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Hitze auf der Spitze Flucht in die Höhe: Auch Tiere in hochalpinen Gebieten leiden

Platzmangel in den Bergen: Wildtiere suchen in höheren Lagen Abkühlung und konkurrieren dort zunehmend um geeignete Lebensräume. Steinböcke, Murmeltiere und Gämsen müssen sich an die veränderten Bedingungen anpassen.

Die aktuellen Rekordtemperaturen setzen uns Menschen ganz schön zu. Doch auch die Tierwelt ächzt unter der Hitzewelle. Steigen die Aussentemperaturen auf 40 Grad, geraten viele Säugetiere in Hitzestress. Bei 45 Grad können sogar Hirnzellen absterben. Ihr Körper reagiert mit verstärktem Schwitzen oder Hecheln, zudem passen die Tiere ihren Tagesrhythmus an.

Simon Aeschbacher, Leiter Forschung und Monitoring im Schweizerischen Nationalpark, beobachtet etwa, dass sich Murmeltiere tagsüber in ihren Bauten aufhalten und nur während der kühleren Morgen- und Abendstunden zum Fressen nach draussen kommen.

Auch Steinböcke würden morgens und abends essen, sich tagsüber dafür ausruhen. Das hat zur Folge, dass sie während der Sommermonate zu wenig fressen und ihnen in den Wintermonaten dann die nötigen Energiereserven fehlen.

Suche nach Schatten in höheren Lagen

Zudem suchen Wildtiere vermehrt Schattenplätze auf. Steinböcke weichen dafür in höhere Lagen aus. Eine Studie ausserhalb des Nationalparks untersuchte zwischen 1991 und 2013, auf welcher Höhe Steinböcke abgeschossen werden.

Wenn das extrem wird, kann es die Kondition der Tiere beeinträchtigen.
Autor: Simon Aeschbacher Leiter Forschung und Monitoring Schweizerischer Nationalpark

Dabei zeigte sich, dass sich die Abschüsse innerhalb von rund 20 Jahren um 130 bis 150 Höhenmeter nach oben verschoben haben. «Rechnet man diese Entwicklung weiter, kann man davon ausgehen, dass sich die Steinböcke heute bis zu 300 Meter höher aufhalten», sagt Aeschbacher.

Auch der Wassermangel wird immer problematischer. Die Tiere müssen weitere Wege zur nächsten Wasserquelle zurücklegen. Das kostet Energie und zehrt an ihren Kräften. «Wenn das extrem wird, kann es die Kondition der Tiere beeinträchtigen», gibt Aeschbacher zu bedenken.

Wenig Schnee – falsche Tarnung

Weitere Auswirkungen zeigen sich auch bei Anpassungsmechanismen, die sich über Jahrtausende entwickelt haben. Schneehasen wechseln in den Wintermonaten ihre Fellfarbe von braun-grau zu weiss.

Weisser Hase sitzt im Schnee, nah bei einem Baum.
Legende: Sein typisch weissgefärbtes Winterfell könnte dem Schneehasen zum Verhängnis werden. Imago/Urs Flueler

Dieser natürliche Mechanismus bleibt bestehen, auch wenn noch kein Schnee liegt oder der Schnee bereits geschmolzen ist. Das weisse Fell bietet dann kaum noch Tarnung und Schutz.

Mögliche Auswirkungen sind noch relativ schwierig vorauszusagen.
Autor: Simon Aeschacher Leiter Forschung und Monitoring Schweizerischer Nationalpark

Umgekehrt kann das Fell bereits wieder braun-grau sein, obwohl die Landschaft noch schneebedeckt ist. Auch dann fällt der natürliche Tarnschutz weg.

Künftig werde der Klimawandel wohl Konsequenzen haben, befürchtet Aeschbacher, aber: «Mögliche Auswirkungen sind noch relativ schwierig vorauszusagen, weil wir nicht genau wissen, wie weit der Klimawandel geht.»

Konkurrenzkampf in den Alpen

Jedenfalls könnte es in höheren Lagen zu Platzmangel kommen. Nicht nur Steinböcke, sondern auch Gämsen und Rothirsche zieht es auf der Suche nach Abkühlung immer weiter hinauf in die Berge. Aeschbacher geht deshalb davon aus, dass es vermehrt zu Konkurrenzkämpfen zwischen den verschiedenen Wildtierarten kommen wird.

Steinbock mit grossen Hörnern auf einem felsigen Hügel.
Legende: Kommt es zu einer Auseinandersetzung, kann sich der Steinbock oft nicht gegen den Rothirsch behaupten. Letzterer gilt als grösstes Wildtier der Schweiz. Keystone/Alessandro Della Bella

Gemäss bisherigen Studien dürfte es der Steinbock dabei schwerer haben als der Rothirsch: Körperlich ist er dem Rothirsch unterlegen und kann sich in direkten Auseinandersetzungen oft nicht behaupten.

Radio SRF 1, Morgengast, 15.07.2026, 7:15 Uhr; noes

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