Ein heisses Bad wie in der Therme – nur eben mitten in der Stadt Winterthur. Der Verein «brunnen gehen» heizt mehrere städtische Brunnen auf behagliche 39 Grad. Das Ziel: Die Leute in den Quartieren zusammenzubringen. «Ein Treffpunkt, wo die Leute ungezwungen eine schöne Zeit haben können», sagt der Winterthurer Manuel Reutimann.
Reutimann ist der Gründer des Vereins. Allerdings nur in seiner Stadt. Erstmals gesehen habe er das Konzept in Basel. Winterthur sei dafür aber wie geschaffen: «Winterthur ist ja die Brunnenbadestadt im Sommer, weil es sonst kaum Gewässer gibt, in denen man gut baden kann.»
Ohne Velo geht nichts
Danach habe er ein Konzept geschrieben und bei verschiedenen Stiftungen eingereicht. Im Frühling 2022 kam die Zusage. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich ihm weitere Bekannte angeschlossen. Über den Sommer bauten sie ihr Material zusammen, im Dezember wurde der erste Brunnen beheizt.
«Wir haben einen bis zwei Holzöfen pro Brunnen. Die funktionieren als Durchlauferhitzer. Mit einem Velo wird eine Pumpe angetrieben, um das Wasser durch diese Öfen und wieder in den Brunnen zu leiten und zu erwärmen», sagt Reutimann. Der Prozess braucht seine Zeit.
39 Grad sind Absicht
«Beim grössten Brunnen stehen wir morgens um 8 Uhr im Lager und fangen um 10 Uhr an zu heizen. Ab Abend um 18 Uhr haben wir dann die 39 Grad», sagt Reutimann. Das Velo ist dabei im Dauereinsatz – es lässt das Wasser zirkulieren: «Es ist auch ein guter Platz für Wartende. Von den Badegästen setzt sich auch gerne mal jemand drauf.»
Das Angebot ist beliebt, die Plätze in den Brunnen beschränkt. Deshalb seien die 39 Grad laut Reutimann ideal: «Das ist eine Temperatur, bei der man im Schnitt 15 Minuten drinbleibt. Danach gehen die Meisten freiwillig wieder raus. Wir haben am Abend auch immer einen Bademeister oder eine Bademeisterin, die das ein bisschen im Auge behält.
Ehrenamtlich und kostenlos
Es ist nicht der einzige Job, der für den Brunnenbetrieb nötig ist. «Jemand ist Bademeister, jemand sitzt an der Rezeption und führt die Leute in die Baderegeln ein. Und natürlich sind die Heizerinnen und Heizer wichtig.» Mitmachen können grundsätzlich jeder und jede, für die Arbeit an den Heizöfen brauche es aber Einarbeitung und im besten Fall technisches Know-How.
Unser Ziel ist es, in jedem Stadtteil von Winterthur – das wären dann sieben – Brunnen heizen können.
Das Angebot ist für die Badegäste kostenlos. Es gibt eine Kollekte, der grösste Teil wird über Stiftungen finanziert. Kosten fallen vor allem für Brennholz und Bewilligungskosten. «Normalerweise ist das eine Nullnummer. Falls etwas übrig bleibt, stecken wir das Geld in neue Technik», sagt Reutimann.
Apéro im Bademantel
Etwas Geld braucht es für die Pläne des Kollektivs. «Unser Ziel ist es, in jedem Stadtteil von Winterthur – das wären dann sieben – Brunnen heizen zu können. Schöne Brunnen, die auch ein bisschen Platz bieten», sagt Reutimann. Momentan seien sie bei vier.
Für «brunnen gehen» steht das Miteinander im Zentrum. Während des ganzen Heiztages kämen immer wieder Leute vorbei, die zum Teil schon Jahrzehnte in der Nähe wohnen. Solche Geschichten gebe es immer wieder. «Man trifft sich im Bademantel, jemand bringt eine Apéro-Platte und alle freuen sich – gerade, weil man im Winter sonst mehr Zeit zu Hause verbringt.»