Eine Welt ohne Arbeit?

Immer weniger Arbeit werde es geben, Menschen würden durch Maschinen ersetzt, heisst es in Diskussionen um die vierte industrielle Revolution. Was das für die Gesellschaft bedeutet und welche Massnahmen nötig sind, wird kontrovers diskutiert. Am WEF in Davos sind dabei auch ungewohnte Töne zu hören.

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Bildlegende: Eine Zukunft ohne Arbeit? – Diskussionsrunde am WEF swiss-image.ch / Michael Buholzer

Sozialistisch anmutende Ideen wie ein bedingungsloses Grundeinkommen werden in Davos offen diskutiert – nicht nur von Splittergruppen und WEF-Gegnern am Rande des Forums, sondern mitten drin in grossen Diskussionsrunden.

Welche Rolle spielt der Staat?

Wer weit in die Zukunft blickt, lehnt sich immer aus dem Fenster – und kann dies auch relativ gefahrlos tun, denn meist kommt es anders als man denkt. So äussert sich Christopher Pissarides, Professor für Arbeitsmarkt-Ökonomie und Nobelpreisträger, bei seinen Zukunftsprojektionen sehr pointiert.

«Ein bedingungsloses Grundeinkommen ist ein Weg, den ich stark befürworte», sagt Pissarides. Er sieht darin ein Mittel, dem Problem zu begegnen, dass die Arbeit ausgeht. Allerdings: Es müsse sichergestellt sein, dass die Menschen trotzdem noch motviert seien zu arbeiten.

Pissarides sieht auch den Staat in einer wichtigen Rolle. «Nicht jeder würde profitieren, wenn wir den Markt einfach spielen lassen», sagt er. Es brauche eine neue Politik, die das erwirtschaftete Geld umverteile – weg von jenen, die vom Markt profitierten, hin zu denen, die zurückgelassen würden von der Entwicklung.

«Was wir im Kopf haben, ist nichts anderes als eine Maschine»

Die hochkarätig besetzte Runde aus Ökonomen und Wirtschaftsvertretern versuchte offensichtlich, frei zu denken für die Zukunft. Was braucht es, damit die Menschen nicht von der Entwicklung überrollt werden?

Diese Gefahr besteht durchaus. Der Neurowissenschaftler Dileep George forscht über künstliche Intelligenz und hat kürzlich ein Startup-Unternehmen dafür im Silicon Valley in Kalifornien gegründet. Für den Inder ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis Maschinen wie Menschen sein können. «Was wir in unserem Kopf haben, ist nichts anderes als eine Maschine. Und das werden wir nachmachen können.»

«Das Beste wäre, wenn die Menschen Arbeit haben»

Dileep George ist einer jener Unternehmer, die an einer Zukunft arbeiten, die das Potential hat, unsere Arbeitswelt radikal zu verändern. Ihm ist aber auch klar, dass dies viele Änderungen nötig machen wird. Auch er findet ein Bedingungsloses Grundeinkommen interessant. «Es ist eine wichtige soziale Verantwortung», sagt er. Dessen seien sich auch die Leute im Silicon Valley bewusst.

Doch für andere ist diese Diskussion verfrüht. «Das Beste wäre, wenn die Menschen Arbeit haben», gibt der amerikanische Wirtschaftswissenschaftler Erik Brynjolfsson zu bedenken, der am MIT Sloan School of Management lehrt. «Über das Grundeinkommen muss man vielleicht später einmal diskutieren.»

Erik Brynjolfsson sieht die Lösung in besserer Ausbildung, damit die Leute vorbereitet sind auf die neuen Jobs die entstehen sollen. Doch ob diese tatsächlich entstehen und welche das sein werden, kann auch hier in Davos niemand beantworten. Auch, dass in der Summe tatsächlich weniger Arbeit vorhanden sein wird, lässt sich erst erahnen.

Worin sich die Teilnehmer aber einig sind: Die Zukunft sei nicht ein unvermeidliches Schicksal. Wir alle haben es in der Hand, sie zu steuern, so die Experten.

Die Diskussion in voller Länge (Quelle: weforum.org)