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Schweizer Bergwirtschaft Holz aus den Bergen: viel Potenzial, aber eine aufwendige Ernte

Die Holzwirtschaft ist der drittwichtigste Arbeitgeber im Schweizer Berggebiet. Doch die Arbeit mit dem Holz ist anspruchsvoll. Viele Betriebe in den Bergen brauchen ein zweites Standbein. So auch die Sägerei Kälin. Sie verarbeitet nicht nur Holz – sondern beheizt neu auch die Nachbarschaft.

Die Sägerei Kälin liegt im Euthal im Kanton Schwyz. Seit sechs Generationen produziert das Familienunternehmen Kisten und Paletten und verkauft diese an Unternehmen in der Region.

Schneebedeckte Landschaft mit Hügeln und Gebäuden im Vordergrund.
Legende: Die Sägerei Kälin im Euthal (SZ). Ihr Holz bezieht sie grösstenteils aus den Fichtenwäldern in der Umgebung. SRF/Jasmin Gut

Das Holz dafür wächst direkt vor der Haustür. Über 90 Prozent des Holzes, das die Sägerei einkauft und verarbeitet, stammen aus den umliegenden Fichtenwäldern.

Holz als gefragtes Gut

Doch trotz der Nähe zum Rohstoff ist der Zugang zum Holz im Euthal anspruchsvoll. Die Holzernte an den Berghängen ist aufwendig, und das gefällte Holz muss mit Kranen abgeseilt werden. Dieser Mehraufwand schlage sich auch im Preis nieder, so Kälin.

Mann in Sägewerk. Er trägt Kopfhörer.
Legende: Simon Kälin bei seiner Arbeit in der Familiensägerei. Im Vergleich zum Flachland ist die Holzernte in den Bergen aufwendiger und teurer. Schweizer Berghilfe/Alexandra Rozkosny

Hinzu kommt die allgemeine Preisentwicklung. Laut dem Holzmarktbericht Ostschweiz ist Holz so teuer wie seit mehr als zehn Jahren nicht mehr.

Das spürt auch Simon Kälin: «Uns bleibt oft nichts anderes übrig, als mit unserer Kundschaft zu sprechen, damit wir zumindest einen Teil der höheren Kosten weitergeben können.»

Nicht zu teuer, aber zu wenig

«Schweizer Holz mag ein bisschen teurer sein als importierte Ware», erklärt Michael Meuter vom Holzwirtschaftsverband Lignum. «Aber es ist vor allem eine Mengenfrage. Wir können in der Schweiz nicht so viel herstellen, wie wir brauchen.»

Jährlich würden in der Schweiz rund fünf Millionen Kubikmeter Holz geschlagen. Dabei läge deutlich mehr drin. «Eine Million Kubikmeter zusätzlich wären möglich, ohne den Wald zu übernutzen, und nötig, um die steigende Nachfrage nach Holz in der Schweiz zu befriedigen», so Meuter.

Karte der Schweiz mit Waldflächenverteilung nach Regionen.
Legende: Anteil Waldfläche pro Forstzone im Jahr 2023. Besonders der Jura und die Alpensüdseite sind in der Schweiz reich an Wald. BAFU / SRF

Doch dazu müsste vor allem im dicht bewaldeten Berggebiet mehr Holz geschlagen werden.

Abfallholz als zweites Standbein

Als Reaktion auf die Herausforderungen im Holzgeschäft hat Simon Kälin ein zweites Standbein aufgebaut. Im Betrieb wird neu nicht nur gesägt, sondern auch geheizt. Abfallholz aus der Sägerei wird in einer Fernwärmeanlage weiterverwertet.

Mann vor Fernwärmeanalage mit kleinem Fenster, wo das Feuer lodert.
Legende: Bei der Herstellung von Paletten und Kisten entsteht Abfallholz. Simon Kälin verwertet dieses in der neuen Fernwärmeanlage. Über zwanzig Häuser und insgesamt vierzig Wohnungen werden mit der Anlage beheizt. Ende 2027 sollen es doppelt so viele Haushalte sein. SRF/Jasmin Gut

Für Kälin ist das eine Win-win-Situation. «Früher habe ich das Abfallholz ohne Gewinn an die Industrie abgegeben. Heute bleibt die Wertschöpfung in der Region.»

Holz als wichtiger Arbeitgeber im Berggebiet

Nach Landwirtschaft und Tourismus ist die Holzwirtschaft der drittwichtigste Arbeitgeber im Schweizer Berggebiet. Von 100 Arbeitsplätzen befinden sich etwa zehn Prozent in der Holzbranche.

Laut Kilian Gasser von der Schweizer Berghilfe ist Kälins Fernwärmeprojekt ein Paradebeispiel dafür, wie Bergbetriebe ihre Einnahmen diversifizierten und dabei auf lokale Ressourcen setzten. Solche Projekte seien jedoch auch mit finanziellen Herausforderungen verbunden. «Im Vergleich zum Flachland haben Bergbetriebe oft längere Transportwege und höhere Produktionskosten», so Gasser.

Für viele Betriebe sei es eine Herausforderung, genügend Eigenkapital für Investitionen zu erwirtschaften. Die Stiftung unterstützt deshalb Projekte im Berggebiet wie das von Simon Kälin.

Beitrag zur Nachhaltigkeit

Über zwanzig Häuser werden derzeit mit der Fernwärmeanlage der Sägerei Kälin versorgt. Bis Ende 2027 sollen es doppelt so viele Haushalte sein, so Kälin.

Leitungen und Schaltmonitor einer Fernwärmeanlage.
Legende: Die Fernwärmeanlage der Sägerei Kälin ist seit Kurzem im Einsatz. Sie beheizt auch die Trocknungsanlage der Sägerei. SRF/Jasmin Gut

Finanziell rentiere sich die Anlage zwar noch nicht – doch leiste sie schon jetzt einen Beitrag zur Nachhaltigkeit, indem sie regionales Abfallholz lokal aufwerte. «Und das ist für mich am wichtigsten», so Kälin.

Echo der Zeit, 29.1.2026, 18:00 Uhr;brus

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