Handel mit Altpapier: Ökologisch fragwürdig

Jeder Schweizer sammelt jährlich 160 Kilogramm Altpapier. Das ergibt einen Berg von 1,3 Millionen Tonnen. Jetzt zeigen «Rundschau»-Recherchen: Fast die Hälfte wird ins Ausland gefahren. Gleichzeitig importiert die Branche riesige Mengen aus dem Ausland. Ein ökologisch fragwürdiger Kreislauf.

Handel mit Altpapier

8:01 min, aus Rundschau vom 28.8.2013

Die «Rundschau» hat den Weg von Schweizer Altpapier nachverfolgt: von der Sammelstelle in den Gemeinden bis zur Produktion von neuem Papier.

Dabei zeigt sich Erstaunliches: Altpapier reist nicht nur quer durch die Schweiz, sondern auch ins Ausland. Denn: Altpapier-Händler verkaufen dorthin, wo sie die besten Preise erhalten für alte Zeitungen und Magazine. Letztes Jahr wurden 540’000 Tonnen Altpapier von der Schweiz ins Ausland exportiert.

Papier fehlt in der Schweiz

Konsequenz: Ins Ausland exportiertes Altpapier fehlt in der Schweiz. Die Schweizer Papierfabrik Perlen muss rund die Hälfte des Altpapieres aus dem Ausland einkaufen und in die Schweiz fahren lassen, auch per Lastwagen. Insgesamt wurden im letzten Jahr 325‘000 Tonnen Altpapier in die Schweiz importiert.

Perlen-Geschäftsführer Klemens Gottstein sagt gegenüber der «Rundschau»: «Ökologisch ist der Import von Altpapier nicht sinnvoll. Denn die Schweiz könnte aus dem Inland den Bedarf an Altpapier selbst abdecken.»

Altpapier-Händler: «Rohstoff wie jeder andere»

Einer der grössten Schweizer Altpapier-Händler ist die Papirec AG aus Moudon (VD). Geschäftsführer Thomas Leu weist Kritik am Export von Altpapier von sich. Leu: «Altpapier wird international gehandelt. Das ist ein Rohstoff wie jeder andere auch.»

Mit anderen Worten: Der Preis bestimmt, ob Schweizer Altpapier innerhalb der Schweiz zu neuem Papier wird – oder ins Ausland gefahren wird.