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Debatte um Lifestyle-Teilzeit Steuern oder Stress: Warum arbeiten über 50-Jährige Teilzeit?

Viele über 50 arbeiten freiwillig Teilzeit. Der Arbeitgeberverband kritisiert diesen Trend. Das löst eine Debatte über persönliche Freiheit und wirtschaftliche Bedürfnisse aus.

Weniger Arbeit, mehr Freizeit? Knapp 40 Prozent der Erwerbstätigen in der Schweiz arbeitet in einem reduzierten Pensum. Jüngere absolvieren eine Aus- oder Weiterbildung, betreuen Kinder oder haben andere Verpflichtungen.

Anders ist das bei Erwerbstätigen über 50: Laut einer Analyse des Schweizerischen Arbeitgeberverbands würden viele von ihnen freiwillig Teilzeit arbeiten und hätten kein Interesse an einer Vollzeitstelle. «Da lohnt es sich, genauer hinzuschauen», sagt Patrick Chuard-Keller, Chefökonom beim Schweizerischen Arbeitgeberverband.

Die «Lifestyle-Teilzeit» berge grosses Potenzial für den Arbeitsmarkt, so der Verband: In der Analyse ist von 86'000 Vollzeitstellen die Rede. «Diese Leute sind schon im Arbeitsmarkt drin und könnten ihr Pensum wahrscheinlich von sich aus relativ einfach erhöhen.»

Stress bei der Arbeit nimmt zu

Der Schweizerische Gewerkschaftsbund kritisiert den Begriff «Lifestyle-Teilzeit»: Viele Arbeitnehmende würden ihr Pensum aufgrund von zunehmender Arbeitsbelastung, zunehmendem Stress und zunehmender Arbeitsverdichtung reduzieren – und nicht aus Bequemlichkeit.

Die Schweizer Gesundheitsbefragung zeigt: Der Stress am Arbeitsplatz hat zugenommen. Erlebten 2012 noch 18 Prozent der Erwerbstätigen meistens oder immer Stress bei der Arbeit, sind es in der aktuellen Umfrage bereits 23 Prozent.

Der Arbeitgeber muss gute Bedingungen gewähren, damit die Leute freiwillig möglichst lange arbeiten.
Autor: Daniel Kopp Zentralsekretär, Schweizerischer Gewerkschaftsbund

«Das ist ein angemessenes Bedürfnis und oft auch eine Notwendigkeit, um die Gesundheit zu schützen, wenn man sich entscheidet, Teilzeit zu arbeiten», findet Daniel Kopp, Zentralsekretär des Schweizerischen Gewerkschaftsbunds.

Der Staat schaffe Fehlanreize

Mit der Debatte rund um freiwillige Teilzeitarbeit will Chefökonom Patrick Chuard-Keller auf die Situation im Arbeitsmarkt aufmerksam machen. «Es gibt aufgrund der Demografie so viel mehr Ältere im Arbeitsmarkt, es kommen einfach zu wenig Junge nach.»

Aber wie könnte man die älteren Erwerbstätigen zur Vollzeitarbeit motivieren? Da sind sich der Arbeitgeberverband und der Gewerkschaftsbund nicht ganz einig. Arbeitgebervertreter Chuard-Keller sagt, man müsse Fehlanreize beheben: «Die Steuerprogression ist natürlich ein Problem, insbesondere wenn wir nach Leistungsfähigkeit besteuern.»

Firmen müssten bessere Bedingungen schaffen

Daniel Kopp vom Schweizerischen Gewerkschaftsbund hält dagegen: «Der Arbeitgeber muss gute Bedingungen gewähren, damit die Leute freiwillig möglichst lange arbeiten. Das ist der Hauptweg, um das Arbeitskräftepotenzial besser auszuschöpfen.»

Beispielsweise müssten die Unternehmen Ruhezeiten sichern und genügend Personal zur Verfügung stellen, um Druck abzubauen.

Diskutieren Sie mit:

Während der Arbeitgeberverband primär staatliche Anreize zur Förderung der Vollzeitarbeit fordert, nimmt der Gewerkschaftsbund die Unternehmen in die Pflicht, bessere Arbeitsbedingungen zu sichern. Eine Obergrenze für den Bevölkerungszuwachs, wie es die SVP-Volksinitiative gegen eine 10-Millionen-Schweiz fordert, sei keine Lösung – da sind sich die beiden Gäste einig.

Das waren die Gäste im «Forum»

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  • Sieht Potenzial bei «Lifestyle»-Teilzeitarbeitenden: Patrick Chuard-Keller, Chefökonom Schweizerischer Arbeitgeberverband
  • Nimmt die Arbeitgebenden in die Pflicht: Daniel Kopp, Zentralsekretär des Schweizerischen Gewerkschaftsbunds

Radio SRF 1, Forum, 6.5.2026, 10 Uhr;liea

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