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Iran-Krieg und die Folgen «Die Ölkrise von 1973 ist nicht mit heute vergleichbar»

Mit dem Iran-Krieg ist Öl deutlich teurer geworden. Das weckt Erinnerungen an die Ölkrise von 1973. Heute ist die Schweiz jedoch besser aufgestellt als damals.

Erdöl ist nicht unbegrenzt und günstig verfügbar. Diese Erfahrung musste die Schweiz erstmals im Herbst 1973 machen, als die arabischen Staaten ihre Ölproduktion drosselten. Die Länder taten dies als Reaktion auf den Jom-Kippur-Krieg zwischen Ägypten, Syrien und Israel. In der Folge wurde das Erdöl schlagartig teurer. Für die Schweiz war dieser Preisschock eine komplett neue Situation, betont Fredy Hasenmaile, Chefökonom von Raiffeisen: «Damals hat die Ölkrise die Schweiz völlig unvorbereitet getroffen».

Innerhalb weniger Monate brach die Schweizer Wirtschaft regelrecht ein. Das Bruttoinlandprodukt schrumpfte um sieben Prozent: «Sieben Prozent sind massiv», so Fredy Hasenmaile und ergänzt: «Wir hatten während Corona – als die Welt scheinbar stillzustehen schien – einen Rückgang von zwei Prozent.»

Der Fortschrittsglaube wird erschüttert

Nach Jahren des Wirtschaftswachstums stand die Schweiz mit der Ölkrise plötzlich vor einer neuen Ausgangslage. Der damalige FDP-Bundesrat und Wirtschaftsminister Ernst Brugger richtete deshalb im November 1973 mahnende Worte an die Bevölkerung: «In Zukunft wird es nötig sein, mit unserer Energie sparsamer als bisher umzugehen.»

Das waren neue Töne. Zu Beginn der 1970er-Jahre trieb hauptsächlich Öl die Schweiz an: Rund 80 Prozent des gesamten Energiebedarfs stammten damals aus fossilen Quellen. Entsprechend gross war auch die Abhängigkeit vom Ausland.

Wie Autos im Laufe der Zeit effizienter werden

Im Zuge der Ölkrise von 1973 rückten folglich neue Stichworte in den Vordergrund: Nun hiess es «sparen», «neue Energiequellen erforschen» oder «effizienter werden». Exemplarisch dafür standen das temporäre Sonntagsfahrverbot oder die Geschwindigkeits­begrenzungen auf den Autobahnen.

1973 und 2026 sind nur bedingt vergleichbar

Heute stehe die Schweiz an einem ganz anderen Ort, betont Fredy Hasenmaile, der in einer aktuellen Studie die Ölkrise mit der aktuellen Situation verglichen hat: «Die Schweiz ist heute viel weniger abhängig von Öl. Insofern sind die Auswirkungen überhaupt nicht mehr vergleichbar.» Derzeit rechnen er und sein Team mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung von 0.2 bis 0.5 Prozent aufgrund des Iran-Krieges.

Der wirtschaftliche Druck aufgrund der gestiegenen Ölpreise, technische Fortschritte, gesetzliche Vorgaben und finanzielle Anreize haben in den vergangenen Jahrzehnten dazu geführt, dass die Schweiz heute deutlich weniger Erdöl braucht als in den 1970er-Jahren.

Strom macht die Schweiz unabhängiger

Beispielhaft zeigt sich diese Entwicklung bei den Fahrzeugen: Strengere Abgasvorschriften und technologische Innovationen haben dazu geführt, dass Autos heute viel effizienter sind als ihre Vorgängermodelle.

Und mit den elektrischen Autos und Lastwagen werden Fahrzeuge künftig nochmals markant energieeffizienter. Gerade die Umstellung von Öl auf Strom trägt in der Schweiz viel dazu bei, dass der Anteil der fossilen Energie an der gesamten Energiemenge von einst 80 Prozent auf inzwischen noch 46 Prozent zurückgegangen ist.

Private Haushalte sind stark betroffen

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Preistafel einer Tankstelle mit Autos im Vordergrund.
Legende: Der Verkehr in der Schweiz ist immer noch stark abhängig vom Erdöl. Keystone / Gaëtan Bally

Gerade in der Industrie gab es in den vergangenen Jahrzehnten grosse Fortschritte. «Insbesondere unsere Industrie ist sehr viel energieeffizienter geworden», bilanziert Fredy Hasenmaile, Chefökonom bei Raiffeisen.

Anders sieht es hingegen bei den privaten Haushalten aus. Sie sind im Durchschnitt immer noch vergleichsweise stark vom Öl abhängig: «Die Haushalte und der Verkehr sind noch zu wenig energieeffizient, da bleiben noch Hausaufgaben.»

Allerdings sind im internationalen Vergleich etliche Länder deutlich weiter und haben sich in der Vergangenheit noch konsequenter vom Öl gelöst als die Schweiz, etwa die Niederlande, Norwegen oder Schweden. Entsprechend sind diese Länder jetzt noch weniger stark von den gestiegenen Ölpreisen betroffen als die Schweiz.

Echo der Zeit, 11.6.2026, 18 Uhr

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