Der Pharmazulieferer Lonza traut sich nach einem starken ersten Semester auch im Gesamtjahr eine bessere Profitabilität zu. SRF-Wirtschaftsredaktorin Lucia Theiler ordnet die Halbjahreszahlen des Konzerns ein.
Warum wächst Lonza so stark?
Lonza konzentriert sich auf Kunden aus der Pharma- und Biotech-Industrie und ist damit zum reinen Pharmazulieferer geworden. Früher war Lonza noch im Chemiegeschäft tätig, wo die Margen tiefer sind. Kürzlich hat Lonza nach längerer Suche einen Käufer gefunden für das Geschäft mit Kapseln und Nahrungsmitteln. Zudem hat Lonza seine internen Abläufe verbessert und sich effizienter aufgestellt, was sich positiv auf die Profitabilität auswirkt.
Wie ging es nach der Pandemie weiter?
Lonza zählte zu den «Corona-Gewinnern», weil der US-Hersteller Moderna bei Lonza die Wirkstoffe für den Impfstoff herstellen liess. Das brachte bis zu einer halben Milliarde Franken Umsatz. Moderna hat 2023 den Vertrag mit Lonza gekündigt. Lonza kann diesen Ausfall aber kompensieren, unter anderem mit Biologika. Rund die Hälfte des Umsatzes stammt von der Sparte «Integrated Biologics». Lonza investierte stark in diesen Bereich. So kaufte Lonza von Roche im kalifornischen Vacaville einen Standort. Vacaville sei eine der grössten Produktionsanlagen weltweit für biologische Arzneimittel.
Was bedeutet das Wachstum für die Schweizer Produktionsstandorte?
Visp ist immer noch der grösste und älteste Standort von Lonza. Der Standort hat eine strategische Bedeutung. Derzeit arbeiten 6000 Mitarbeitende am Standort, sogar noch mehr als während der Pandemie, als es rund 5000 waren. Lonza sucht noch immer händeringend nach Fachkräften. Rund 150 Stellen sind derzeit ausgeschrieben. In Visp produziert Lonza pharmazeutische Wirkstoffe, Biologika, hochwirksame Wirkstoffe sowie Antikörper-Wirkstoff-Konjugate, die zum Beispiel für Krebstherapien benötigt werden. Der «Lonza-Boom» hat aber eine Kehrseite: Visp als Dorf kommt an seine Grenzen. Angesprochen darauf sagte der Konzernchef, die Schweiz sei gut beraten, für Fachkräfte offen zu sein. Auch am Standort Stein investiert Lonza. So ist unter anderem eine weitere sterile Abfülllinie für Antikörper-Wirkstoff-Konjugate geplant, die 2030 in Betrieb gehen soll. Hauptsitz von Lonza ist Basel.
Zoff in der Chefetage – war da nicht was?
Ausgerechnet in den anspruchsvollen Corona-Jahren gab es Spannungen an der Spitze. Offenbar ging es um unterschiedliche Auffassungen bei der Mitarbeiterführung und der Kommunikation. Der frühere Verwaltungsratspräsident Albert Baehny übernahm gleich zweimal die operative Führung interimistisch, wobei es auch Kritik gab, er mische sich zu stark ein. Mit der Ernennung von Wolfgang Wienand zum CEO und Jean-Marc Huët zum neuen Verwaltungsratspräsidenten ist die Unternehmensführung seit 2024 in anderen Händen.
Welche Auswirkungen hat die Zollpolitik von US-Präsident Trump?
Lonza befürchtet keine direkten negativen Konsequenzen, obwohl Zölle generell lähmend wirken. Derzeit werden keine Zölle auf Medikamente erhoben. Doch selbst wenn, sieht sich Lonza nicht betroffen. Denn Lonza verfüge über Produktionsstandorte weltweit, auch in den USA, und beliefere seine Kundschaft, die Pharmafirmen, vor Ort. Auch von den soeben angekündigten Zöllen von 200 Prozent auf Generika ab 2028 sieht sich Lonza nicht betroffen, denn Generika-Hersteller gehören nicht zur Kernkundschaft. Weltweit verfügt Lonza über rund 30 Produktionsstandorte, davon rund ein Dutzend in den USA.