Worum geht es? Die Handelsbilanz ist für US-Präsident Donald Trump das Mass aller Dinge. Diese misst, welchen Warenwert zwei Nationen miteinander austauschen. Länder, die mehr Güter in die USA exportieren als sie aus den USA importieren, straft Trump mit Zöllen ab. Die neusten Zahlen zeigen: 2025 steht die Schweiz – nach dieser Logik – noch schlechter da als im Vorjahr, welches Basis der zwischenzeitlichen 39-Prozent-Zollkeule war. Im vergangenen Jahr hat die Schweiz Güter im Wert von rund 104 Milliarden Franken in die USA exportiert, während sie rund 56 Milliarden Franken importiert hat – der Exportüberschuss betrug also 48 Milliarden Franken. 2024 war er mit 39 Milliarden Franken kleiner. Je nach Betrachtungsweise sieht das Bild aber anders aus. Das zeigen die neusten Zahlen des Bundesamts für Zoll und Grenzsicherheit.
Wie hat sich die Handelsbilanz entwickelt? Zuletzt hat sich das Verhältnis zwischen Import und Export ausgeglichen. In den Monaten Mai, Oktober und November hat die Schweiz sogar mehr aus den USA importiert als sie dorthin exportiert hat. Dass sich das Bild gedreht hat, erstaunt selbst Donald Trump. Am World Economic Forum vergangene Woche wies Bundespräsident Guy Parmelin darauf hin. «Wir haben einen Überschuss? Das ist sehr ungewöhnlich mit der Schweiz», entgegnete Trump.
Welche Rolle spielt das Gold? Es hängt unter anderem vom Gold ab, dass die Handelsbilanz zwischen der Schweiz und den USA derart schwankt. Die Schweiz fungiert als internationale Drehscheibe im Goldhandel – importiert Gold, schmelzt es in andere Barrengrössen um und exportiert es wieder. Anfang 2025 explodierten die Goldexporte in die USA – wofür Trump mitverantwortlich war. Aus Furcht, auf Gold würden Zölle verhängt, war die US-Nachfrage nach Gold vor einem Jahr hoch; entsprechend viel exportierte die Schweiz. Mittlerweile sind die Goldexporte stark zurückgegangen. Die Schweiz hat sogar mehr Gold importiert.
Glänzt die Bilanz ohne Gold? Lange wurde das Goldgeschäft an den Pranger gestellt und für den Handelsbilanzüberschuss mit den USA verantwortlich gemacht. Doch selbst wenn man dieses ausklammert, ändert sich kaum etwas an der Rechnung. Sie hat sich sogar – nach Trumps Logik – verschlechtert. Betrug der Exportüberschuss ohne Gold 2024 rund 39 Milliarden Franken, war er 2025 41 Milliarden Franken. In jedem Monat hat der Warenwert der Schweizer Exporte in die USA den der Importe deutlich übertroffen. In den letzten Monaten fielen chemische und pharmazeutische Produkte sowie Präzisionsinstrumente ins Gewicht. Dies kann sich jedoch jederzeit wieder ändern, zeigt die Vergangenheit. Je nach Auslegeordnung der Daten steht die Schweiz also ganz anders da im Handel mit den USA.