Lebenserwartung in der Schweiz Werden wir doch nicht immer älter?

Seit der Jahrtausendwende hat sich der Anstieg der Lebenserwartung ab 65 verlangsamt, vorübergehend ist sie sogar leicht gesunken.

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Anstieg der Lebenserwartung verlangsamt sich

2:24 min, aus Tagesschau vom 17.5.2017

Die Menschen wurden bisher immer älter – neben der tiefen Zinsen ist das die grosse Herausforderung für die Altersvorsorge. Es werde je länger je schwieriger, die Renten zu finanzieren, so die Pensionskassen.

Das Studium der offziellen Statistiken zur Lebenserwartung in der Schweiz zeigt aber Erstaunliches: In den vergangenen 15 Jahren ist die Lebenserwartung ab 65 immer weniger stark angestiegen. Bei den Frauen zum Beispiel nahm sie zwischen 2000 und 2005 um 0,9 Jahre, zwischen 2005 und 2010 noch um 0,6 Jahre und in den letzten fünf Jahren überhaupt nicht mehr. Zwischen 2014 und 2015 ist sie vorübergehend sogar leicht gesunken.

Christoph Furrer ist Mathematiker der Deprez Experten AG. Seit Jahren analysiert er die Entwicklung der Lebenserwartung für Pensionskassen, die ihre Rentenberechnungen auf seine Daten stützen.

Laut Furrer ist der kurzfristige Rückgang der Lebenserwartung erklärbar: «Die Abnahme der Lebenserwartung war abhängig von klimatischen Bedingungen, von einem heissen Sommer, von Einflüssen wie der Grippewelle. Das hat kurzfristig zu mehr Todesfällen geführt.»

Trotzdem ist Furrer überzeugt, dass die Lebenserwartung weiter zunehmen wird. Zugleich sagt er: «Ich vermute die Zunahme wird sich eher abflachen.»

Plateau erreicht?

Auch Frank Rühli, Professor am Institut für Evolutionäre Medizin der Universität Zürich, forscht zur Lebenserwartung – allerdings aus der ganz langfristigen Perspektive. Rühli hält fest: «Historisch gesehen bewegen wir uns natürlich auf einem sehr hohen Niveau, wir haben eine sehr hohe durchschnittliche Lebenserwartung. Gerade eben auch bei Leuten über 65. Vermutlich haben wir so etwas wie ein Plateau erreicht.»

Die biologisch definierte maximale Lebensspanne liege zwar bei 120 Jahren, nur ganz wenige Menschen hätten aber die genetischen Voraussetzungen, um ein solch biblisches Alter zu erreichen. Deshalb sagt Rühli: «Die Medizin kann vermutlich nur noch begrenzt zur weiteren Erhöhung der Lebenserwartung in der Schweiz beitragen, sondern eher die Lebensqualität im Alter verbessern.»

Wie sich die Lebenserwartung in den nächsten Jahrzehnten entwickeln wird, können die Experten nicht genau vorhersagen. Allerdings: Die Rechnungen der Pensionskassen hängen nicht nur davon ab, wie alt wir in Zukunft werden, sondern auch davon, wie lange wir arbeiten wollen.