Fakt oder Fake News? Diese Frage beschäftigt Mats Schönauer täglich. Der Berliner Youtuber analysiert Kanäle, die Falschinformationen verbreiten – oft mit politischem Hintergrund. Früher seien dafür grosse Organisationen nötig gewesen, sagt er. Heute reiche eine einzelne Person.
Ein Beispiel: Ein KI-Moderator behauptet, Lidl verkaufe aus Rücksicht auf andere Religionen keine Osterhasen mehr, sondern «Sitzhasen» – eine Falschmeldung.
Zudem kursiert betrügerische Werbung auf Schweizer Websites. Prominenten werden mittels KI falsche Aussagen untergeschoben, um für dubiose Investitionsplattformen zu werben.
Irreführende Inhalte halten User auf den Plattformen
Doch nicht nur die Urheber solcher Inhalte profitieren. Auch die grossen Tech-Konzerne verdienen mit.
Social-Media-Anbieter haben nicht das Ziel, uns möglichst verlässlich zu informieren.
Angela Müller von Algorithm Watch sagt: «Social-Media-Anbieter haben nicht das Ziel, uns möglichst verlässlich zu informieren, sondern uns möglichst viel Werbung anzuzeigen.»
Algorithmen seien darauf optimiert, Nutzer möglichst lange auf der Plattform zu halten – auch mit irreführenden Inhalten.
«Strenge Richtlinien» bei Youtube
Die Zahlen sind gewaltig: Google erzielte 2024 alleine mit Youtube rund 36 Milliarden US-Dollar Werbeeinnahmen. Insgesamt nahm Google sogar 264 Milliarden ein. Täglich werden geschätzte 20 Millionen Videos auf Youtube hochgeladen.
Zwar entfernte Youtube in den ersten neun Monaten 2025 rund 32 Millionen Videos und 12 Millionen Kanäle. Die Hauptgründe: der Schutz von Kindern, Spam, irreführende Inhalte und Betrug. Das zeigt der Transparency-Report von Google.
Wegen Falschinformationen seien nur etwa 250'000 Kanäle entfernt worden. Youtube betont dennoch: «Da Fehlinformationen das Vertrauen unserer Nutzerinnen und Nutzer verletzen, sind unsere Richtlinien sehr streng.»
Meta: 10 Prozent der Werbeeinnahmen mit Fake News?
Meta nahm 2025 mit seinen Plattformen Facebook und Instagram, Whatsapp und Messenger rund 196 Milliarden Dollar an Werbegeldern ein. Laut einem internen Bericht stammen gemäss Reuters 2024 zehn Prozent von damals noch 162 Milliarden Dollar Werbeeinnahmen aus betrügerischen Inhalten, also über 16 Milliarden Dollar.
Meta relativiert auf Anfrage von SRF und schreibt, die Zahl sei eine zu weit gefasste Schätzung gewesen. «Eine spätere Überprüfung ergab, dass viele dieser Anzeigen nicht gegen Richtlinien verstiessen.»
Die Bewertung sei durchgeführt worden, um geplante Investitionen in die Integrität – auch in die Bekämpfung von Betrug und Scams – zu überprüfen, was man auch getan habe.
Doch Konzernchef Mark Zuckerberg kündigte Anfang 2025 an, externe Faktenchecker abzuschaffen. Neu sollen Nutzer selbst entscheiden, was falsch ist. Ziel sei es, «Fehler zu reduzieren» und die «freie Meinungsäusserung» zu stärken.
Mehr Regulierung oder Druck von genervten Konsumenten?
Für Angela Müller reicht das nicht. Sie fordert klare Regeln. In der Schweiz liege ein Gesetzesentwurf vor, der die Regulierung von Social Media und Suchmaschinen vorsieht. «Im Grundsatz geht es darum, dass die Plattformen Verantwortung übernehmen für die Risiken, die von ihnen ausgehen.»
Youtuber Mats Schönauer glaubt an ein Umdenken – aus Eigeninteresse: Wenn Nutzer der KI-Inhalte überdrüssig würden und weniger Zeit auf den Plattformen verbrächten, «kommt der Zeitpunkt, zu dem die Techkonzerne etwas dagegen unternehmen».