Tiefe Renditen: Pensionskassen werden erfinderisch

Die Schweizer Pensionskassen blicken auf ein durchwachsenes Anlagejahr zurück. Die erzielten Renditen lagen mehrheitlich unter dem vom Bundesrat festgelegten Minimum von 1,75 Prozent. Credit Suisse und PWC gehen deshalb neue Wege.

Ein Schild an der Bahnhofstrasse: «Credit Suisse Cash Service», im Hintergrund zwei Frauen und eine Schweizer Fahne. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Im harten wirtschaftlichen Umfeld suchen Pensionskassen nach alternativen Finanzierungsmodellen. Reuters

Die Pensionskassen kämpfen gleich an zwei Fronten: Einerseits leben wir immer länger, das führt zu Finanzierungsproblemen bei den Renten. Andererseits ist es mit den aktuell rekordtiefen Zinsen praktisch unmöglich, mit dem Alterskapital die nötigen Renditen zu erwirtschaften. Neulich hat deshalb beispielsweise die Pensionskasse der Credit Suisse angekündigt, die Leistungen zu senken.

Das tun auch andere Kassen. Dabei fällt auf: Da und dort werden inzwischen auch Massnahmen ergriffen, die bis anhin Tabu waren. Hanspeter Konrad vom Pensionskassenverband ASIP stellt seiner Branche zwar ein gutes Zeugnis aus: «Der Gesundheitszustand der Pensionskassen ist nach wie vor zufriedenstellend.»

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Schlechte Performance

Die Medianrendite der Schweizer Pensionskassen betrug 2015 nur 0,7 Prozent. Laut dem Branchenverband ASIP lag die Anlageperformance damit klar unter den 1,75 Prozent, die der Bundesrat festgelegt hat. Für 2016 hat die Regierung die Mindestverzinsung auf 1,25 Prozent gesenkt.

Dennoch sei das positive Fazit aus der Vergangenheit letztlich ein schlechter Gradmesser für die Zukunft. «Die Pensionskassen können die Augen vor der Realität nicht verschliessen.» Konrad überrascht es deshalb nicht, dass zahlreichen Pensionskassen der grossen Schweizer Unternehmen inzwischen reagiert haben.

Tieferer Umwandlungssatz, weniger Rente

So werden allzu luxuriöse Vorsorgeregimes korrigiert. Verschiedene Kassen haben bereits den Umwandlungssatz gesenkt, teilweise sogar deutlich. Nach diesem Satz richtet sich die Höhe der Rente: Je tiefer der Satz, desto kleiner fällt die Rente aus.

Beispielsweise die CS oder die Vorsorgeeinrichtung der Angestellten des Kantons Zürich, die BVK, kalkulieren mittlerweile mit einem Umwandlungssatz von unter fünf Prozent. Das ist enorm tief und bedeutet: 100'000 Franken an angespartem Alterskapital ergeben eine Jahresrente von nicht einmal mehr 5000 Franken.

Der Umwandlungssatz ist das Eine. Vorsorgespezialist Peter Zanella vom Unternehmensberater TowersWatson hat beim angekündigten Leistungsabbau der CS-Pensionskasse aber etwas anderes stutzig gemacht. So will die CS die Höhe der maximal möglichen Altersrente begrenzen. Das heisst, ein CS-Angestellter, der in Pension geht, kann nur einen Teil seines Alterskapitals in eine Rente umwandeln.

Anlagerisiken auf Versicherte abgewälzt

Den Rest muss die Person als Kapital beziehen. «Für Höherverdienende kommt da sicher ein stattliches Alterskapital zustande», sagt Zanella. «Das kann er dann aber nicht alles in eine Rente umwandeln, sondern er muss es als Kapital beziehen. Die Risiken, wie er dieses Kapital anlegen will oder muss, hat er dann selber.»

Dass Pensionskassen so einen Teil des Anlagerisikos und des Risikos, dass wir alle immer älter werden und immer länger Rente beziehen, auf die Versicherten abwälzen, sei selten, sagt Zanella. Er hat bei TowersWatson die Pensionskassen der 30 grössten Schweizer Konzerne miteinander verglichen.

Das Beispiel der CS könnte seines Erachtens aber Schule machen: «Es könnte sein, dass von der CS eine gewisse Vorreiterrolle gespielt wird.» Dies könnte eine grosse Auswirkung auf das allgemeine Rentenniveau in der Schweiz haben.

Auch bei ASIP beäugt man den Plan der CS kritisch. Laut Konrad widerspricht das Vorhaben, Kapital statt Rente auszuzahlen, der Idee der Altersvorsorge: «Im Vordergrund sollte immer die Rente stehen. Es geht um ein Ersatzeinkommen nach der Pensionierung. Dieses Ersatzeinkommen wird über die Rente sichergestellt.»

PWC will variable Rentenhöhe einführen

Die Pensionskasse des Beratungsunternehmens PWC möchte die Finanzierungsprobleme auf einem anderen Weg in den Griff bekommen – sie tastet die Altrenten an. Künftig soll nur noch ein Teil der Rente garantiert sein, der Rest soll variabel sein und von den Anlageerträgen und der Lebenserwartung abhängen.

Pensionskassen brechen zunehmend Tabus

7:04 min, aus Echo der Zeit vom 16.02.2016

Altrenten, die bisher sakrosankt waren, antasten: Damit bricht PWC ein Tabu. Frage an PK-Geschäftsführer Josef Bachmann: Ist das gerechtfertigt? «Gegenfrage: Man müsste auch überlegen, ob es überhaupt rechtens und korrekt ist, was man jetzt macht, dass man die alten Renten auf Kosten der jüngeren Rentner finanziert.» Juristisch ist umstritten, ob Altrenten flexibilisiert und allenfalls auch gesenkt werden dürfen. PWC lässt das deshalb derzeit vom Bundesverwaltungsgericht prüfen.

«  Die Rentenzahlung soll kostenneutral sein, das ist unser Ziel. »

Josef Bachmann
Geschäftsführer der PWC-Pensionskasse

Bachmann ist überzeugt: Der Ansatz von PWC ist fair für die Kasse und die Versicherten: «Wir wollen das so aufgleisen, dass es nicht zu Lasten der anderen Versicherten geht. Die Rentenzahlung soll kostenneutral sein, das ist unser Ziel.»

Laufende Renten kürzen – bisher ein Tabu

Konrad vom Branchenverband ASIP hingegen kritisiert: «Unser Erachtens ist es nicht zielführend, wenn die Spielregeln während des Spiels geändert werden. Wir sind der Meinung, dass es aufgrund der heutigen rechtlichen Situation nicht angeht, laufende Renten zu kürzen.» Das letzte Wort werden die Richter haben.

Die zwei Beispiele Credit Suisse und PWC zeigen, dass Pensionskassen immer innovativer werden, wenn es darum geht, ihre Finanzierungsprobleme noch rechtzeitig in den Griff zu bekommen. Sie schrecken auch vor Massnahmen nicht zurück, die bisher Tabu waren.

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