An Walter Kunz, den Ombudsmann der Schweizer Reisebranche, werden derzeit dreimal mehr Anfragen gerichtet als in normalen Zeiten. Die meisten Anfragen betreffen Vorabklärungen für bevorstehende Reisen über Ostern oder in den Frühlingsferien.
Es geht einerseits um Reisen an Destinationen, die nun vom Krieg betroffen sind, etwa Israel oder Dubai, andererseits um Reisen mit Transit an einem Drehkreuz-Flughafen in einem vom Krieg betroffenen Land, etwa Dubai oder Abu Dhabi.
Wann Reisende ihr Geld zurückbekommen
«Die Reisenden bekommen das Geld zurück, wenn das EDA nach wie vor eine Reisewarnung aufrecht hält und der Veranstalter von seiner Seite die Leistungen nicht erbringen kann, beispielsweise weil der Flug nicht fliegt», erklärt Ombudsmann Kunz. Bei Transitpassagieren, die an einem betroffenen Drehkreuz umsteigen, sei die Situation aber nicht so einfach. «Das ist im Moment juristisch noch nicht geklärt», so Kunz. «Wenn jemand von Zürich über Dubai nach Australien fliegt, wenn er nur Transitpassagier ist, gilt die Reisewarnung dann für den Passagier oder nicht?» Hier besteht laut Kunz im Moment keine Rechtssicherheit.
Das EDA schreibt auf Anfrage dazu: «Die Reisehinweise des EDA können nicht auf spezifische Konstellationen wie den reinen Flughafentransit eingehen. Fluggesellschaften prüfen die Sicherheitsaspekte umfassend und nehmen diesbezüglich die Risikobeurteilungen vor.»
«Wenn der Kunde jetzt selbst annulliert, muss er die Kosten tragen»
Viele Reisende fragen sich vor allem im Hinblick auf die Frühlingsferien im April, ob sie eine Reise bereits jetzt stornieren sollen. «Wenn der Kunde jetzt selbst annulliert, dann muss er natürlich die Kosten tragen», gibt Kunz zu Bedenken. «Wenn er aber noch ein bisschen zuwartet, und die Reisewarnung des EDA ist immer noch in Kraft, dann kann er das Geld zurückfordern.»
Trotzdem beobachtet André Lüthi, Chef des Reiseunternehmens Globetrotter, dass nur wenige seiner Kundinnen und Kunden, die in den nächsten Wochen etwa über das Drehkreuz Dubai fliegen, in der Hoffnung auf eine kostenlose Stornierung abwarten. Denn wer abwarte, stehe später vielleicht vor einer anderen Herausforderung: «Dann ist das Problem: Finde ich dann noch einen Platz auf einer anderen Airline?», gibt Lüthi zu bedenken.
Informationen des Bundes für Reisende
Verunsicherung auch bei nicht direkt betroffenen Destinationen
Die Verunsicherung und auch die Zurückhaltung seien spürbar, so der Ombudsmann. «Wir bekommen heute auch Anfragen für Annullationen in Zypern und Ägypten, 2500 Kilometer entfernt vom Konfliktbereich. Solche Reisen können nicht kostenlos storniert werden», hält er fest.
Für Reisen, die in ein paar Monaten über Drehkreuze im Nahen Osten führen, stellt sich für viele Kundinnen und Kunden ebenfalls die Frage, wie sie vorgehen sollen. Für Lüthi ist klar: «Nächsten Monat würde ich mir echt überlegen: Reise ich über die Drehkreuze oder nicht?» Für die Zeit danach plädiert er jedoch für ein differenziertes Vorgehen. «Wir haben jetzt Anrufe von Leuten, die im Juni, Juli, August und im Oktober reisen. Da würde ich wirklich zuwarten. Wir wissen nicht, was in fünf, sechs Wochen ist auf diesem Planeten.»