Zum Inhalt springen

Header

Zur Übersicht von Play SRF Audio-Übersicht

Im Aufwind Lonza wächst und wächst und wächst

Der Pharmazulieferer Lonza traut sich nach einem starken ersten Semester auch im Gesamtjahr eine bessere Profitabilität zu. SRF-Wirtschaftsredaktorin Lucia Theiler ordnet die Halbjahreszahlen des Konzerns ein.

Lucia Theiler

Wirtschaftsredaktorin

Personen-Box aufklappen Personen-Box zuklappen

Lucia Theiler arbeitet als Wirtschaftsredaktorin bei SRF. Zuvor war sie unter anderem Leiterin der Wirtschaftsredaktion der Nachrichtenagentur sda. Theiler hat Betriebswirtschaft studiert.

Hier finden Sie weitere Artikel von Lucia Theiler und Informationen zu ihrer Person.

Warum wächst Lonza so stark?

Lonza konzentriert sich auf Kunden aus der Pharma- und Biotech-Industrie und ist damit zum reinen Pharmazulieferer geworden. Früher war Lonza noch im Chemiegeschäft tätig, wo die Margen tiefer sind. Kürzlich hat Lonza nach längerer Suche einen Käufer gefunden für das Geschäft mit Kapseln und Nahrungsmitteln. Zudem hat Lonza seine internen Abläufe verbessert und sich effizienter aufgestellt, was sich positiv auf die Profitabilität auswirkt.

Gebäude mit moderner Architektur vor einer Berglandschaft.
Legende: Der Pharmazulieferer Lonza aus Visp (mit Sitz in Basel) brilliert 2026 mit robusten Halbjahreszahlen. Keystone / JEAN-CHRISTOPHE BOTT

Wie ging es nach der Pandemie weiter?

Lonza zählte zu den «Corona-Gewinnern», weil der US-Hersteller Moderna bei Lonza die Wirkstoffe für den Impfstoff herstellen liess. Das brachte bis zu einer halben Milliarde Franken Umsatz. Moderna hat 2023 den Vertrag mit Lonza gekündigt. Lonza kann diesen Ausfall aber kompensieren, unter anderem mit Biologika. Rund die Hälfte des Umsatzes stammt von der Sparte «Integrated Biologics». Lonza investierte stark in diesen Bereich. So kaufte Lonza von Roche im kalifornischen Vacaville einen Standort. Vacaville sei eine der grössten Produktionsanlagen weltweit für biologische Arzneimittel.

Was bedeutet das Wachstum für die Schweizer Produktionsstandorte?

Visp ist immer noch der grösste und älteste Standort von Lonza. Der Standort hat eine strategische Bedeutung. Derzeit arbeiten 6000 Mitarbeitende am Standort, sogar noch mehr als während der Pandemie, als es rund 5000 waren. Lonza sucht noch immer händeringend nach Fachkräften. Rund 150 Stellen sind derzeit ausgeschrieben. In Visp produziert Lonza pharmazeutische Wirkstoffe, Biologika, hochwirksame Wirkstoffe sowie Antikörper-Wirkstoff-Konjugate, die zum Beispiel für Krebstherapien benötigt werden. Der «Lonza-Boom» hat aber eine Kehrseite: Visp als Dorf kommt an seine Grenzen. Angesprochen darauf sagte der Konzernchef, die Schweiz sei gut beraten, für Fachkräfte offen zu sein. Auch am Standort Stein investiert Lonza. So ist unter anderem eine weitere sterile Abfülllinie für Antikörper-Wirkstoff-Konjugate geplant, die 2030 in Betrieb gehen soll. Hauptsitz von Lonza ist Basel.

Lonza schraubt Profitabilitätsziele nach oben

Box aufklappen Box zuklappen

Bereits in den ersten sechs Monaten hat Lonza bei der Profitabilität besser als erwartet abgeschnitten. Wie der Konzern mitteilte, kletterte die Kern-EBITDA-Marge (Marge bei Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) gegenüber dem ersten Halbjahr 2025 um 4.4 Prozentpunkte auf 34.8 Prozent. Das Kern-EBITDA erreichte einen Wert von 1.2 Milliarden Franken, ein Plus von etwas mehr als 27 Prozent.

Auch beim Umsatz legte Lonza in den ersten sechs Monaten weiter zu. Diesen bezifferte der Konzern am Morgen auf 3.37 Milliarden Franken, was einem Zuwachs von 16 Prozent entspricht.

Der Konzern habe eine anhaltende Dynamik bei den strategischen Outsourcing-Aktivitäten sowohl bei grossen Pharmaunternehmen als auch bei Biotech-Kunden verzeichnet. Zusätzlich sei dies durch den langfristigen Mehrwert einer Partnerschaft mit hochwertigen CDMOs (Vertragsherstellern und Fertigungsbetrieben im pharmazeutischen Bereich) mit breitem Leistungsangebot unterstützt worden.

Angesichts dieser Dynamik hat Lonza nun den Ausblick für die Kern-EBITDA-Marge nach oben angepasst. Neu erwartet der Konzern einen Wert von 33 bis 34 Prozent. Davor lautete die Zielvorgabe auf «über 32 Prozent». Beim Umsatz wiederum bleibt Lonza bei der bisherigen Vorgabe, dass dieser zu konstanten Wechselkursen um 11 bis 12 Prozent zulegen soll.

Zoff in der Chefetage – war da nicht was?

Ausgerechnet in den anspruchsvollen Corona-Jahren gab es Spannungen an der Spitze. Offenbar ging es um unterschiedliche Auffassungen bei der Mitarbeiterführung und der Kommunikation. Der frühere Verwaltungsratspräsident Albert Baehny übernahm gleich zweimal die operative Führung interimistisch, wobei es auch Kritik gab, er mische sich zu stark ein. Mit der Ernennung von Wolfgang Wienand zum CEO und Jean-Marc Huët zum neuen Ver­waltungs­rats­präsidenten ist die Unternehmensführung seit 2024 in anderen Händen.

Welche Auswirkungen hat die Zollpolitik von US-Präsident Trump?

Lonza befürchtet keine direkten negativen Konsequenzen, obwohl Zölle generell lähmend wirken. Derzeit werden keine Zölle auf Medikamente erhoben. Doch selbst wenn, sieht sich Lonza nicht betroffen. Denn Lonza verfüge über Produktionsstandorte weltweit, auch in den USA, und beliefere seine Kundschaft, die Pharmafirmen, vor Ort. Auch von den soeben angekündigten Zöllen von 200 Prozent auf Generika ab 2028 sieht sich Lonza nicht betroffen, denn Generika-Hersteller gehören nicht zur Kernkundschaft. Weltweit verfügt Lonza über rund 30 Produktionsstandorte, davon rund ein Dutzend in den USA.

Rendez-vous, 22.7.2026, 12:30 Uhr; bitd; wilh

Meistgelesene Artikel