Die Sägerei Kälin liegt im Euthal im Kanton Schwyz. Seit sechs Generationen produziert das Familienunternehmen Kisten und Paletten und verkauft diese an Unternehmen in der Region.
Das Holz dafür wächst direkt vor der Haustür. Über 90 Prozent des Holzes, das die Sägerei einkauft und verarbeitet, stammen aus den umliegenden Fichtenwäldern.
Holz als gefragtes Gut
Doch trotz der Nähe zum Rohstoff ist der Zugang zum Holz im Euthal anspruchsvoll. Die Holzernte an den Berghängen ist aufwendig, und das gefällte Holz muss mit Kranen abgeseilt werden. Dieser Mehraufwand schlage sich auch im Preis nieder, so Kälin.
Hinzu kommt die allgemeine Preisentwicklung. Laut dem Holzmarktbericht Ostschweiz ist Holz so teuer wie seit mehr als zehn Jahren nicht mehr.
Das spürt auch Simon Kälin: «Uns bleibt oft nichts anderes übrig, als mit unserer Kundschaft zu sprechen, damit wir zumindest einen Teil der höheren Kosten weitergeben können.»
Nicht zu teuer, aber zu wenig
«Schweizer Holz mag ein bisschen teurer sein als importierte Ware», erklärt Michael Meuter vom Holzwirtschaftsverband Lignum. «Aber es ist vor allem eine Mengenfrage. Wir können in der Schweiz nicht so viel herstellen, wie wir brauchen.»
Jährlich würden in der Schweiz rund fünf Millionen Kubikmeter Holz geschlagen. Dabei läge deutlich mehr drin. «Eine Million Kubikmeter zusätzlich wären möglich, ohne den Wald zu übernutzen, und nötig, um die steigende Nachfrage nach Holz in der Schweiz zu befriedigen», so Meuter.
Doch dazu müsste vor allem im dicht bewaldeten Berggebiet mehr Holz geschlagen werden.
Abfallholz als zweites Standbein
Als Reaktion auf die Herausforderungen im Holzgeschäft hat Simon Kälin ein zweites Standbein aufgebaut. Im Betrieb wird neu nicht nur gesägt, sondern auch geheizt. Abfallholz aus der Sägerei wird in einer Fernwärmeanlage weiterverwertet.
Für Kälin ist das eine Win-win-Situation. «Früher habe ich das Abfallholz ohne Gewinn an die Industrie abgegeben. Heute bleibt die Wertschöpfung in der Region.»
Holz als wichtiger Arbeitgeber im Berggebiet
Nach Landwirtschaft und Tourismus ist die Holzwirtschaft der drittwichtigste Arbeitgeber im Schweizer Berggebiet. Von 100 Arbeitsplätzen befinden sich etwa zehn Prozent in der Holzbranche.
Laut Kilian Gasser von der Schweizer Berghilfe ist Kälins Fernwärmeprojekt ein Paradebeispiel dafür, wie Bergbetriebe ihre Einnahmen diversifizierten und dabei auf lokale Ressourcen setzten. Solche Projekte seien jedoch auch mit finanziellen Herausforderungen verbunden. «Im Vergleich zum Flachland haben Bergbetriebe oft längere Transportwege und höhere Produktionskosten», so Gasser.
Für viele Betriebe sei es eine Herausforderung, genügend Eigenkapital für Investitionen zu erwirtschaften. Die Stiftung unterstützt deshalb Projekte im Berggebiet wie das von Simon Kälin.
Beitrag zur Nachhaltigkeit
Über zwanzig Häuser werden derzeit mit der Fernwärmeanlage der Sägerei Kälin versorgt. Bis Ende 2027 sollen es doppelt so viele Haushalte sein, so Kälin.
Finanziell rentiere sich die Anlage zwar noch nicht – doch leiste sie schon jetzt einen Beitrag zur Nachhaltigkeit, indem sie regionales Abfallholz lokal aufwerte. «Und das ist für mich am wichtigsten», so Kälin.