Der Streit zwischen Tech-Milliardär Elon Musk und OpenAI ist entschieden: Es steht 1 zu 0 für OpenAI-Chef Sam Altman. Ein Gericht hat Musks Klage gegen OpenAI abgewiesen. Zumindest vorerst, denn Musk will das Urteil weiterziehen. Die beiden Tech-Milliardäre werfen sich gegenseitig vor, ihr – ursprünglich gemeinsames – Ideal verraten zu haben: die KI als nicht gewinnorientierte, gemeinnützige Technologie.
Die Klage lanciert einen Kampf um die Vorherrschaft im KI-Business. War eine gemeinnützige Organisation die richtige Unternehmensform? Einordnung einer IT-Ethikerin.
SRF News: War es eine Illusion, eine solche Firma im milliardenschweren Tech-Business als gemeinnützige Organisation führen zu wollen?
Judith Simon: Es ist zumindest ein schwieriges Vorhaben. Denn all die Investoren wollen natürlich ihr Geld irgendwann wiedersehen. Und irgendwo muss das Geld ja herkommen, das in die Entwicklung gesteckt wurde. Die KI ist eine derart wirkmächtige Technologie, dass es viele Möglichkeiten gibt, damit Geld zu verdienen.
Die Anbieter wollen die Nutzer möglichst lange auf ihren Plattformen halten, um möglichst viele Daten zu sammeln.
Das funktioniert über Abos und vor allem über das Sammeln von Nutzerdaten. Die Anbieter wollen die Nutzer darum möglichst lange auf ihren Plattformen halten, um möglichst viele Daten zu sammeln. In den USA hat OpenAI bereits begonnen, Werbung in den Chatbots einzuspielen.
Macht es für Nutzende einen Unterschied, ob die KI gewinnorientiert ist oder auf Non-Profit-Basis funktioniert?
Das macht einen Riesenunterschied. Diese Systeme sind dann so designt, dass sie zur exzessiven Nutzung anreizen, uns umschmeicheln und umwerben, damit man möglichst lange bleibt. Und da die KI für uns längst nicht mehr nur Informationsquelle ist, sondern zur Gesprächspartnerin geworden ist, die suggeriert, uns zu verstehen, sind wir da sehr viel verwundbarer. Die KI kennt unsere Schwachpunkte und weiss vielleicht Sachen über uns, die wir gar nicht kommunizieren wollten.
Kann sich die KI-Branche selbst regulieren?
Darauf zu hoffen, dass die KI-Anbieter sich selbst beschneiden, ist komplett illusorisch. Sie sind gewinnorientiert, und das ist auch ihr Recht. Umso mehr müssen wir uns aber bewusst sein, dass hinter einer KI immer ein Geschäftsmodell steckt.
Eine Regulierung müsste klar von aussen kommen, wenn man dieses massive Datensammeln verhindern will.
Da ist es egal, ob wir nun vom einen oder vom anderen profitorientierten KI-Unternehmen sprechen. Eine Regulierung müsste klar von aussen kommen, wenn man dieses massive Datensammeln verhindern will. Da müsste der Gesetzgeber einschreiten und Auswüchse verhindern.
Was kann man gegen das Datensammeln von KI tun?
In Europa gibt es den Digital Services Act, die KI-Grundverordnung oder den Digital Fairness Act. Europäische Lösungen sind da sinnvoll, weil es ein grösserer Markt ist und der Hebel gegenüber den Unternehmen entsprechend länger – den sollte man nutzen.
Ist die Macht in der KI-Branche einfach auf zu wenige Personen verteilt?
Absolut. Es wäre wichtig, dass mehr dezentrale, auch Open-Source-Lösungen, geschaffen würden. Damit wären wir nicht so abhängig von einigen wenigen Anbietern. Diese Marktmacht sollten wir zu verhindern versuchen. Auch Nutzerinnen und Nutzer könnten sich überlegen, ob sie vielleicht dezentrale, lokal gehostete KI-Sprachmodelle nutzen, statt immer zu den grossen Anbietern zu gehen. Viele Unternehmen oder auch Universitäten haben lokale Sprachmodelle. Und natürlich kann man sich auch mal überlegen, ob man die KI wirklich für alles, wofür man sie nutzt, auch wirklich braucht.
Das Gespräch führte Raphael Günther.