Die Wall Street hat am Dienstag einen Schock erlebt: Fast 300 Milliarden Dollar an Marktwert wurden vernichtet. Betroffen sind vor allem Softwareunternehmen. Grund dafür ist eine neue KI-Anwendung von Anthropic, wie SRF Wirtschaftsredaktor Pascal Lago weiss.
Was genau hat Anthropic neu veröffentlicht?
Der US-Konzern betreibt bekanntlich die Künstliche Intelligenz namens Claude. Nun ist dazu ein neues Werkzeug – ein Plug-In für das Sprachmodell Claude Cowork – lanciert worden. Mit ihm sollen künftig juristische Arbeiten automatisiert werden können. Er soll rasch juristische Antworten in spezifischen Fällen geben können. Bis zu einem gewissen Grad soll der Chatroboter also Anwälte und Juristinnen ersetzen können.
Wie hat sich der Ausverkauf an der Börse abgespielt?
Es war eine eigentliche Kaskade: Zuerst brachen an der Wall Street die Aktienkurse von Unternehmen ein, die Software für Juristen herstellen. Danach jene von Unternehmen, die Software programmieren. Betroffen waren etwa Adobe oder Salesforce. Im weiteren Sinne betroffen sind etwa aber auch der Bezahldienst PayPal oder das Reiseunternehmen Expedia Group. Letztere betreibt Plattformen wie Trivago oder Hotels.com. Insgesamt wurden etwa 300 Milliarden Dollar an Börsenwert vernichtet.
Ist die Angst vor dem Potenzial der KI berechtigt?
Wie sich die neue Funktion von Claude etabliert, wird sich noch zeigen müssen. Auch andere Chatroboter oder KIs haben bereits ähnliche Funktionen in ihrem Repertoire. Weil aber Claude von Anthropic derzeit als einer der fähigsten Chatroboter gilt, haben die Märkte derart schnell und massiv reagiert. Claude hatte schon in den letzten Wochen mit anderen Innovationen für Furore gesorgt. Seine Vorteile: Mit ihm lässt sich vergleichsweise einfach neue Software programmieren, das macht ihn sehr benutzerfreundlich. Die Börsenverluste vom Dienstag zeigen aber vor allem eines: Die Aktienmärkte sind beim Thema Künstliche Intelligenz extrem nervös, weil niemand so genau weiss, wo das Ganze hinführen wird.