Es ist kurz nach 6 Uhr am Autobahnabschnitt zwischen Härkingen und Luterbach. Die Sonne drückt. Der Verkehr rollt. Es ist schon über 20 Grad. Und die Arbeiten an der dritten Autobahnbrücke über die Aare sind bereits frühmorgens in vollem Gange.
Nach dem Mittag fällt die Leistung langsam ab.
Die Schicht beginnt für die Bauarbeiter wegen der Hitze eine Stunde früher als sonst – um 6 statt um 7 Uhr. Dafür ist eine Stunde früher Schluss. Doch das ist nicht alles: Auch 15-minütige Pausen jede Stunde, Kühlwesten, Nackenschutz und Sonnencreme sollen Abhilfe schaffen.
Hitze drückt auf die Produktivität
Der frühere Arbeitsbeginn auf Baustellen sei primär eine Massnahme zur Entlastung der Bauarbeiter, sagt Chefpolier Willi Schillig. Doch der Schritt ist auch im Interesse der Baufirmen: «Nach dem Mittag fällt die Leistung langsam ab», sagt Schillig.
Tatsächlich sinkt die Arbeitsproduktivität gemäss einer Studie der Allianz ab 30 Grad pro zusätzliches Grad um rund drei Prozent – und das sind Zahlen für die gesamte Wirtschaft. Auf dem Bau dürfte der Produktivitätsabfall angesichts von körperlicher Anstrengung und direkter Sonneneinstrahlung deutlich höher sein.
Mehr Flexibilität bei den Arbeitszeiten ist sicherlich die einfachste und schnellste Stellschraube.
Hirka Kurjakovic, Co-Autorin der Allianz-Studie, sagt bezüglich möglicher Massnahmen der Arbeitgeber denn auch: «Mehr Flexibilität bei den Arbeitszeiten ist sicherlich die einfachste und schnellste Stellschraube.»
Gewerkschaften fordern Arbeitsniederlegung
Die Arbeit früher zu beginnen, sei ein valabler Ansatz, sagt Guido Schluep von der Gewerkschaft Syna. Allerdings gehe das nur bei Baustellen ausserhalb von Wohnzonen: «Wenn der Nachbar reklamiert, die Nachtruhe gehe bis 7 Uhr, gibt es ein Problem.»
Baustellen sollten ab 33 Grad geschlossen werden.
Schluep fordert deshalb mehr: «Baustellen sollten ab 33 Grad geschlossen werden.» Doch geht das einfach so? Der Branchenverband Infra Suisse verneint. Der Schutz der Mitarbeitenden stehe an höchster Stelle. Doch gleichzeitig müsse man den Zeitplan für die Baustellen einhalten. «Diesen geben nicht die Baufirmen vor, wir sind an Verträge gebunden», sagt Geschäftsführer Adrian Dinkelmann.
Verzögerungen gehen ins Geld
Verspätungen auf Baustellen sind teuer. Bereits bei wenigen Tagen Verzug müssen Baufirmen Zehntausende Franken Konventionalstrafe zahlen. Chefbauleiter Oliver Leuenberger spricht von Summen, die man «nicht einfach so wegstecken kann».
So weit ist es bei der Grossbaustelle zwischen Härkingen und Luterbach aber trotz andauernder Hitzewelle nicht. Der Ausbau der A1 auf sechs Spuren ist im Zeitplan. Und es fällt auf: So richtig jammern über die Hitze will hier niemand.