Die aktuellen Rekordtemperaturen setzen uns Menschen ganz schön zu. Doch auch die Tierwelt ächzt unter der Hitzewelle. Steigen die Aussentemperaturen auf 40 Grad, geraten viele Säugetiere in Hitzestress. Bei 45 Grad können sogar Hirnzellen absterben. Ihr Körper reagiert mit verstärktem Schwitzen oder Hecheln, zudem passen die Tiere ihren Tagesrhythmus an.
Simon Aeschbacher, Leiter Forschung und Monitoring im Schweizerischen Nationalpark, beobachtet etwa, dass sich Murmeltiere tagsüber in ihren Bauten aufhalten und nur während der kühleren Morgen- und Abendstunden zum Fressen nach draussen kommen.
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Bild 1 von 9. Wildtiere wie Murmeltiere reagieren auf heissere Temperaturen. Bildquelle: Imago/Allover.
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Bild 2 von 9. Schon ab 40 Grad kommen sie in Stress. Bildquelle: Imago/Andreas Stroh.
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Bild 3 von 9. Zum Schutz verlassen sie ihren Bau tagsüber nicht. Bildquelle: Schweizer Nationalpark.
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Bild 4 von 9. Schneehasen passen sich farblich den Jahreszeiten an: Im Sommer, wenn kein Schnee liegt, sind sie durch ihr braun-graues Fell bestens getarnt. Bildquelle: Schweizer Nationalpark.
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Bild 5 von 9. Im Winter schützt sie ihre weisse Fellfarbe vor Feinden. Fehlt der Schnee, ist ihre Tarnung zwecklos. Bildquelle: Keystone/Urs Flueler.
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Bild 6 von 9. Steinböcke suchen bei höheren Temperaturen höhere Lagen auf. Bildquelle: Schweizerischer Nationalpark.
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Bild 7 von 9. Damit sind sie nicht alleine: Auch andere Tiere wie Gämsen zieht es in die Höhe. Bildquelle: Schweizer Nationalpark.
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Bild 8 von 9. Je mehr Tiere in der Höhe nach Abkühlung suchen, desto mehr Konkurrenzkampf entsteht. Bildquelle: Imago Daniel Scharinger.
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Bild 9 von 9. All diese Faktoren können sich auf den Fortbestand der Tiere – wie die hier abgebildeten Gämsen – auswirken. Bildquelle: Schweizer Nationalpark.
Auch Steinböcke würden morgens und abends essen, sich tagsüber dafür ausruhen. Das hat zur Folge, dass sie während der Sommermonate zu wenig fressen und ihnen in den Wintermonaten dann die nötigen Energiereserven fehlen.
Suche nach Schatten in höheren Lagen
Zudem suchen Wildtiere vermehrt Schattenplätze auf. Steinböcke weichen dafür in höhere Lagen aus. Eine Studie ausserhalb des Nationalparks untersuchte zwischen 1991 und 2013, auf welcher Höhe Steinböcke abgeschossen werden.
Wenn das extrem wird, kann es die Kondition der Tiere beeinträchtigen.
Dabei zeigte sich, dass sich die Abschüsse innerhalb von rund 20 Jahren um 130 bis 150 Höhenmeter nach oben verschoben haben. «Rechnet man diese Entwicklung weiter, kann man davon ausgehen, dass sich die Steinböcke heute bis zu 300 Meter höher aufhalten», sagt Aeschbacher.
Auch der Wassermangel wird immer problematischer. Die Tiere müssen weitere Wege zur nächsten Wasserquelle zurücklegen. Das kostet Energie und zehrt an ihren Kräften. «Wenn das extrem wird, kann es die Kondition der Tiere beeinträchtigen», gibt Aeschbacher zu bedenken.
Wenig Schnee – falsche Tarnung
Weitere Auswirkungen zeigen sich auch bei Anpassungsmechanismen, die sich über Jahrtausende entwickelt haben. Schneehasen wechseln in den Wintermonaten ihre Fellfarbe von braun-grau zu weiss.
Dieser natürliche Mechanismus bleibt bestehen, auch wenn noch kein Schnee liegt oder der Schnee bereits geschmolzen ist. Das weisse Fell bietet dann kaum noch Tarnung und Schutz.
Mögliche Auswirkungen sind noch relativ schwierig vorauszusagen.
Umgekehrt kann das Fell bereits wieder braun-grau sein, obwohl die Landschaft noch schneebedeckt ist. Auch dann fällt der natürliche Tarnschutz weg.
Künftig werde der Klimawandel wohl Konsequenzen haben, befürchtet Aeschbacher, aber: «Mögliche Auswirkungen sind noch relativ schwierig vorauszusagen, weil wir nicht genau wissen, wie weit der Klimawandel geht.»
Konkurrenzkampf in den Alpen
Jedenfalls könnte es in höheren Lagen zu Platzmangel kommen. Nicht nur Steinböcke, sondern auch Gämsen und Rothirsche zieht es auf der Suche nach Abkühlung immer weiter hinauf in die Berge. Aeschbacher geht deshalb davon aus, dass es vermehrt zu Konkurrenzkämpfen zwischen den verschiedenen Wildtierarten kommen wird.
Gemäss bisherigen Studien dürfte es der Steinbock dabei schwerer haben als der Rothirsch: Körperlich ist er dem Rothirsch unterlegen und kann sich in direkten Auseinandersetzungen oft nicht behaupten.