Es war ein politisches Statement und es regnete in Strömen, als der Schweizer Frauenlauf 1987 in Bern erstmals durchgeführt wurde. Frauen hatten zuvor lange keinen gleichberechtigten Zugang zum Laufsport.
Das Sportangebot für Frauen war sehr beschränkt.
Die anfänglich kritischen Stimmen müsse man im Umfeld der damaligen Zeit sehen, sagt Jacqueline Ryffel, eine der «Geburtshelferinnen» des Laufs. «Es gab noch kein Internet, keine Handys und das Sportangebot für Frauen war sehr beschränkt», sagt sie rückblickend.
Angebote wie Pilates oder Zumba gab es nicht. «Wir wollten Frauen dazu bewegen, regelmässig Sport zu treiben, weil es einfach guttut». Mit dem Lauf entstand ein Raum, der ausschliesslich den Frauen gehörte.
Die erste Austragung übertraf alle Erwartungen: Statt der geplanten 1200 meldeten sich 2320 Läuferinnen an. Der Grundstein für eine Erfolgsgeschichte war gelegt. Anfangs fand der Lauf noch beim alten Wankdorf-Stadion in Bern statt. «Es war uns immer wichtig, dass die Frauen in ein Stadion mit vielen Zuschauern einlaufen», sagt Ryffel.
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Bild 1 von 15. Ein grosser Meilenstein war 2003, als der Frauenlauf in die Berner Altstadt, mit dem Ziel auf dem Bundesplatz, verlegt wurde. Bildquelle: Keystone/Edi Engeler.
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Bild 2 von 15. Über 14'000 Läueferinnen laufen vor der Kulisse des Bundeshauses den 19. Frauenlauf 2005 in Bern. Bildquelle: Keystone/Lukas Lehmann.
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Bild 3 von 15. Anita Weyermann, Mitte, führt am Sonntag, 13. Juni 1999, in Bern zusammen mit der Ungarin Anika Javas, links, und Maura Viceconte aus Italien nach zwei Dritteln des 13. Schweizer Frauenlaufs die Verfolgerinnengruppe an. Weyermann wurde Dritte. Bildquelle: Keystone/Alessandro della Valle.
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Bild 4 von 15. Franziska Rochat-Moser versucht am Sonntag, 13. Juni 1999, in Bern nach zwei Dritteln des 13. Schweizer Frauenlaufs den Anschluss zur Spitze nicht zu verlieren. Rochat-Moser wurde Siebte. 2002 kam sie bei einem Lawinenunglück ums Leben. Bildquelle: Keystone/Alessandro della Valle.
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Bild 5 von 15. Die Läuferinnen des 16. Berner Frauenlaufs lassen 2002 am Start des Laufes rote Ballone fliegen. Sie gedenken so der verstorbenen Franziska Rochat-Moser, designierte Präsidentin des Frauenlaufs, die am 7. März bei einer Bergtour ums Leben kam. Bildquelle: Keystone/Alessandro della Valle.
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Bild 6 von 15. Starkoch Philippe Rochat, der Ehemann der verstorbenen Franziska Rochat-Moser, links, sowie Franziskas Eltern, Hansjürg and Kathi Moser, verfolgen den Gedenklauf 2002 beim Start. Bildquelle: Keystone/Alessandro della Valle.
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Bild 7 von 15. Der Anlass entwickelte sich zum grössten Frauenlauf der Schweiz. Teilnehmerinnen am 21. Frauenlauf über 5 Kilometer in Bern 2007. Bildquelle: Keystone/Peter Schneider.
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Bild 8 von 15. Mitorganisator – der ehemalige Spitzenläufer Markus Ryffel. Der Ehemann der Mitbegründerin Jacqueline Ryffel. Bildquelle: Keystone/Alessandro della Valle.
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Bild 9 von 15. Kinder laufen am Girls Meile und Girls Sprint am 24. Schweizer Frauenlauf in Bern 2010. Bildquelle: Keystone/Alexandra Wey.
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Bild 10 von 15. Das Logo des Frauenlaufs auf dem Bein einer Teilnehmerin, nach dem 5- km-Rennen beim 33. Schweizer Frauenlauf 2019 in Bern. Bildquelle: Keystone/Peter Klaunzer.
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Bild 11 von 15. Der Besenwagen markiert den Schluss des Rennens des 10- km-Laufs, am 29. Schweizer Frauenlauf 2015 in Bern. Bildquelle: Keystone/Alessandro della Valle.
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Bild 12 von 15. Laufen für das Thema Brustkrebsprävention 2023. Bildquelle: Keystone/Peter Klaunzer.
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Bild 13 von 15. 2023 waren die beiden Bundesrätinnen Viola Amherd und Elisabeth Baume-Schneider am Start. Letztere als Zeichen für Solidarität und gesellschaftliche Anliegen wie die Brustkrebsprävention. Bildquelle: Keystone/Peter Klaunzer.
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Bild 14 von 15. Wohltuende Abkühlung nach dem Zieleinlauf bei den Wasserfontänen vor dem Bundeshaus. Bildquelle: Keystone/Peter Klaunzer.
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Bild 15 von 15. 2025 wieder am Start. Diesmal beim Walking, anlässlich des 39. Frauenlaufs in Bern. Bildquelle: Keystone/Peter Schneider.
Besonders prägend war die internationale Strahlkraft in den 1990er-Jahren. Olympiasiegerinnen wie Derartu Tulu oder Yelena Romanova triumphierten in Bern. 1997 setzte die Kenianerin Lydia Cheromei mit 14.57 Minuten über 5 Kilometer eine Bestmarke – als erste Frau überhaupt unter 15 Minuten.
Ein Lauf für alle Frauen und Bedürfnisse
2005 wurde eine 10-km-Distanz eingeführt, später kamen Nachwuchskategorien hinzu, etwa der Girls Sprint ab 2009. Damit wurde der Frauenlauf zunehmend zum Generationenanlass. Heute laufen fünfjährige Mädchen, Mütter und Grossmütter gemeinsam durch Bern – vom 500-Meter-Sprint bis zur 10‑Kilometer-Strecke.
Einen Höhepunkt verzeichnete der Lauf 2016: Mit über 15’000 Finisherinnen wurde ein Teilnehmerrekord erreicht. Ebenso prägend sind die vielen persönlichen Geschichten – Frauen, die nach Krankheit zurückkehren, gemeinsam mit Freundinnen laufen oder erstmals Sport treiben.
Das Jahr der grossen Emotionen
2002 gab es eine Stabsübergabe. Jacqueline Ryffel trat das Präsidium an die erfolgreiche Langstreckenläuferin Franziska Rochat-Moser ab, als diese später bei einem Lawinenunfall tödlich verunglückte.
Als das ganze Stadion mitsang, war das unglaublich berührend.
Am Frauenlauf, drei Monate nach ihrem Tod, gedachte man der Verstorbenen mit dem Song «Heaven» von Gotthard, den sie kurz vorher noch mit Steve Lee auf der Bühne gesungen hatte, erinnert sich Ryffel. «Als das ganze Stadion mitsang, war das unglaublich berührend.» Läuft dieses Lied heute, denken wir immer auch an sie.
Für die Mitbegründerin des Laufs, Jacqueline Ryffel, ist klar: So lange jährlich 15’000 Frauen teilnehmen, braucht es ihn. Darunter sind jedes Jahr über 4000 Frauen, die zum allerersten Mal mitlaufen. Es ist ein Tag des Gemeinschaftserlebnisses, den man mit Freundinnen, der Tochter oder den Arbeitskolleginnen verbringt.
Vielleicht liegt darin der wichtigste Grund: Der Frauenlauf ist längst mehr als ein Rennen. Er ist ein Ort der Begegnung, der Emotionen und der kollektiven Erfahrung. Wenn Tausende Frauen gemeinsam starten, entsteht ein Moment, der zeigt, was möglich ist, wenn Raum geschaffen wird. Gerade im Jubiläumsjahr 2026 wird der Frauenlauf nicht mehr nur gebraucht, weil früher etwas gefehlt hat. Sondern weil er heute sichtbar macht, wie Gleichstellung gelebt werden kann – Schritt für Schritt.