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«Biofencing» So könnte Wolfsurin beim Herdenschutz helfen

Wolfsurin als Schutzbarriere für Schafe? Was kurios klingt, könnte in Zukunft eine zusätzliche Massnahme gegen Wolfsrisse dienen.

Wie schützt man Herdentiere vor Wölfen? Diese Frage beschäftigt Landwirtinnen und Landwirte seit Jahren. Eine Studie der Universität Neuenburg liefert nun neue Hinweise darauf, wie der Geruchssinn von Wölfen beim Herdenschutz helfen könnte.

Die Forschenden untersuchten, wie Wölfe auf den Urin fremder Artgenossen reagieren. Die Vierbeiner kommunizieren nämlich mittels Duftmarken miteinander: Sie hinterlassen Urin entlang ihrer Territorien und geben so Informationen über ihre Identität, ihren sozialen Status und ihren reproduktiven Zustand weiter.

«Besonders interessant war, dass Leitwölfe wesentlich stärkere Reaktionen zeigten als nicht reproduzierende Tiere», sagt Biologin und Studienautorin Giada Studer. Wölfinnen und Wölfe mit eigenen Jungtieren hätten im Vergleich zu anderen Rudeltieren deutlich mehr daran geschnüffelt und teils sogar eigenen Urin oder Kot hinterlassen.

In Zukunft wäre «Biofencing» denkbar

Die Erkenntnisse könnten langfristig helfen, Geruchsbarrieren zum Schutz von Herden zu entwickeln – sogenanntes Biofencing. «Eine Möglichkeit wäre, künstliche Duftmarken entlang von Weidegrenzen anzubringen, um den Eindruck zu erwecken, dass das Gebiet bereits von einem anderen Wolfsrudel besetzt ist», so Studer.

Wolf geht im Wald spazieren.
Legende: Wölfinnen und Wölfe mit eigenen Jungtieren reagieren häufiger auf fremde Duftmarken, weil sie mehr zu verlieren haben. Keystone/Michael Buholzer

Ob diese Schutzbarrieren auch unter natürlichen Bedingungen funktionieren würden und wie häufig sie erneuert werden müssten, ist noch unklar. Ähnliche Forschungsprojekte in Botswana und Nordamerika würden zeigen, dass solche biologisch basierten Schutzmethoden viele Jahre Forschung erforderten.

13 Wölfe in Tierparks untersucht

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Für die Studie beobachteten Forschende zwischen April und Juni 2024 insgesamt 13 Wölfe in vier Schweizer Tierparks. An den Gehegen platzierten sie sogenannte Geruchsstationen mit Wolfsurin, um die Anwesenheit fremder Artgenossen zu simulieren. Zum Vergleich kamen auch Proben mit menschlichem Urin zum Einsatz.

Kamerafallen zeichneten auf, wie die Tiere auf die verschiedenen Gerüche reagierten. Unter den untersuchten Wölfen befanden sich sechs Leittiere und sieben untergeordnete Tiere. Dabei zeigte sich ein deutlicher Unterschied: Die Leittiere suchten die Geruchsstationen etwa doppelt so häufig auf wie die untergeordneten Tiere.

Ein Knackpunkt wären beispielsweise die Auswirkungen des Biofencings auf die Herdentiere und Herdenschutzhunde. «Es gibt zahlreiche Untersuchungen, die zeigen, dass potenzielle Beutetiere auf den Geruch von Wölfen oder anderen Raubtieren mit Ausweichverhalten oder Stressreaktionen reagieren können.»

Eine Herde Kühe auf einer grünen Wiese.
Legende: Die Zahl der gerissenen Nutztiere pro Wolf ist in den letzten Jahren tendenziell zurückgegangen oder stabil geblieben. Das zeigt eine Bilanz des WWF, basierend auf Zahlen der kantonalen Fachstellen. Keystone / Gian Ehrenzeller

Bis die Methode in der Schweizer Landwirtschaft angewandt werden könnte, dürfte es noch dauern. Ohnehin käme eine solche Methode, so die Forscherin, nur als ergänzende Abschreckungsmassnahme infrage. Herdenhunde und Elektrozäune blieiben wohl auch in Zukunft noch nötig, meint Giada Studer.

Radio SRF 1, 1.7.2026, 6:40 Uhr

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