Ein Meilenstein: Swissmem und Swissmechanic standen bisher in Konkurrenz zueinander. Beide buhlten separat um Mitglieder, Firmen, die sich dem jeweiligen Verband anschliessen. Nun haben die Verbandsspitzen die Gräben überwunden und den Zusammenschluss angekündigt.
Reaktion auch auf die Weltpolitik: «Wir sehen, wie sich die Welt polarisiert», sagt Nicola Tettamanti, Präsident von Swissmechanic, gegenüber SRF. Dies bringe den Firmen neue Herausforderungen, deshalb müssten die Verbände enger zusammenarbeiten: «Die Welt teilt sich in unterschiedliche Blöcke auf und dies erfordert eine neue Interpretation der Arbeit von Wirtschaftsverbänden.»
Grösser und stärker: Beide Verbände vertreten die Interessen von Unternehmen aus der Maschinenindustrie, sowie der Elektrotechnik und der Metallverarbeitung (MEM-Industrie). Zusammengerechnet zählen die beiden Verbände über 2800 Mitgliederfirmen. In der Schweizer MEM-Industrie arbeiten mehr als 300'000 Personen. Der Zusammenschluss gibt der neuen Organisation ein grösseres Gewicht in wirtschaftspolitischen Fragen.
Nähe zu den Regionen: Von den beiden Verbänden ist Swissmem bekannter, weil sich die Verbandsspitze oft zu nationalen und internationalen Themen äussert und sich regelmässig in die nationale Politik einschaltet. «Auf nationaler Ebene ist Swissmem bereits gut aufgestellt», sagt Präsident Martin Hirzel. Die Fusion mit Swissmechanic bringe nun eine stärkere Verankerung in den Regionen: «Was wir mit dem Zusammenschluss besser nutzen können, ist der Zugang zu den kantonalen Behörden und Regierungen». Gerade, wenn es um die Bürokratie gehe, sei diese Zusammenarbeit wichtig.
Stärken verbinden: Tatsächlich ergänzen sich die beiden Verbände. Swissmem ist zwar national bekannt, aber in den Regionen schlecht vertreten. Swissmechanic andererseits ist ein Verband, der dezentral organisiert ist, mit insgesamt 14 Standorten. Der Verband ist eng mit den kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) verbunden und setzt einen Schwerpunkt im Bereich der Berufsbildung.
Erste Annäherung: Die beiden Verbände sind bereits in den vergangenen Monaten näher zusammengerückt, vor allem im Bereich der Bildung: Anfang des Jahres haben sie die Aktivitäten in der nationalen beruflichen Grundbildung zusammengelegt, die Verbände koordinieren die Berufsbildung. Es geht um acht technische Berufe, zum Beispiel Polymechaniker, Elektronikerin und Automatiker. In der Schweiz absolvieren pro Jahr fast 20'000 Lernende die Grundausbildung in der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie.
Neuer Name: Nach dem Zusammenschluss erhält der Verband einen neuen Namen, der Sitz kommt nach Zürich. Swissmem entscheidet über die Fusion an der Mitgliederversammlung im Juni, bei Swissmechanic folgt der Entscheid an der Delegiertenversammlung im Oktober. «Es ist ein Zusammenschluss auf Augenhöhe», so Swissmem-Präsident Martin Hirzel.
Schwierige Zeiten: Nach den Delegiertenversammlungen wartet auf den Verband ein schwieriges Umfeld. Die Zölle der USA sowie die Kriege und Handelskonflikte sind für die Betriebe eine Belastung. Die Umsätze und Bestellungen sind rückläufig. Und: Der Bedarf an Informationen hat zugenommen. Allein für die juristische Beratung führt Swissmem pro Woche mehr als 700 Telefonate mit den Mitgliedern, die Arbeit wird mit der Fusion nicht geringer.