- Die Fusion des Zuger Rohstoffkonzerns Glencore mit dem Bergbaukonzern Rio Tinto ist abgesagt.
- Die Verhandlungen wurden abgebrochen, wie die beiden Unternehmen mitteilten.
- Man sei zum Schluss gekommen, dass keine Einigung erzielt werden könne, die für die Aktionäre einen Mehrwert bringen würde.
Laut der Mitteilung von Glencore wollte Rio Tinto den Posten des Präsidenten und des CEO in der fusionierten Gesellschaft übernehmen. Ausserdem habe man sich nicht auf die finanziellen Modalitäten verständigen können. Diese hätten dem Wertbeitrag von Glencore zum fusionierten Konzern nicht entsprochen.
Konkret seien der Wert des Kupfergeschäfts und dessen Wachstumsaussichten nicht angemessen bewertet worden. «Wir sind zum Schluss gekommen, dass die geplante Übernahme zu diesen Bedingungen nicht im besten Interesse der Glencore-Aktionäre ist», schreibt Glencore.
Antwort kurz vor Fristablauf
Die Fusionsgespräche waren am 8. Januar von beiden Unternehmen bestätigt worden. Das Takeover Panel in London hatte danach den Donnerstag, 5. Februar, als Stichtag bestimmt, an dem sich Rio Tinto als potenzieller Bieter für Glencore konkret äussern müsse.
Nach der Ankündigung der Absage sackten die Glencore-Aktien um mehr als zehn Prozent ab und notieren um 17:15 Uhr 8.1 Prozent im Minus. Aktien von Rio Tinto verloren gleichzeitig gut 4 Prozent an Wert.
Kupfergeschäft von Interesse
Glencore sieht sich auch ohne eine Fusion gut aufgestellt. «Wir sind mit einem breit diversifizierten Geschäft in einer Reihe von Rohstoffen vertreten», heisst es in der Mitteilung. Insbesondere gelte dies für den Kupferbereich: Man verfüge über ein sehr gutes Portfolio von Projekten. Glencore werde damit in den nächsten zehn Jahren von einem bedeutenden zu einem der weltweit grössten Produzenten des Industriemetalls.
Analysten sahen den Grund für das Interesse von Rio Tinto im Kupfergeschäft von Glencore. Rio Tinto ist neben Kupfer auf Eisenerz und Aluminium spezialisiert. Ein stärkerer Fokus auf Kupfer könnte mit der Ausrichtung von Rio Tinto auf «nachhaltige und zukunftsorientierte Metalle» übereinstimmen, hatte ein Experte bei der Ankündigung der Fusionsgespräche gemeint.
Grösse zählt
Die nun gescheiterte Fusion war nicht der erste Annäherungsversuch der beiden Konzerne. Bereits vor einem Jahr hatten die zwei Bergbaukonzerne Gespräche über einen Zusammenschluss geführt, die aber ebenfalls scheiterten. Eine Fusion hätte den weltgrössten Rohstoffkonzern mit einem Unternehmenswert von mehr als 260 Milliarden US-Dollar geschaffen.
Laut Beobachtern stieg damit der Druck in der Branche, über Zusammenschlüsse Grössenvorteile zu erreichen. Der Minenkonzern Anglo American übernahm im Herbst den Konzern Teck Resources. Zwischenzeitlich hatte zudem Konkurrent BHP Group Interesse an einer Übernahme von Anglo American gezeigt, war damit aber wiederholt gescheitert. Dies setzte Glencore und Rio Tinto laut Experten unter Zugzwang.