Sie haben alles gegeben und doch hat es nicht gereicht: Chefköchin Karina Fruman und ihr Assistent Niklas Erb landeten diese Woche bei der Europaausscheidung des renommierten Kochwettbewerbs «Bocuse d'Or» auf dem 15. Platz. Um an der Weltausscheidung kommendes Jahr in Lyon dabei sein zu können, hätte das Schweizer Team unter den ersten zehn sein müssen.
Zum Kochen kam Karina Fruman zufällig: Sie wollte Grafikerin werden, eine Lehrstelle hatte sie bereits. Doch ihre Grossmutter, selbst Köchin, überzeugte sie, in einer Restaurantküche schnuppern zu gehen. Es gefiel Karina Fruman auf Anhieb: «Die Kreativität, die Zusammenarbeit im Team, die Gäste zufriedenstellen – das macht mich glücklich.»
Start in der Armeeküche
Ihre Lehre absolvierte sie in der Küche des Waffenplatzes Jassbach in der Nähe von Thun. Ihrem Lehrmeister Yves Kläy fielen ihr Potenzial und ihre Leidenschaft sofort auf: «Es gab ein, zwei Momente, in denen sie mir sagte, was sie gerne machen möchte. Da musste ich erst einmal nachschauen, was das genau ist, als sie das Büro verliess.» Einfach war die Lehrzeit nicht, denn Karina Fruman merkte, dass sie an Allergien litt.
Ich habe Bauchweh gehabt, mir wurde schlecht und ich bin zum Teil fast bewusstlos geworden.
Sie verträgt weder Gluten noch Soja und reagiert mit heftigen Symptomen: «Ich habe Bauchweh gehabt, mir wurde schlecht, und ich verlor fast das Bewusstsein.» Immer wieder fiel sie aus. Die Konsequenz war, dass sie das erste Lehrjahr wiederholen musste. Längst hat sie gelernt, mit den Allergien umzugehen und sie konstruktiv zu nutzen: Sie bietet Kochkurse für Betroffene an.
Wettbewerb spornt sie an
Vergangenes Jahr gewann Karina Fruman als erste Frau die Schweizer Ausscheidung für den «Bocuse d'Or»-Wettbewerb. Weil sie gerne das Maximum aus einer Situation hole, sei das genau das Richtige für sie: «Der ‹Bocuse d’Or› ist wirklich das Wimbledon der Köche, und ich liebe Challenges.» Auch teilzunehmen als Allergiebetroffene und als erste Frau die Schweiz in Marseille zu vertreten, das spornte sie an.
Der Weg zum «Bocuse d'Or»-Wettbewerb
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Bild 1 von 8. Schon als Kind machte es Karina Fruman Spass, in der Küche zu helfen. Bildquelle: Roni Fruman.
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Bild 2 von 8. Karina Fruman testet eine Glacé mit Flüssigstickstoff. Bildquelle: Simon Grimbichler.
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Bild 3 von 8. Karina Fruman und Niklas Erb richten am «Bocuse d'Or»-Wettbewerb in Marseille ihr erstes Gericht an, das sie in knapp fünf Stunden zubereitet haben. Bildquelle: Simon Grimbichler.
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Bild 4 von 8. Niklas Erb und Karina Fruman richten ihre Platte für die Jury an – eines von zwei Gerichten, das sie in fünfeinhalb Stunden zubereiten mussten. Bildquelle: Simon Grimbichler.
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Bild 5 von 8. Das Schweizer «Bocuse d'Or»-Team in Marseille 2026: Coach Jean-Michel Martin, Assistent Niklas Erb, Chefköchin Karin Fruman und Christoph Hunziker, Schweizer Juror. Bildquelle: GL Event.
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Bild 6 von 8. Die Schweizer Fans legen sich für das Team Schweiz am «Bocuse d'Or»-Wettbewerb 2026 ins Zeug. Bildquelle: Simon Grimbichler.
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Bild 7 von 8. 2025 gewann Karina Fruman die Schweizer Ausscheidung des «Bocuse d'Or»-Wettbewerbs in Vitznau. Bildquelle: Rolf Nesser.
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Bild 8 von 8. Am Gastro-Elitewettbewerb 2019 gehörte Karina Fruman zum Siegerteam «Armee». Bildquelle: HGZ.
Am «Bocuse d'Or» ist es nicht das erste Mal, dass sich Karina Fruman mit anderen misst. 2019 gehörte sie am Gastro-Elitewettbewerb zum Siegerteam «Armee», und 2022 gewann sie als Team-Captain der Schweizer Junioren-Kochnationalmannschaft beim Culinary World Cup 2022 in Luxemburg den Weltmeistertitel.
Ohne Team geht nichts
Den «Bocuse d'Or»-Wettbewerb in Marseille trat sie zusammen mit Niklas Erb an. Mit seinen 17 Jahren war er der jüngste Assistent. Niklas Erb absolviert am selben Ort seine Lehre wie Karina Fruman: in der Küche des Waffenplatzes Jassbach. Hinter den beiden stand ein ganzes Team junger engagierter Köche und Köchinnen, die in den letzten Monaten ihre Freizeit für die Vorbereitungen zum «Bocuse d'Or»-Wettbewerb hergegeben habe. Während Karina Fruman und Niklas Erb wie Spitzensportler unter Wettbewerbsbedingungen trainiert haben, hielt das Team ihnen den Rücken frei.
Wichtig war auch Coach Jean-Michel Martin. Er ist oberster Verantwortlicher für Verpflegung der Schweizer Armee und engagiert sich seit zwanzig Jahren bei «Bocuse d'Or». Am Wettbewerb musste er vor allem darauf achten, dass Karina Fruman und Niklas Erb die Zeit einhielten.
Diesmal hat es für ein Weiterkommen nicht gereicht – die Konkurrenz war zu stark. Doch Karina Fruman wird sich sicher schon bald wieder eine neue Herausforderung suchen.