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Zusammenarbeit mit Kasachstan 3000 Mal so viel Atommüll wie in der Schweiz

Wegen sowjetischer Atomtests lagern in Kasachstan Unmengen von Atommüll. Die schweizerische Genossenschaft zur Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) will davon lernen.

In Kasachstan sind gut 450 Atom- oder Wasserstoffbomben zur Explosion gebracht worden. Auf einer Fläche halb so gross wie die Schweiz hat die Sowjetunion von 1949 bis in die 1990er Jahre atomare Sprengköpfe getestet.

Weite flache Landschaft mit alten Betonstrukturen bei Sonnenuntergang.
Legende: Das Atomwaffentestgelände Semipalatinsk nahe der Stadt Kurtschatow ist noch heute teilweise verstrahlt. SRF

Das Gelände mit dem Namen Semipalatinsk im Osten des Landes ist noch heute teilweise verstrahlt. Noch heute prägen die Atomtests die Menschen in Kasachstan. Millionen Tonnen radioaktives Material werden im Land zwischengelagert, ein Endlager gibt es noch nicht.

«Wir können sehr viel lernen»

Das ist interessant für die Schweizer Genossenschaft zur Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra). Kürzlich wurde in der kasachischen Hauptstadt Astana im Rahmen einer Reise des Schweizer Aussendepartements eine Absichtserklärung zur Zusammenarbeit unterzeichnet.

Mann in Anzug bei Interview in elegantem Flur.
Legende: Nagra-Geschäftsführer Matthias Braun will von Kasachstan lernen. SRF

«Kasachstan hat gut 3000 Mal so viel radioaktiven Abfall wie die Schweiz», sagt Matthias Braun, Geschäftsführer der Nagra. Einerseits aus der Uran-Produktion, denn das Land deckt gut 60 Prozent des weltweiten Bedarfs. Vor allem aber wegen der sowjetischen Atomtests. «Von dieser riesigen Menge und von deren Behandlung und Lagerung können wir sehr viel lernen», sagt Braun.

Das macht die Nagra

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Die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) ist verantwortlich für die sichere Entsorgung aller radioaktiven Abfälle der Schweiz. Sie handelt im Auftrag der Schweizer Kernkraftwerksbetreiber sowie des Bundes, der für Abfälle aus Medizin, Industrie und Forschung zuständig ist.

Die Nagra forscht unter anderem in zwei unterirdischen Felslaboren; dem Felslabor Grimsel im Kanton Bern und im Felslabor Mont Terri im Kanton Jura. Dort untersucht sie unter realen Bedingungen, wie sich Gestein und technische Barrieren über sehr lange Zeiträume verhalten. Die Nagra arbeitet in der Forschung mit rund 20 Ländern zusammen.

Radioaktive Abfälle werden heute zunächst im Zwilag (Zwischenlager) Würenlingen im Kanton Aargau zwischengelagert. Dort sind unter anderem abgebrannte Brennelemente aus den Schweizer Kernkraftwerken sicher abgeschirmt, bis sie in ein Endlager überführt werden können.

2022 hat die Nagra den Standort «Nördlich Lägern» als besten Ort für ein geologisches Tiefenlager bestimmt.

Die Atomtests in der Sowjetunion haben in Kasachstans Gesellschaft tiefe Spuren hinterlassen. Die Menschen, die in der Nähe des Testgeländes gewohnt haben, wurden von den der Staatsführung meist weder gewarnt noch über die möglichen Folgen der atomaren Strahlung informiert.

Dorfstrasse aus der Vogelperspektive, umgeben von Häusern und Bäumen.
Legende: Die sowjetischen Atomtests haben in Kasachstans Gesellschaft tiefe Spuren hinterlassen. SRF

Noch heute werden Kinder mit Gendefekten geboren. «Nirgends gibt es so viele Menschen, die der Strahlung der Tests so direkt ausgesetzt waren», sagt Tatiana Belikhina, Direktorin des Gesundheitsdepartement Kasachstans. «Und nun ist schon die vierte Generation mit Einflüssen der Strahlung geboren.»

Neues Atomkraftwerk geplant

Lange war deshalb Atomkraft in Kasachstan kein Thema. Doch nun will die autoritäre Regierung wegen der zunehmenden Energieknappheit doch ein Atomkraftwerk bauen. Die Bevölkerung hat kürzlich in einem Referendum dem Vorhaben zugestimmt.

Industrieanlage mit rauchenden Schornsteinen bei Sonnenuntergang.
Legende: Die Regierung Kasachstans will wegen der zunehmenden Energieknappheit ein Atomkraftwerk bauen. SRF

So wird die schon heute riesige Menge Atommüll weiter zunehmen. Und damit steigt die Notwendigkeit zur internationalen Kooperation für die Endlagerung dieser strahlenden Abfälle, auch mit der schweizerischen Nagra.

Tagesschau, 21.02.2026, 22 Uhr

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