aufgrund der sehr niedrigen Konzentrationen keine Gesundheitsgefährdung.
Das Auftreten von Cereulid in Ölen sei sehr ungewöhnlich, erklärte die Nestlé-Sprecherin. Der Konzern stehe in Kontakt mit seinem Lieferanten, um eine umfassende Ursachenanalyse durchzuführen.
Nestlé setzt auf alternative Lieferanten
Als Reaktion setzt Nestlé vorübergehend auf alternative Lieferanten. Zudem fährt der Konzern die Produktion in mehreren Werken hoch, um die Versorgung zu gewährleisten. Bereits über die Weihnachtsfeiertage hatte Nestlé einen stillen Rückruf durchgeführt und die betroffenen Produkte aus den Regalen entfernt.
Analysten sehen geringes Risiko
Analysten stuften den Vorfall in ersten Kommentaren nicht als gravierend ein. Das Ausmass des Vorfalls erkläre sich vor allem aus der globalen Produktions- und Vertriebsstruktur von Nestlé, nicht aus der Schwere des Risikos, schrieb die Helvetische Bank in einem Kommentar. Insgesamt wird der Vorfall als operativ bereinigt und aus Risiko-, Regulierungs- und Reputationssicht als beherrschbar eingeschätzt.