Teilzeit-Arbeit behindert Karriere

Wer nicht Vollzeit arbeitet, hat es schwerer, im Beruf Karriere zu machen – egal ob Frau oder Mann. Zu diesem Schluss kommt eine neue Studie einer St. Galler Management-Professorin. Doch wenn der Wille vorhanden wäre, ginge es auch anders.

Eine Frau mit blonden Haaren lacht und spricht. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Drei Kinder grossgezogen und trotzdem Karriere gemacht: Ikea-Chefin Simona Scarpaleggia. Advance

Die Sankt Galler Management-Professorin Gudrun Sander hat mehr als tausend Führungskräfte in Schweizer Unternehmen danach befragt, was Karrieren behindert. Sie sagt: «Was dabei wirklich eine Rolle spielt, ist Vollzeit oder Teilzeit.» Kaum Einfluss auf die Karrierechancen hätten dagegen Geschlecht, Mutterschaftsurlaub oder flexible Arbeitszeitmodelle.

Vollzeit praktisch ein Muss

Fast alle Führungskräfte würden Vollzeit arbeiten und darüber hinaus noch Überstunden leisten. Dasselbe werde auch von den karrierewilligen Untergebenen erwartet, so Sander weiter. Dies führe dazu, dass Teilzeit-Angestellte «signifikant schlechtere Leistungs- und Potenzial-Beurteilungen bekommen». Damit würden auch deren Aufstiegs- und Beförderungschancen schwinden.

Doch auch die Frauen müssten selber mehr dafür tun, um ihre Karriere-Chancen zu verbessern. Sander empfiehlt den Frauen, sich nicht in «typische Marketing und HR-Jobs» abdrängen zu lassen. Sie müssten versuchen, in wichtigen Projekten sichtbar zu bleiben, um sich zu profilieren und für höhere Aufgaben zu empfehlen.

Chefposten teilen

Sanders Studie wurde an einem Anlass von Advance vorgestellt, einem Zusammenschluss von Unternehmen, welcher sich für mehr Vielfalt auf den Führungsetagen engagiert. Präsidentin von Advance ist Simona Scarpaleggia, Chefin von Ikea Schweiz.

In ihrem Unternehmen gebe es heute schon Führungskräfte, die Teilzeit arbeiteten. Es seien Frauen und Männer dabei, einige würden sich einen Chefposten teilen. Andere arbeiteten nur 80 Prozent und trügen dennoch Führungsverantwortung.

Firmen können Talente behalten

Zwar müsse man sich gut organisieren, was am Anfang mehr Aufwand bedeute. Aber dafür könne das Unternehmen die Talente behalten. «Wir möchten alle Unternehmen dazu ermuntern, das zu versuchen», sagt Scarpaleggia.

Sie selber hat drei Kinder grossgezogen und trotzdem Karriere gemacht. Allerdings habe sie selber nie Teilzeit gearbeitet. Als sie jünger gewesen sei und die Kinder noch klein waren, da habe es das Model Kinder und Küche und Karriere noch nicht gegeben.