Wie schützt man Herdentiere vor Wölfen? Diese Frage beschäftigt Landwirtinnen und Landwirte seit Jahren. Eine Studie der Universität Neuenburg liefert nun neue Hinweise darauf, wie der Geruchssinn von Wölfen beim Herdenschutz helfen könnte.
Die Forschenden untersuchten, wie Wölfe auf den Urin fremder Artgenossen reagieren. Die Vierbeiner kommunizieren nämlich mittels Duftmarken miteinander: Sie hinterlassen Urin entlang ihrer Territorien und geben so Informationen über ihre Identität, ihren sozialen Status und ihren reproduktiven Zustand weiter.
«Besonders interessant war, dass Leitwölfe wesentlich stärkere Reaktionen zeigten als nicht reproduzierende Tiere», sagt Biologin und Studienautorin Giada Studer. Wölfinnen und Wölfe mit eigenen Jungtieren hätten im Vergleich zu anderen Rudeltieren deutlich mehr daran geschnüffelt und teils sogar eigenen Urin oder Kot hinterlassen.
In Zukunft wäre «Biofencing» denkbar
Die Erkenntnisse könnten langfristig helfen, Geruchsbarrieren zum Schutz von Herden zu entwickeln – sogenanntes Biofencing. «Eine Möglichkeit wäre, künstliche Duftmarken entlang von Weidegrenzen anzubringen, um den Eindruck zu erwecken, dass das Gebiet bereits von einem anderen Wolfsrudel besetzt ist», so Studer.
Ob diese Schutzbarrieren auch unter natürlichen Bedingungen funktionieren würden und wie häufig sie erneuert werden müssten, ist noch unklar. Ähnliche Forschungsprojekte in Botswana und Nordamerika würden zeigen, dass solche biologisch basierten Schutzmethoden viele Jahre Forschung erforderten.
Ein Knackpunkt wären beispielsweise die Auswirkungen des Biofencings auf die Herdentiere und Herdenschutzhunde. «Es gibt zahlreiche Untersuchungen, die zeigen, dass potenzielle Beutetiere auf den Geruch von Wölfen oder anderen Raubtieren mit Ausweichverhalten oder Stressreaktionen reagieren können.»
Bis die Methode in der Schweizer Landwirtschaft angewandt werden könnte, dürfte es noch dauern. Ohnehin käme eine solche Methode, so die Forscherin, nur als ergänzende Abschreckungsmassnahme infrage. Herdenhunde und Elektrozäune blieiben wohl auch in Zukunft noch nötig, meint Giada Studer.