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Schweizer Discounter Weniger Alkohol, mehr Gemüse: Denner will sich neu positionieren

Denner hat eine neue Verteilzentrale für gekühlte Produkte eröffnet. Es ist die dritte in der Schweiz. Die Zentrale steht auch für einen Imagewandel bei Denner: Der Schweizer Discounter will mehr auf Frischprodukte und weniger auf Alkohol setzen.

Der Schweizer Discounter Denner steht oft im Schatten der Grossen. Der Druck kommt von allen Seiten: Migros und Coop drängen mit Tiefpreisen und Eigenmarken in Denners Kerngeschäft. Die Discounter-Konkurrenz aus dem Ausland, Lidl und Aldi, setzt zunehmend auf Swissness, und bedrängt den Schweizer «Ur-Discounter» Denner.

Wie will sich Denner behaupten?

Eine Antwort auf diese Frage liefert die neue Denner Frische-Verteilzentrale in Mägenwil im Kanton Aargau. Das Signal ist klar: Vom Radieschen über Orangensaft, Aufbackbrot und Joghurt – Mägenwil soll den Schweizer Discounter frischer machen und gleichzeitig den Umsatz ankurbeln.

Vogelperspektive auf das neue Verteilzentrum in Mägenwil direkt an Zuggleisen. Dach ist mit Photovoltaik ausgestattet.
Legende: Die neue Verteilzentrale von Denner in Mägenwil. Rund 250 Denner-Standorte werden von hier aus mit Frischprodukten beliefert. Es ist schweizweit die erste gekühlte Verteilzentrale, die minergiezertifiziert ist. Denner

«Die Zeichen stehen auf Wachstum», betont Torsten Friedrich. Der frühere CEO von Lidl Schweiz ist seit einem Jahr Chef bei Denner. Friedrichs Ziele sind ambitioniert: zehn Prozent Marktanteil und über hundert neue Filialen soll es in den kommenden Jahren geben.

«Gipfeli ist günstiger als eine Flasche Wein»

Diese Ziele stehen im Kontrast zu den Umsatzzahlen der vergangenen fünf Jahre. Denner, der seit 2009 vollständig zur Migros-Gruppe gehört, konnte den Gewinn seit 2020 nur minim steigern.

Bei der Discounter-Konkurrenz aus dem Ausland sieht das anders aus. Lidl Schweiz verzeichnete im vergangenen Jahr laut eigenen Angaben ein Umsatzwachstum im zweistelligen Prozentbereich – genaue Zahlen veröffentlicht das Unternehmen nicht.

Laut Torsten Friedrich kein Grund zur Sorge. Denner stecke in einer Umbauphase: «Über 250 der rund 900 Filialen wurden bereits modernisiert.» Ausserdem baue Denner die Eigenmarkenprodukte aus, da die Kundschaft preisbewusster einkaufe.

Dennerfiliale mit Blick auf Gemüsesortiment.
Legende: Denner will in der Zukunft mehr auf Frischprodukte wie Gemüse und Früchte, aber auch Milchprodukte oder Brot setzen. Reuters / Arnd Wiegmann

Hinzu komme Denners strategischer Wandel hin zu mehr frischen Produkten. «Ein Gipfeli ist halt günstiger als eine Flasche Wein», so Friedrich.

Sinkender Alkoholkonsum

In der Schweiz wird deutlich weniger Alkohol getrunken. Das spürt auch Denner. Mit mehr als 300 Weinen setzt der Discounter aktuell auf ein breites Alkoholsortiment – ein Merkmal, das ihn von anderen Lebensmittelverteilern unterscheidet.

«Wir haben ein stark nachgefragtes Genussmittelsortiment und dieses soll auch ein wichtiger Bestandteil unseres Sortiments bleiben. Aber wir haben wesentlich mehr zu bieten», so Friedrich. Denners Antwort auf den rückläufigen Konsum von Alkoholika sei der Ausbau bei Frischprodukten.

Im Gegensatz zu Supermärkten haben Discounter ein deutlich kleineres Sortiment. Das ist auch bei Denner der Fall, der rund 3700 Artikel führt. Das bedeutet unweigerlich: wenn ein Bereich ausgebaut wird, müssen andere zurückstecken.

Rund neun Andockstationen für Lastwagen auf der linken Seite. Im Hintergrund: ein Lastwagen mit Denner-Schriftzug.
Legende: Mägenwil ist die dritte Denner-Verteilzentrale für gekühlte Produkte. Mit dem neuen Standort werden Denner zufolge 70 neue Arbeitsplätze geschaffen. Denner

Denner orientiere sich in seinem Angebot stark an den Kundenbedürfnissen, so Friedrich. Der Trend gehe klar zu mehr Frische, weniger Alkohol sowie kleinere, aber häufigeren Einkäufe. Mit fast 900 Filialen – viele nur wenige Gehminuten von der Kundschaft entfernt – sei Denner gut aufgestellt.

Ob das für weiteres Wachstum reicht, bleibt ungewiss. Denn der Markt ist hart umkämpft. Und die neue Verteilzentrale in Mägenwil zeigt: Der Wettbewerb entscheidet sich längst nicht mehr nur über den Preis, sondern auch über das Angebot an frischen Produkten.

Rendez-vous, 10.2.2026, 12:30 Uhr;weds

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