US-Präsident Donald Trump hält an seiner Zollpolitik fest – trotz Urteil des Supreme Courts, nachdem Trump seine Befugnisse überschreitet. Die Unberechenbarkeit der USA stellt auch die Schweizer Wirtschaft vor Herausforderungen.
Darauf reagieren die Firmen: Kapital wird zurückgehalten, umgelenkt oder in ganz andere Produkte gesteckt als ursprünglich geplant. Gemäss einer Umfrage des Beratungsinstituts EY haben acht von zehn Konzernchefs ihre Investitionspläne geändert.
Allerdings gehören Anpassungen von Investitionen zum Geschäft. Und Phasen von vielen Zöllen hätte es in der Geschichte immer wieder gegeben, sagt der Wirtschaftshistoriker Tobias Straumann von der Universität Zürich. Auch die USA hätten zeitweise einen aggressiven protektionistischen Kurs verfolgt, zum Beispiel in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Neu daran sei allerdings die demütigende Rhetorik des US-Präsidenten und auffallend seine ruppige Art und Weise.
Auch ein bereits bekanntes Muster ist, dass Unternehmer schnell auf neue Zölle reagieren, so auch in der Zeit vor der Wende zum 20. Jahrhunderts. «Die Beschleunigung der Globalisierung hat dazu geführt, dass gewisse Branchen unter Druck kamen, insbesondere die Landwirtschaft, aber auch die Schwerindustrie», sagt Wirtschaftshistoriker Straumann.
Es geht für die USA darum, den Aufstieg Chinas zu verdauen.
Vor allem kleinere Länder wie die Schweiz seien unter Druck gekommen. Sie seien deshalb gezwungen gewesen, in den entsprechenden Märkten zu investieren. Heute fordert US-Präsident Trump zusätzliche Investitionen von ausländischen Handelspartnern wie der Schweiz ein. Die Tonalität und Herangehensweise sind verschieden, das Ergebnis von Auslandinvestitionen das gleiche.
Wer ist Freund, wer ist Feind, wer ist gut, wer ist böse, wer ist rechts, wer ist links, all das wird momentan neu verhandelt.
Straumann sieht in Trumps Gebaren auch eine gewisse Kontinuität des eingeschlagenen politischen US-Kurses. «Es geht darum, den Aufstieg Chinas zu verdauen und das erfordert von den USA eine Neuausrichtung, eine Gewichtsverlagerung, was die Aussenpolitik und die Aussenwirtschaftspolitik anbelangt», sagt er. Dieser Prozess habe schon vor Jahren eingesetzt, unter der Regierung von Barack Obama.
Wunsch nach Unabhängigkeit von den USA
Andere Historiker und Ökonomen sprechen von einer neuen Weltordnung. So auch Harald Preissler, Kapitalmarktstratege beim Finanzinstitut Bantleon. Er findet die Entwicklung besorgniserregend, weil alte Gewissheiten aufgelöst würden. «Wer ist Freund, wer ist Feind, wer ist gut, wer ist böse, wer ist rechts, wer ist links, all das wird momentan neu verhandelt», sagt er.
Viele Länder hätten nun realisiert, dass sie sich von den USA unabhängiger machen müssten. Wirtschaftlich, technologisch, politisch und militärisch.
«Das bedeutet, dass wir jetzt überall auf der Welt neue Fiskalprogramme sehen», sagt er – also zusätzliche Staatsausgaben. Die Staaten verschulden sich, um sich ihre wirtschaftliche Unabhängigkeit leisten zu können. «Das bedeutet viel Staatsnachfrage, viel Umsatz für einige Firmen, hohe Gewinnspannen» erklärt er. Das alles wird von den Aktienmärkten positiv aufgenommen. Darum steigen die Aktienkurse auf breiter Front, trotz Zöllen.
Die Fiskalpolitik bringt also vorerst Rückenwind für die Wirtschaft, aber mittelfristig auch Inflation und längerfristig die Frage, ob die Länder ihre Schulden tragen können.